Kirchheimbolanden
Künstlerin Anna Christina Nendza hält Fahne der Kulturnacht hoch
„Die Laune bei meinen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern steigt stetig, seit Anna Christina Nendzas Arbeiten bei uns hängen, weil sie so fröhlich und farbenfroh sind“, verriet Martin Braun vom Art Hotel Braun bei seiner Begrüßung. Er freue sich sehr, gemeinsam mit Lydia Thorn Wickert „trotz allem“ wieder eine Ausstellung zur Kulturnacht auf die Beine gestellt zu haben, die elfte in fünf Jahren, wie Thorn Wickert später ergänzte. Auch sie lobte die Zusammenarbeit mit Martin Braun, dessen engagierte Kunstförderung besonders in diesen Zeiten ein starkes Zeichen setze, das bis weit über die Region hinaus strahle.
Lebensfreude, so führte Dr. Lydia Thorn Wickert weiter aus, sei in der Tat eines der wichtigen Themen in der Arbeit von Anna Christina Nendza. Die für die Ausstellung ausgewählten Objekte, so Thorn Wickert weiter, „sind Auszüge eines wachsenden Netzwerkes spielerischer Gedanken und visueller Eindrücke.“ Die Bildträger dazu sind vielfältig, und ebenso unterschiedlich sind die Techniken: hier findet sich neben Buntstift und Lackfarbe auch Siebdruck oder Acrylfarbe.
Strahlende Lebensfreude
Die Präsentation „Malerei und Objekte“ mit Arbeiten der Düsseldorfer umfasst 44 Positionen, die auf vier Stockwerke verteilt präsentiert werden. Im Parterre begrüßen den Betrachter gleich zwei Werke, die symptomatisch für die Arbeiten Anna Christina Nendzas stehen: Das „Erdbeergesicht“, das eine Erdbeere mit Haaren, aber ohne jegliche Sinnesorgane zeigt, und die Arbeit „Café Tomate“, die in Acryl auf vernähter Leinwand eine Art Markise mit Schriftzug, aber kein Café und auch keine Tomate zeigt. Beide strahlen eine leichte Lebensfreude aus, erwecken im Betrachter das Gefühl von Wärme, Sommer und Erdbeerzeit. Wie so oft zeigt Nendza hier einfache Motive mit vordergründig klaren Botschaften. Eigentlich aber konfrontiert sie den Betrachter mit seinen eigenen Gedanken über die Kunst und das Leben: denn die Arbeiten fordern den Betrachter geradezu heraus, sie weiterzudenken und den Kosmos drum herum mit eigenen Gedanken zu füllen.
Anna Christina Nendza vereint zwei Ausbildungsgänge: sie führt als Meisterschülerin von Professor Andreas Schulze nicht nur den Akademiebrief der Kunstakademie Düsseldorf, sondern hat auch ein Staatsexamen in Deutsch und Kunst für das Grundschullehramt vorzuweisen. Durch ihr Lehramtsstudium habe sie gelernt, erzählerisch zu arbeiten, erklärt die Künstlerin. Beim daran anschließenden Beginn ihres Studiums an der Kunstakademie habe sie noch versucht, vollständige Geschichten in ihren Bildern zu erzählen. Das Erzählen sei aber im Laufe der Zeit immer mehr in den Hintergrund gerückt. Vielmehr helfe ihr das Gedankenkonstrukt einer Geschichte nun dabei, nur einzelne Elemente daraus tatsächlich umzusetzen und dem Betrachter zu präsentieren. „Früher hätte ich vermutlich das Café Tomate gebaut und an die Wand gehängt“, sagt sie, „heute zeige ich die Markise mit dem Schriftzug gleich zu Beginn der Ausstellung, und es folgen dann weitere Objekte aus diesem Gedankenkosmos, die alle genauso im Café Tomate hängen oder stehen könnten“. Der Betrachter ist quasi aufgefordert, sich die Geschichte selbst zu erzählen, sie selbst zusammenzusetzen. Dabei darf aber das Spielerische auf keinen Fall zu kurz kommen, wie Anna Christina Nendza schmunzelnd erklärt: Das Objekt „Tomaten-Pouf“ zum Beispiel ist ein echtes Sitzmöbel und wird bei ihr zu Hause auch benutzt, genauso wie die „Käsebierbank“, eine Biergartengarnitur in Kindergröße.
Keine wie die andere
Das Spielerische, ihr Sinn für Humor und die Freude der Künstlerin an Wortspielen kommt in ihren neusten Arbeiten, der Reihe der Käseplatten, besonders schön zur Geltung. Fünf dieser Objekte, offiziell betitelt als „Wooden object no. 1 – 5 (Käseplatte)“ hängen in der Ausstellung. Auch wenn sie auf den ersten Blick simpel erscheinen, so bemerkt man bei näherem Hinsehen, dass sie eben genau das nicht sind: Keine ist wie die Andere, jede hat eine andere Größe, Farbe, Struktur und Lochung. Es ist wie im echten Leben: eine einfache, auf den ersten Blick langweilig wirkende Scheibe Käse kann ein ganz großartiges, exquisites Mahl sein, und der Herstellung beispielsweise einer Scheibe Emmentaler wohnt durchaus Wissen und Kunstfertigkeit inne. Hier zeigt sich das große Thema, das neben der Lebensfreude alle Arbeiten der Künstlerin umspannt: nämlich wie aus etwas Normalem, Einfachen, allgemein Verständlichem etwas Einzigartiges und Kostbares wird. Oder, wie Dr. Lydia Thorn Wickert es ausdrückte: Anna Christina Nendzas Arbeiten sind ein „Wegweiser zur Zuversicht und gegen den Kleinmut“.
Info
Die Ausstellung „Anna Christina Nendza – Malerei und Objekte“ ist bis Januar 2020 im Art Hotel Braun in Kirchheimbolanden zu sehen. Sie kann von Montag bis Samstag zwischen 8 und 23 Uhr besichtigt werden.