Kirchheimbolanden RHEINPFALZ Plus Artikel Karolinenfest: Präludium macht Lust auf mehr

Mit Spaß bei der Sache: Clara und Marie Becker mit Dirk Wedmann.
Mit Spaß bei der Sache: Clara und Marie Becker mit Dirk Wedmann.

Volles Haus, Beifallsstürme, Musik in satten Farben: Das Präludium zum Karolinenfest hat am Sonntag in der Kirchheimbolander Orangerie schon jetzt Lust gemacht auf mehr.

Das Vorhaben, das Publikum einzustimmen auf ihr Musikfestival im September und mit einem Matineekonzert den Start des Vorverkaufs zu feiern, ist den Zwillingen Clara und Marie Becker bestens gelungen. Und wer nur einen Aperitif erwartet hatte, konnte sich am Sonntag im Ostflügel der Orangerie schon eher ein mehrgängiges Musikmenü munden lassen mit Bach, Poulenc, Arvo Pärt, mit Feuer, Tiefgang, Infos zum Festival und mit viel Spaß an lebendiger Musikkultur – bis hin zum launigen Schlusspunkt, Mozarts Rondo alla turca, sechshändig am Flügel kauzig und kratzig gegen den Strich gebürstet. Für den Spaß hatten sich Clara und Marie Becker kurz den Pianisten Dirk Wedmann ausgeborgt, dessen Jazz-Trio Transfer zuvor den größeren Teil des Matinee-Programms bewältigt hatte.

Transfer, im Kölner Raum angesiedelt, macht sich in der langen Tradition pulsierender Bach-Interpretationen in den Farben des Jazz – man denke an Eugen Cicero oder das „Play Bach“-Trio Jacques Loussiers – seinen ganz eigenen Reim auf die Musik des Leipziger Barock-Titanen, perlend, heiter, klug, getragen von quirligen Improvisationen und den zwischen den drei Akteuren wechselnden Soloeinlagen. Dabei war der Meister sicher mal mehr, mal weniger nah, und doch immer präsent in den melodischen Vorlagen und typischen Phrasierungen, aus denen Wedmann und seine beiden kongenialen Mitstreiter, Leo Richards an E- und Kontrabass und Schlagzeuger Roland Höppner, ihren Bach-Kosmos kreierten.

Der Funke springt über

Virtuosität, Lebendigkeit und fühlbare Freude am Spiel ließen den Funken früh überspringen. Zu hören waren Interpretationen von Motiven aus den Kantaten „Wachet auf“ und „Weinen, Klagen, Sorgen, Zagen“, der berühmten „Badinerie“ aus der 2. Orchestersuite und, im zweiten Set, von vier Sätzen aus der Partita G-Dur aus dem ersten Teil der „Clavierübung“. Als Zugabe legte das Trio Bachs „Air“ nach, bemerkenswert nah am Original.

Clara und Marie Becker setzten ganz andere Akzente mit Francis Poulencs mal wuchtig und schroff auftrumpfender, mal pastoral und tiefromantisch singender Sonate für Klavier zu vier Händen von 1918 und bewiesen damit einmal mehr, dass neuere Musik und gerade Musik aus der gärenden und vielfarbig schillernden Moderne, in deren Schründen und Abgründen auch viel Ironie und Witz zu bergen sind, bei ihnen in besten Händen liegt.

Klang gewordene Stille

Eine ganz besondere Facette trug die – wie Clara und Marie Becker – aus Kirchheimbolanden stammende Cellistin Julia Panzer zur reichen Klangpalette bei. Gemeinsam mit dem Becker-Duo bezauberte sie zunächst mit Arvo Pärts „Spiegel im Spiegel“, das wie Klang gewordene Stille entlang seinen meditativ dahinschreitenden Dreiklängen in eine ganz andere Welt von fast engelhafter Reinheit hineinführte. Fesselnd und tief berührend danach der Klagegesang von Julia Panzers Medusa, ein selbst geschriebenes Solo-Stück, das mit Hilfe eines Loop immer neue Stimmen übereinanderlegt und damit ein ganzes Cello-Orchester in das wehmütige Flehen einbindet, dessen hypnotischem Kreisen man sich kaum entziehen konnte – Gänsehaut pur!

All das nun bildet ein Bündel von Hinweisen auf das, was das Karolinenfest vom 18. bis 20. September bieten wird. Unter dem mit Pärt angeklungenen Motto „Spiegel“ werden die beiden Hauptkonzerte am Samstag und Sonntag „Welt“ und „Mensch“ aufeinander beziehen, mit klassischer Musik, Jazz, künstlerischen Akzenten und viel Raum zur Begegnung. Bach wird sich im Samstagsprogramm (19. September) wiederfinden mit Werken für zwei, drei und vier Cembali – Clara und Marie Becker werden erstmals, wie sie erzählen, mit diesem Instrument auftreten, unterstützt von Arash Rokni, Joel Keller und Christof Becker, die man zum Teil schon von früheren Auflagen des Karolinenfestes kennt. Julia Panzer wird man wieder begegnen, diesmal mit dem Modena-Streichquartett, dem sie angehört. Angekündigt wird auch die Jazz-Combo der Deutschen Oper Berlin sowie der Maler und Bühnenbilder Jérémie Queyras, der live zur Musik malen wird.

Jazz-Märchen zum Festivalauftakt

Der Sonntag (20. September), der inneren Spiegelung gewidmet, wird dann bestimmt sein von Poulencs Konzert für zwei Klaviere und Orchester, Mozarts Kleiner Nachtmusik und Schostakowitschs Kammersinfonie c-Moll op. 110 a. Partner ist hier wieder das Kammerorchester der Deutschen Oper Berlin.

Und natürlich werden auch diesmal die Kinder nicht vergessen. Ihnen wird am Freitagvormittag (18. September) der Festivalauftakt gewidmet sein mit dem Jazz-Märchen vom Zauberdrachen Mo, mit Sprecherin Yara Blümel umgesetzt von der Jazz-Combo der Deutschen Oper Berlin. Und damit das Festival auch früh als Ort der Begegnung wahrgenommen wird, wurden die Matinee-Besucher schon gebeten, Fragen, Eindrücke, Denkanstöße zu hinterlassen für den Austausch mit den Akteuren vor und während des Festivals. Schauplätze des Karolinenfestes werden die Orangerie und die Paulskirche sein.

Termin

Details zum Karolinenfest, das von 18. bis 20. September in Kirchheimbolanden läuft, gibt es unter karolinenfest.de

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