Donnersberger Echo
Innen und außen und der ganze Gender-Quatsch
Woran merkt man, dass man langsam älter wird? – Unter anderem daran, dass man innerlich immer noch zusammenzuckt, wenn jemand wie selbstverständlich den sogenannten Glottisschlag benutzt. Wie, Sie wissen nicht, was ein Glottisschlag ist? Dann besteht noch Hoffnung bei Ihnen! Ein Glottisschlag ist das knackende Geräusch, das die Stimmbänder von vorwiegend jungen Menschen (sowie Politikern, Mitarbeitern von öffentlich-rechtlichen Medien und Kulturschaffenden) in der Mitte von manchen Wörtern machen, bevor es dann mit „innen“ weitergeht. Also zum Beispiel „Wähler – knack – innen“, „Bürger – knack – innen“, „Politiker – knack – innen“. Unsereins dagegen ist immer noch versucht zu erwidern: „Ja gut, und außen?“
Manche Genderer, vielleicht heißen sie auch Gendernde, sind inzwischen so geübt darin, dass es ihnen selbst gar nicht mehr aufzufallen scheint. Das ist vor allem bei jungen Menschen der Fall, denn die sind idealistisch und möchten Männlein, Weiblein und Fluide gleichermaßen „abholen“ und „mitnehmen“. Auf jeden Fall nicht unbenannt lassen. Andere sehen sich mehr oder weniger zu dieser Sprechweise gezwungen. Verwaltungsmitarbeiter zum Beispiel, wenn sich eine Behörde offiziell zum Gendern entschlossen hat. Häufig merkt man ihnen ihr Unbehagen noch an.
Knacken mit missionarischem Eifer
Bei Politikern ist das wieder eine andere Sache. Junge und Grüne knacken mit geradezu missionarischem Eifer, andere eher so mittel überzeugend. Zumal es bei Politik Betreibenden – Sie werden es demnächst wieder öfter hören, denn es ist ja Wahlkampf – eine ganz eigene Form des Genderns gibt. Ich bin nicht sicher, ob das sprachwissenschaftlich schon einmal erfasst wurde und ob es bereits einen Terminus technicus dafür gibt, ich persönlich nenne es die „pseudo-inklusive Innen-Verschleifung“ (Copyright bei mir). Gemeint ist damit die konsequente Nennung von beiden Formen (die Genderfluiden fallen leider unter den Tisch). Sie kennen es – kein Politiker würde es mehr wagen, einfach nur von „Bürgern“, „Wählern“ oder „Demonstranten“ zu sprechen. Nein, obligatorisch sind mittlerweile die „Bürgerinnen und Bürger“, „Wählerinnen und Wähler“, „Demonstrantinnen und Demonstranten“.
Viele tun das allerdings, wie gesagt, nicht aus innerer Überzeugung, sondern weil sie glauben, so sprechen zu müssen. Aus Angst, sonst altmodisch zu erscheinen, als seien sie vom vermeintlichen Zeitgeist abgehängt worden, und in den sozialen Medien abgestraft und womöglich dann nicht mehr gewählt zu werden. Das Problem ist nur Folgendes – und hier kommen wir zu meiner linguistischen Arbeitshypothese: Weil bei ihnen offenbar ein gewisser innerer Widerstand gegen diese Art der – ich sag’s mal offen: Sprachvergewaltigung – in Restbeständen noch vorhanden ist (oder weil sie die Sprechweise einfach furchtbar umständlich finden), tritt die obengenannte Innen-Verschleifung, man könnte es auch Vernuschelung nennen, zutage: Je mehr Doppelformen, desto schneller und schlampiger ist die Aussprache der weiblichen Form. Und so wird dann aus „Bürgerinnen und Bürger“, „Wählerinnen und Wähler“, „Schülerinnen und Schüler“ ein „Bürger und Bürger“, „Wähler und Wähler“, „Schüler und Schüler“ – pseudo-inklusiv deshalb, weil der weibliche Part vielleicht mitgedacht und mitgemeint, aber halt leider nicht mitgesprochen wurde. Klassischer Fall von dumm gelaufen.
Früher oder später kommt der Rückfall
Zumal es ja doch nie konsequent durchgehalten wird. Selbst die eifrigsten Verfechter (oder Verfechtenden, aber dieses Fass mach ich vielleicht bei anderer Gelegenheit mal auf) des Genderns halten diese ermüdende Sprechweise auf die Dauer nicht durch. Früher oder später fallen sie dann doch ins generische Maskulinum zurück. Weil ihre Zuhörer dann aber schon auf die Doppelform gedrillt sind und diese auch unbewusst erwarten, fällt ihr Fehlen umso stärker ins Gewicht. Man denkt dann sofort „Ja wie, meint der jetzt doch bloß die Männer?“, wo man sich vorher überhaupt keine Gedanken gemacht hätte.
Wie sehr sehnt man sich da nach einem Politiker – oder einer Politikerin! –, der oder die sich diesem Quatsch einfach verweigert!