Rockenhausen Innenstadt soll barrierefrei(er) werden
Das häufig gelobte malerische Flair der Rockenhausener Innenstadt wird in manchen Bereichen „erkauft“ durch ein schwieriges Geläuf. Dafür sorgen vor allem zwei charakteristische Merkmale: erstens das Kopfsteinpflaster, das je nach Ausprägung mal mühselig, mal fast unmöglich mit Rollator, Rollstuhl oder auch nur zu Fuß zu passieren ist. Zweitens der Wasserlauf entlang der verkehrsberuhigten Zone in der Luitpoldstraße, der das Vorankommen nicht nur für Menschen mit Gehbehinderung, sondern beispielsweise auch für Mütter mit Kinderwagen deutlich erschwert. Doch nicht nur in der Stadtmitte, sondern auch auf den Verbindungen von außerhalb – beispielsweise von Parkplätzen – ins Zentrum gibt es Barrieren.
Deren – zumindest teilweisen – Abbau hatte sich der damalige Stadtrat schon vor den Kommunalwahlen 2019 zum Ziel gesetzt. Vor rund zwei Jahren hat dann das frisch gewählte Gremium fünf Projekte beschlossen, um Menschen, die in ihrer Mobilität beeinträchtigt sind, den Zugang zum und den Weg durch den Stadtkern zu erleichtern. Kürzlich ist nun die erste Maßnahme umgesetzt worden, wie Stadtbeigeordneter Werner Dietz auf RHEINPFALZ-Anfrage mitteilte: Bislang war der Fußweg, der den Parkplatz an der Sparkasse mit der in die Innenstadt führenden Rosmarienstraße verbindet, auf einem rund 15 Meter langen Abschnitt geschottert – von barrierefrei konnte da keine Rede sein. Jetzt wurde der lose Untergrund laut VG-Bauamtsleiter Michael Groß für etwa 3000 Euro mit Pflastersteinen versehen.
Schwelle schafft ebene Fläche
Weitere Verbesserungen folgen im nächsten Jahr. So ist geplant, nur wenige Meter von der genannten Stelle entfernt, in der oberen Ringstraße den Übergang zwischen Sparkassen-Parkplatz und dem frisch befestigten Pfad neu zu gestalten. Dazu wird eine mehrere Meter breite Schwelle auf der Fahrbahn installiert, erläutert Groß. Diese hat einen doppelten Effekt: Erstens werden Autofahrer gebremst, zweitens wird dadurch eine ebene Fläche mit den Bürgersteigen geschaffen – mit Rollstuhl und Rollator kann künftig die Strecke vom Sparkassen-Parkplatz durch die Rosmarienstraße ins Zentrum ohne Hindernisse zurückgelegt werden.
Abhilfe geschaffen werden soll zudem im unteren Teil der Ringstraße: Vor dem protestantischen Gemeindehaus ist auf einem Abschnitt das Pflaster besonders grob – deshalb „wird links und rechts der Belag auf etwa einem Meter Breite abgefräst“, informiert Dietz. So entsteht in beide Richtungen jeweils ein glatter, leicht begeh- oder befahrbarer Streifen.
Laufweg vom Rognacplatz zur Schlossstraße
Analog dazu werde auch auf der Verbindung zwischen Rognacplatz und Schlossstraße – vorbei am St.-Theodor-Platz beim Eiscafé Messina – seitlich ein Laufweg angelegt. „Ursprünglich hatten wir vor, die gesamte holprige Oberfläche abzuschleifen“, so Dietz. Ein solches Vorgehen sei beispielsweise in Esslingen bei Stuttgart praktiziert worden. „Ich habe mir das betrachtet, so richtig überzeugt hat mich das aber nicht.“ Zudem liege auf besagtem Abschnitt „das letzte original Rockenhausener Altstadtpflaster – das wollen wir dann doch so weit es geht erhalten.“
Dies alles soll so schnell wie möglich realisiert werden – dagegen wird die fünfte vorgesehene Maßnahme noch ein wenig zurückgestellt: das Anlegen zweier Querungen über die entlang der Luitpoldstraße nahe des Marktplatzes verlaufende Wasserrinne. Grund für den Aufschub ist die Aufnahme der Stadt in das Folgeprogramm für die 2016 ausgelaufene Altstadtsanierung. Wie mehrfach berichtet, werden aus dem Fördertopf des Bundes mit dem etwas sperrigen Namen „Nachhaltige Stadt – Wachstum und nachhaltige Entwicklung“ in den kommenden Jahren private und öffentliche Bausanierungen bis zu einer Gesamtsumme von 6,5 Millionen Euro finanziell unterstützt.
Querungen in Warteschleife
In diesem Zusammenhang muss das beauftragte Planungsbüro Bachtler, Böhme und Partner (Kaiserslautern) unter Beteiligung der Öffentlichkeit ein sogenanntes integriertes städtebauliches Entwicklungskonzept erstellen. „Darin soll dann auch die vorgesehene Querungshilfe über den Wasserlauf eingebunden werden. Wir wollten dem aber nicht vorgreifen und Fakten schaffen“, sagt Groß.
Ein zeitlicher Druck ist der Stadt jedenfalls genommen: Die fünf Projekte, deren Kosten die VG-Verwaltung vor zwei Jahren auf insgesamt 85.000 Euro taxiert hatte, werden zu 90 Prozent aus dem Konjunkturprogramm III des Bundes gefördert. „Ursprünglich war eine Verwendungsfrist der Mittel bis 31. Dezember 2021 vorgeschrieben. Coronabedingt ist dieser Zeitraum nun aber um zwei Jahre verlängert worden“, berichtet Groß. Bis dahin sollen in der Rockenhausener Innenstadt weitere Barrieren abgebaut werden – ohne dass dadurch das malerische Flair verloren geht.