Rockenhausen / Landau / Berlin
Jerome Mitchell und Mark Forster: Frühere Beinahe-Nachbarn bei „The Voice of Germany“
Viel darf Jerome Mitchell über den Verlauf seiner Teilnahme bei „The Voice of Germany“ noch nicht verraten – dazu hat ihn der Sender verpflichtet. Sicher aber ist, dass der in Kirchheimbolanden geborene und in Rockenhausen aufgewachsene Sänger die erste Runde, die „Blind Audition“, bereits gut überstanden hat und nun im Team von Mark Forster auf die sogenannte „Battle Round“ vorbereitet wird. Sollte er die ebenfalls erfolgreich hinter sich bringen, stehen seine Chancen gar nicht so schlecht, ein national bekannter Musiker zu werden.
Dass ausgerechnet Mark Forster, der Winnweilerer, der ebenfalls eine Rockenhausener Vergangenheit hat, zu seinem Coach geworden ist, hat mit der gemeinsamen Herkunft allerdings nichts zu tun. „Mark und ich haben uns vorher nicht gekannt“, erzählt Mitchell, „ich habe mich für ihn auch nicht mit der Absicht entschieden, Vorteile aus der Tatsache zu ziehen, dass wir beide Nordpfälzer sind. Mir ging es vielmehr um die musikalische Nähe, die uns verbindet.“ Lustig findet Mitchell aber, dass er, um einen ehemaligen Beinahe-Nachbarn kennenzulernen, eigens nach Berlin reisen musste, wo das Casting stattfindet.
Gegen Mario Basler und Ailton gekickt
Singen sei schon immer seine große Leidenschaft gewesen – aber beileibe nicht die einzige: Der 32-jährige ist auch ein begnadeter Fußballer. „Angefangen habe ich beim FV Rockenhausen in der Bambini-Mannschaft“, berichtet er, „über die FCK-Jugend und verschiedene Auswahlmannschaften kam ich nach meinem Umzug nach Landau zum FSV Offenbach, mit dem ich in die Verbandsliga aufgestiegen bin.“ Das sei eine „schöne, aber auch anstrengende“ Zeit gewesen. „Es hat Spaß gemacht, gegen Typen wie Ailton oder Mario Basler zu spielen.“
In Landau ist er heimisch geworden, beim Fußball schaltete Mitchell ein Stück zurück. „Es wurde immer schwieriger, Beruf und Hobby unter einen Hut zu bringen. Nach einem Gastspiel beim TB Jahn Zeiskam wechselte ich darum in die Kreisliga zum FV Queichheim, wo es ein bisschen ruhiger zugeht und wo ich noch heute spiele.“ Parallel zum Fußballspielen kam dann die Musik, was zunächst eigentlich gar nicht geplant war: „Mein Vater, Jerome Mitchell senior, singt in verschiedenen Formationen. Als US-Soldat war er in Kaiserslautern stationiert und ist mit einigen Soulbands in der Gegend aufgetreten. Eines Tages hat er mich als Fünfjährigen zu einem Michael-Jackson-Konzert nach Köln mitgenommen. Das hat mich so beeindruckt, dass ich mich heute noch an jedes Detail erinnern kann.“ Besonders fasziniert habe ihn die Interaktion, die Jackson mit dem Publikum aufbaute. „Mein heutiges Bühnenverhalten ist, glaube ich, von dem damaligen Ereignis nach wie vor geprägt“, sagt Mitchell.
Die Mama könnte Geschichten erzählen ...
Gesungen habe er schon immer gern. Aber vor anderen zu singen, das habe er sich früher nie getraut. Stattdessen habe er daheim seine Sangeskünste erprobt. Seine Mutter hätte darüber wohl einige Storys zu erzählen, mutmaßt Jerome Mitchell. Über seine Michael-Jackson-Verehrung jedenfalls habe sie so manche Anekdote auf Lager, lacht Mitchell. „Ihre Lieblingsgeschichte ist folgende: Als Kind habe ich einmal völlig erschöpft mit Fieber auf der Couch gelegen. Als plötzlich im Radio ein Song von Jackson gespielt wurde, sei ich aufgestanden und habe getanzt wie ein Wilder. Danach sei es mir besser gegangen.“
Dennoch sei es für ihn zunächst nie ein Thema gewesen, Musiker zu werden. „Da war ja auch noch die Schule – und später der Beruf“, klärt Mitchell auf: „Ich habe an der IGS Rockenhausen Abi gemacht, anschließend beim Evangelischen Hilfswerk Zoar Zivildienst geleistet. Mit 20 zog ich nach Landau, nahm an der Uni mein Studium auf. Nach meinen Master of Education bin ich dort inzwischen wissenschaftlicher Mitarbeiter mit Lehrauftrag.“ In Landau nahm dann auch seine musikalische Karriere Fahrt auf. „Während des Studiums lernte ich Enrico Casas kennen, und wir wurden schnell beste Freunde. Während eines Besuchs bei ihm entdeckte ich eine Gitarre. Bis dahin hatte ich gar nicht gewusst, dass Rico ein Instrument spielt. Wir haben ein bisschen gejamt, ich habe gesungen, und danach war uns klar, dass wir zusammen etwas machen müssen.“
Erstes Etappenziel erreicht
Gemeinsam mit Thommy Schlüter gründeten sie die Gruppe Ease, „mit der wir einmal sogar ein Konzert in Winnweiler vor Hunderten von Zuschauern gespielt haben“. Als schließlich noch Schlagzeuger Felix Jakob dazustieß, war das die Geburtsstunde von Feasco, „der Gruppe mit der wir mittlerweile vier erfolgreiche Singles veröffentlicht haben“. Gegen seine Teilnahme bei „The Voice of Germany“ hätten seine Bandkollegen nichts gehabt. „Im Gegenteil“, sagt Mitchell, „wir hoffen, damit die Popularität von Feasco sogar ein wenig steigern zu können. Seit ich im Fernsehen war, erreichen uns viele Mails mit positivem Inhalt, und auch auf Social Media werden wir jetzt häufiger angesprochen als vorher“.
Was er sich sonst noch von „The Voice“ verspricht? „Es ist nicht so, dass ich mit der Erwartung angetreten bin, den Wettbewerb direkt zu gewinnen. Mir geht es in erster Linie darum, mich als Sänger weiterzuentwickeln“, sagt Jerome Mitchell. Er will sich als vielseitiger und offener Künstler präsentieren. Bei „The Voice of Germany“ seien Musikverlage und Talentscouts „an den Leuten interessiert, die dort weiterkommen. Mit meinem Sprung in die ,Battle Rounds’ habe ich die erste Etappe auf dem Weg zu meinem persönlichen Ziel schon erreicht. Was daraus wird, bleibt abzuwarten“.