Donnersbergkreis RHEINPFALZ Plus Artikel Jakobsweiler: Kerwe trotz Sauwetter handfest gefeiert

Farbenfroh beschirmt: die Kerweredner Melissa Kullmann und Tobias Dambach.
Farbenfroh beschirmt: die Kerweredner Melissa Kullmann und Tobias Dambach. FotO: KULLMANN/FREI

Dauerregen. Seit Menschengedenken war das Kerwe-Wetter nicht so miserabel wie ausgerechnet an diesem Sonntag. Aber Umzug und „Redd“ fanden natürlich trotzdem planmäßig statt.

Die Joxwillerer ließen sich ihren Spaß nicht verregnen, gefeiert wurde nach altem Brauch. Und zwar handfest: Die sieben strammen „Borsch und zwee schicke Mäd“ gruben ihre Kerb schon am Donnerstagabend aus. Am Freitagabend war „Mussik“ auf dem Dorfplatz, zum Tanz am Samstag sorgte DJ Pillgramm für Stimmung. Dreh- und Angelpunkt blieb der Saal im Bürgerhaus, bevorzugtes Getränk in „Jacky- Town“ war dem Vernehmen nach Cowboy-Schorle (Cola und Jack Daniels).

„E paar (Zuschauer) wern sich schon finne uff de Gass“ – der Umzug leidet sichtlich unter der Nässe. Schade. Der „Kerwebaam“, eine stattliche Birke, schön geschmückt mit bunten Bändern, trieft. Allen voran, hoch auf dem Traktor und farbenfroh beschirmt, fahren die beiden Kerwe-Redner Melissa Kullmann und Tobias Dambach vor. Der nächste Trecker lädt zum Feiern ein, die „Kerweborsch“ singen und sind „gut druff“.

Eine alte Zinkbadewanne haben sie aufgeladen, eine bleiche Schaufensterpuppe liegt darin. Und weiter schwimmt ein riesiger aufgeblasener „Greifvogel“ mit, wohl eher ein Schwan, den Farben nach aus den USA importiert. Hugo-Kartons, auf einem Bollerwagen angekarrt, weichen allmählich auf.

Traditions-Litanei bis zur Heiserkeit

Die nachfolgenden Zugnummern kommen aus Weitersweiler, Würzweiler, Bennhausen, Dreisen und Börrstadt. Heiko Walzcuch, auf hoher Leiter, wuchtet den schweren „Kerwebaam“ in die Halterung am Bürgerhaus. Dann wird lauthals die Traditions-Litanei angestimmt: „ Was saufe mer?“ „Humbe!“ „Was raache mer?“ „Stumbe!“ „Wem is die Kerb?“ „Unser! Die Joxwillerer Kerb, sie lebe hoch, hoch, hoch! Zickezackezickezacke hoihoihoi!“ Manch einer klingt da schon ziemlich heiser.

Alle drängen ins Trockene. Im Nu ist der große Saal oben voll – auf den Zusammenhalt in dem kleinen Ort ist Verlass. Im Wechsel, genüsslich und mit dem nötigen Pep, lässt das Redner-Paar gereimte lokale Geschehnisse Revue passieren. Da soll doch tatsächlich jemand an Fasching so vollgetankt gewesen sein, dass er zu Hause im Bad das Gleichgewicht verlor und rückwärts in die Wanne flog. „Beim Falle hot er sich am Rücke blaue Flecke zugezoh un dodebei de Wasserhahn kräftig verboh.“ Aus der Wanne wieder rauszukommen, war ein weiterer Kraftakt.

Dumm gelaufen

Tobi und Melli selber, in Vorfreude uff die Kerb, waren ebenfalls nicht mehr ganz nüchtern, als sie sich per Roller auf den Heimweg machten. Eine Polizeistreife kommt ihnen entgegen. In Panik düst Tobi seitwärts über den Rosenweg davon, stellt den Roller ab und wirft den Schlüssel „voll in die Hecke“. Dumm gelaufen: Die Cops waren kein bisschen an den beiden interessiert, die Flucht war umsonst. „Betrunke fahre is echt beschisse!“ Und da war noch jene Anne, die verschlafen hatte und so dringend zur Arbeit musste. Stress pur – sie sperrte sich selber aus der Wohnung aus, „Schlüssel und Handy hinner de Deer“. Im Pyjama bat sie den Nachbarn um Hilfe – um schließlich, Ende gut, alles gut, in den Klamotten vom Chef seiner Frau ihre Arbeit im Bastenhaus antreten zu können. Moral: nie ohne Schlüssel das Haus verlassen!

Mit tierischen Hindernissen hatte ein Sprinter aus dem Dorf zu kämpfen: Erst wird er den Hund, der ihn verfolgt, nicht los, dann ist er auch noch den Attacken eines Adlers ausgesetzt. Für etliche „komische Schdiggelscher“ sind auch die Turnerfrauen gut.

Zuletzt was eher Trauriges: Heiko, Paddes und Pöpsel, lange Zeit dabei, nehmen ihren Abschied. In 15 Jahren bauten sie gemeinsam einiges vor Ort auf, und nach Paddes wird jetzt Jonas neuer „Kerwebabbe“. Stichwort für Heiko, noch einmal die „Kerb“ anzukreischen, das kann er doch so gut. Er gibt sein Bestes: Kein Joxwillerer Gockel kräht lauter.

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