Fussball
Karin Lebkücher: 41 Jahre für „ihre“ TSG Albisheim
Bei der TSG Albisheim galt sie jahrzehntelang als „Mädchen für alles“, als „gute Seele des Vereins“. Das klingt nett. Und es ist überaus wertschätzend gemeint. Doch es kann nur im Ansatz das Lebenswerk von Karin Lebkücher beschreiben. Denn als sie 1980 zur Nachfolgerin des verstorbenen Alfons Burgey zur Kassiererin gewählt wurde, galten Frauen in Vereinsgremien als Ausnahme.
Doch sie zeigte schnell, dass sie dem Verein an dieser Stelle helfen kann. Denn vor ihrer Tätigkeit bei der Raiffeisenbank, der heutigen Volksbank Alzey-Worms, war sie sieben Jahre lang bei der Steuer- und Gemeinde-Einnehmerei Albisheim tätig. Dieser sehr frühe Umgang mit Geld hat sie geradezu prädestiniert für den neuen Job als Kassenwartin. Im November 2021 hat Lebkücher nach 41 Jahren ihren letzten Jahresabschluss bei der TSG fertiggestellt.
Wächterin über die Finanzen
Zeitgleich mit dem Ehrenamt bei der TSG übernahm die Bankangestellte auch die Finanzgeschäfte des 500 Mitglieder starken Zellertaler Diakonissenvereins, für den sie 33 Jahre lang tätig war. Doch so wie sich die Begrifflichkeiten im Laufe der Zeit verändert haben, die Einnehmerei ging später in die heutige Verbandsgemeindekasse Göllheim über, veränderten sich auch permanent die steuerlichen Regeln für Vereine. Für Karin Lebkücher hieß das, sich ständig weiterzubilden und Kurse zu besuchen.
Die Anforderungen an das Amt bei der TSG wuchsen auch mit der stetig steigenden Mitgliederzahl. Waren es 1980 gerade mal 250, deren Beiträge damals noch bar einkassiert wurden, zählen zur TSG-Familie heute rund 700 Mitglieder. „Ich habe oft bis spät in die Nacht am Computer gesessen“, blickt sie zurück auf turbulente Zeiten. Sie musste des Öfteren den Ausschuss bremsen, als nach dem Bau der Pfrimmhalle das Geld knapp war und trotzdem ständig Wünsche an sie herangetragen wurden.
Abschalten vom Verein auf dem Sportplatz
Neben ihrer Tätigkeit als Kassenwartin engagierte sich Lebkücher auch im organisatorischen Bereich, koordinierte Veranstaltungen wie die Fastnacht, die Weihnachtsfeier oder die Sportwoche, war Übungsleiterin und organisierte Kinderspielfeste. Zu viel wurde es ihr nie. „Trotz der ganzen Arbeit war es eine schöne Zeit.“ Ablenkung vom Verein fand sie dann doch wieder im Verein. „Wenn ich früher mal richtig abschalten wollte, bin ich auf den Sportplatz und habe die gepflanzten Blumenkübel neben dem Sportheim gegossen.“
Karin Lebkücher kommt ursprünglich vom Turnen, tanzte viele Jahre im Damenballett und engagierte sich später in den Bereichen Gymnastik und Zumba. Zum Fußball kam sie über ihren Mann Reimund, mit dem sie vor zwei Jahren Goldene Hochzeit feierte. Er begann 1963 mit dem Fußballspielen bei der TSG, bekleidete in den Folgejahren verschiedene Ehrenämter, war zuletzt Pressewart und hilft heute noch dem legendären „Rasen-Team“ der TSG.
Viele neue Ideen
Und weil ihr zukünftiger Ehemann fast jede freie Minute auf dem Sportgelände verbrachte, hat sie ihn einfach begleitet, um ihn überhaupt sehen zu können. Bei den Spielen der Aktiven war sie nun Dauergast, erlebte die sportliche Entwicklung des Vereins hautnah mit. Und wurde bald schon unverzichtbar für den Verein.
Und jetzt? Was tun mit der ganzen Freizeit? Karin Lebkücher und ihr Mann lachen. „Uns wird nicht langweilig, wir sind ständig auf Achse“, verrät sie. Die gemeinsamen Städtereisen, ein großer Freundeskreis, Fußball spielende Enkelkinder und ein schmucker Garten stehen jetzt verstärkt auf dem Programm. Karin Lebkücher freut sich, all das nun tun zu können, „ohne sich nach Spielplänen zu richten“. Endlich, nach 41 Jahren im Ehrenamt.
Info
Regelmäßig ehren der DFB und seine Landesverbände langjährige Ehrenamtler. Die Geehrten im Fußballkreis Kaiserslautern-Donnersberg konnten auch dieses mal wieder auf stolze Lebensleistungen verweisen: 41 Jahre lang Kassiererin, 25 Jahre lang im Vorstand, 23 Jahre lang Spieler und Mädchen für alles oder den Verein saniert. Vom Kreisvorsitzenden Udo Schöneberger und Kreisehrenamtsbeauftragten Andreas Gödtel wurden neben Karin Lebkücher in diesem Jahr auch Mario Diehl (SV Wiesenthalerhof), Dieter Gehrke (TuS Olsbrücken) und Michael Lutzke (SG Hochspeyer) mit der original DFB-Uhr geehrt. „Ohne Ehrenamt wäre Fußball bei uns nicht möglich“, betonte Schöneberger. Die Preisträger stünden stellvertretend für viele andere ehrenamtliche Kräfte, die hinter den Kulissen für den reibungslosen Ablauf des Sports sorgen. Gödtel erinnerte an die zahlreichen Aktivitäten des DFB zur Würdigung des Ehrenamtes und rief die Vereine auf, verdiente Mitglieder dem Kreis zu melden.