Kirchheimbolanden
Künstlerin Susanne Krell stellt im Art Hotel Braun aus
Wer hat dies als Kind nicht gemacht? Eine Münze auf den Tisch gelegt, diese mit einem Blatt Papier abgedeckt und dann mit einem Bleistift das Relief der Münze auf das Papier übertragen – fertig ist die Frottage. Susanne Krell hat dieses kunstvolle Anfertigen von Abdrücken perfektioniert und dafür weltweit besondere Orte aufgesucht. In ihrem Archiv schlummern über 1500 Exponate der Frottage-Technik, wobei im Art Hotel Braun nur eine ganz kleine Reihe davon gezeigt wird. Die wenigen Exponate haben es jedoch in sich und offenbaren erst beim Sinnieren das wahre Ausmaß der künstlerischen Tragweite.
Historische Gebäude in der Ukraine
Im zweiten Treppenabsatz des Hotels sind Foto-Collagen zu sehen, die den Arbeitsprozess der Künstlerin zur 33-teiligen Serie „Lviv Ukraine 2019“ zeigen: In gebückter Haltung überträgt Krell mit einem silberfarbenen Stift das Relief von historischen Gebäuden auf schwarzes Papier. Ursprünglich standen die Werke im Kontext zum zehnjährigen Jubiläum des Interkulturellen Steinmetzprojekts zwischen Kirchheimbolanden und Lviv – an einen Krieg zwischen Russland und der Ukraine war damals nicht zu denken.
„Wie viele historische Gebäude dem Krieg zum Opfer fallen werden?“, fragt Katharina Popanda, Geschäftsführerin der Stiftung für Kultur Rheinland-Pfalz, in der Eröffnungsrede zur Vernissage. Für Popanda stehen die Frottagen aus der Ukraine unfreiwillig im Kontext zum Ukrainekonflikt und damit auch stellvertretend für die vielen namenlosen Opfer des Krieges, an die es unbedingt zu gedenken gilt.
Richtungsweisende Männer im Kunsthandwerk
Einen ganzen anderen Konflikt verarbeitet die Künstlerin dagegen in den Arbeiten, die im Treppenaufgang zur Rezeption zu sehen sind, und dies in voller Absicht. Die Bilder zeigen allesamt männliche Statuen, Feldherren oder Reiter, die auf etwas zeigen und so die Richtung vorgeben. Für Susanne Krell ist es an der Zeit, diese Richtung zu ändern. Krell begeht mit diesen Werken eine kleine Rebellion gegen das überwiegend maskuline Element im Kunsthandwerk und kämpft damit für die Gleichstellung der Geschlechter, insbesondere in der Kunst. Die Serie trägt den prägnanten Namen „Zeigende Männer“ und vereint in digitaler Mischtechnik das Foto der Plastik mit der dazugehörigen Frottage.
Im Eingangsbereich werden die Besucher zunächst aber auf eine trügerische Fährte gelockt. Ein 80 mal 120 Zentimeter großes und farbenfrohes Acrylbild zeigt das abstrakte Ineinanderlaufen von grünen, gelben und blauen Farbflächen. Es wirkt auf den ersten Blick nicht ungewöhnlich, doch bei genauerem Hinsehen wird das verwobene Spiel mit den feinen Frottage-Strukturen sichtbar.
Auch im Frühstücksraum des Hotels
Unverkennbar im Ausdruck erscheinen dagegen die 15 mal 15 Zentimeter großen Frottagen der Serie „Zwischendrin“, die passenderweise auch „zwischendrin“ an einer Wand im Frühstücksraum des Hotels zu sehen ist. Die Arbeiten sind auf Holz in Mischtechnik entstanden und enthalten allesamt Originalspuren aus der Zeit des Barocks, die heute noch erhalten geblieben sind, wie etwa die Originalspur der seitlichen Abgrenzung zum Weinberg im Barockgarten Kirchheimbolanden. Die Intentionen hinter den Werken von Krell müssen aber erst einmal entdeckt werden.