thaiBoxen RHEINPFALZ Plus Artikel Internationales Flair im Hochring der Vikings in Marnheim

 Angriff mit dem rechten Fuß: Mia Kundi (rechts) von den Vikings Muay Thai Marnheim.
Angriff mit dem rechten Fuß: Mia Kundi (rechts) von den Vikings Muay Thai Marnheim.

Ein Länderkampf in Marnheim zwischen Deutschland und Belgien im Thaiboxen. Im Gym der Vikings an der Bahnhofstraße ging am Samstag genau dies über die Bühne. Publikum durfte leider nicht kommen. Doch die insgesamt 36 Kämpfe gab es im Internet live zu sehen. Ob die Veranstaltung, die unter strengen Auflagen stattfand, ein Erfolg war?

Aus den Lautsprechern kam Musik des US-amerikanischen Rappers Eminem. Dann wurden die Namen der beiden nächsten Kämpfer angesagt. Als Solveigh Wagner von den Vikings Muay Thai Marnheim und ihre Kontrahentin Sarah Dekers aus Belgien im Hochring standen, verstummte Eminem und die für das Muay Thai typische Musik war zu hören. Dann ging es los mit dem üblichen Ritual, das die Athleten vollziehen. Ein paar Minuten später startete der Kampf.

Die 14-jährige Solveigh Wagner gehört bei den Marnheimern zu den sportlichen Aushängeschildern. Sie steht im Nationalkader. Eigentlich hätte sie am Samstag gegen eine gleichaltrige Gegnerin kämpfen sollen, aber die sagte kurzfristig ab. „Dafür ist mit Sarah Dekers eine 17 Jahre alte Belgierin eingesprungen, der Kampf lief deshalb unter Sparring“, erklärte Marc Wagner, der Erste Vorsitzende der Vikings, der an diesem Samstag als Mitorganisator, Coach, Ansprechpartner und Logistiker immens im Stress war, sich dennoch immer geduldig Zeit für seine Gesprächspartner nahm.

Gym als Leistungszentrum

Beide jungen Damen im Ring kämpften mit Kopf- und Mundschutz. „Kickboxen ist das nicht. Muay Thai ist ja eine eigene Sportart“, erklärte Marc Wagner. Muay Thai ist in Südostasien entstanden. In Thailand ist es die Nationalsportart. „Doch auch in Osteuropa ist diese Sportart sehr populär.“ In Deutschland gehört sie dagegen noch zu den Randsportarten. Jedoch: Sie wird offenbar immer beliebter. „Dass Muay Thai 2016 vom Internationalen Olympischen Komitee (IOC) provisorisch anerkannt wurde, gibt natürlich noch einmal einen Schub“, sagte der Vikings-Vorsitzende. Und die Marnheimer sind tatsächlich mittendrin. Das Gym in der Bahnhofstraße ist mittlerweile Leistungszentrum.

Wenn deutsche Muay-Thai-Boxer in Zukunft bei Olympia starten, könnte durchaus der ein oder andere Donnersberger Name mit dabei sein. Wie zum Beispiel Thore Wagner, zwei Jahre jüngerer Bruder von Solveigh und Sohn von Marc Wagner. Der Zwölfjährige, der in seiner Altersklasse die Nummer fünf der Welt ist, kämpfte am Samstag gegen den Belgier Santino Rouvroy. Und verlor hauchdünn nach Punkten. „Das habe ich nicht ganz so gesehen. Eigentlich war ich mit den Entscheidungen der Kampfrichter, wir hatten ja eine gemischte Jury aus deutschen und belgischen Offiziellen, den ganzen Tag über zufrieden. Nur da lagen sie für meinen Geschmack daneben“, gestand Marc Wagner und schmunzelte.

Seit kurzem ist auch Carsten Hühn Mitglied der deutschen Nationalmannschaft „Das freut mich wirklich für ihn und er hat es auch verdient“, erzählte der Vikings-Vorsitzende, der hofft, dass in der Zukunft noch mehr Donnersberger dazukommen.

Shuttle-Service vor Ort

Organisatorisch lief am Samstag ganz viel richtig. Der Zeitplan sah vor, dass die jüngsten Kämpferinnen und Kämpfer zuerst in den Ring steigen, bis hin zu den ältesten Sportlern am Abend. Zuschauer waren nicht erlaubt. Dennoch waren andere Sportlerinnen und Sportler sowie deren Coaches anwesend. Aber: Die Coronamaßnahmen waren ganz streng. Alle Teilnehmer wurden regelmäßig getestet und mussten einen negativen Nachweis vorzeigen, bevor sie in den Ring stiegen. Es gab ein Auto-Shuttle, damit die Sportler und Betreuer nicht immer zwischen Gym und Unterkunft mit dem eigenen Pkw hin- und herfahren mussten. „Wir hatten ja im November 2020 noch unseren Cup, und da konnten wir ja schon vieles ausprobieren im Hinblick auf Wettkämpfe in Pandemiezeiten. Ich würde jetzt schon sagen: Übung hat hier den Meister gemacht“, betonte Wagner. „Unseren belgischen Gästen hat es unheimlich gefallen. Die waren begeistert von dem, was wir hier auf die Beine gestellt haben.“

Gründungsvater anwesend

Als Wagner bei den Kämpfen der Vikings-Athleten in der Ecke coachte, hatte er prominente Unterstützung. Detlef Thürnau aus Grevenbroich, der den ersten Fachverband für Muay Thai in Deutschland im Jahr 1984 gründete und somit als „Vater“ dieser Sportart in der Bundesrepublik gilt, gab ihm und den Donnersberger Kämpfern wertvolle Tipps.

Ob Solveigh Wagner in ihrem Kampf davon profitiert hat? Sie gewann gegen ihre drei Jahre ältere belgische Gegnerin die ersten beiden Runden. Dann konterte Sarah Deker aber mit einen Niederschlag. Körperlich steckte die Marnheimerin das gut weg, den Kampf gab sie aber letztlich ab. „Nicht schlimm, unsere Leistungskämpfer haben alle abgeliefert“, sagte Wagner. „Für uns war das wieder als Verein eine neue, aber sehr positive Erfahrung.“

Das Kampfgericht – alles genau im Blick: Jens Wilke, Jasmin Holscherer und Angela Schlicksupp (von oben nach unten).
Das Kampfgericht – alles genau im Blick: Jens Wilke, Jasmin Holscherer und Angela Schlicksupp (von oben nach unten).
x