Donnersbergkreis „Infolge des Krieges ganz ruiniert“

Noch bis kurz vor der Einweihung wurde am Schloss gearbeitet – hier Pflasterarbeiten im Innenhof.
Noch bis kurz vor der Einweihung wurde am Schloss gearbeitet – hier Pflasterarbeiten im Innenhof.

Der Veldenzturm ist ein Wahrzeichen von Lauterecken und das Schloss das bedeutendste historische Bauwerk. Beide sind Zeugen für eine wechselvolle Geschichte der Stadt in den zurückliegenden 700 Jahren. Nach jahrelanger Renovierung wird das Schloss vom 24. bis 26. August wiedereröffnet.

Die Anfänge des Schlosses sind nicht genau bekannt. Frühere Historiker, die sie ins zwölfte Jahrhundert verlegten, konnten sich weder auf urkundliche noch archäologische Zeugnisse stützen. Der älteste sichere Nachweis steht in einer Urkunde von 1343, in der bei einer Erbteilung der Grafen von Veldenz „buorge und dorff zu lauterecken“ genannt werden. Es spricht vieles dafür, dass die Burg erst zu Beginn des 14. Jahrhunderts gebaut wurde. Die Anlage war eine Talburg mit einem breiten und tiefen Wassergraben, der von der Lauter gespeist wurde. Die Außenmauer des quadratischen Baus gehörte zur Stadtmauer. Die Burg war ein Wehrbau zur militärischen und wirtschaftlichen Sicherung der Grafschaft. Ob der Veldenzturm noch von dem mittelalterlichen Bau stammt, ist nicht sicher. Vielleicht entstand er erst zusammen mit dem Bau des Schlosses zu Beginn des 16. Jahrhunderts. Er diente als einer von zwei Wachtürmen auf der Lauterseite und war mit dem Schloss durch einen Wehrgang verbunden. Der Spitzbogenfries an drei Seiten und der Aborterker an der Außenmauer erinnern noch an mittelalterliche Bauten. Die Bedeutung von Lauterecken änderte sich, nachdem die Grafen von Veldenz 1444 ausgestorben waren und ihr Besitz durch Heirat an die Herzöge von Pfalz-Zweibrücken fiel. Aber das zeigte sich erst 100 Jahre später unter Pfalzgraf Ruprecht (1504-44). Der nachgeborene Sohn von Pfalzgraf Alexander war für eine geistliche Laufbahn bestimmt, doch sollte er „weltlich gemacht werden“, falls sein älterer Bruder Ludwig II. (1502-32) ohne Erben starb. Ruprecht hatte auf alle Erbansprüche verzichtet, doch sein Bruder übertrug ihm Landbesitz wie die Michaelsburg auf dem Remigiusberg, 1526 gab er ihm auch „Amt und Flecken Lauterecken“ für eine jährliche Zahlung von 207,5 Gulden. Gleichzeitig bewilligte er ihm für die Instandsetzung des Schlosses in Lauterecken einmalig 300 Gulden und weiter jährlich 25 Gulden. Ruprecht verwendete dieses Geld nicht in erster Linie, um die Burg wohnlicher zu machen, sondern um ein repräsentatives neues Schloss zu errichten. Von dem etwa 25 mal zwölf Meter großen Neubau ist der zweischiffige Gewölbekeller mit seinen Pfeilern und Kreuzrippen noch im Original erhalten. Die oberen Stockwerke wurden dagegen im Laufe der nächsten vier Jahrhunderte mehrfach verändert. Ruprecht residierte abwechselnd auf dem Remigiusberg und in Lauterecken. Als Ludwig 1532 starb, wurde er Vormund seines sechsjährigen Neffen Wolfgang (1526-69) und zog nach Zweibrücken. Nach der Volljährigkeit seines Mündels kam es im Jahr 1543 zum „Marburger Vertrag“. Darin erhielt Ruprecht Pfalz-Veldenz als eigene Grafschaft, die mit weiterem Landbesitz ausgestattet wurde. Ruprecht konnte sich aber nicht lange seines neuen Standes erfreuen, denn er starb bereits im folgenden Jahr. Für seinen Sohn Georg Hans (1543-92) übernahm nun Wolfgang die Vormundschaft. Als sein Vetter volljährig wurde, erweiterte er den Besitz der Familie sehr zielstrebig. Das war vielleicht der Grund, dass „Jerrihans“ in seinen letzten Lebensjahren mit dem Bau eines neuen Schlosses begann, das sein Sohn Georg Gustav (1564-1634) dann zu Ende führte. Der „Neue Bau“ wurde parallel zum bestehenden Schloss im Südosten errichtet. Auf einer Zeichnung aus dem Jahr 1670 erscheint es als stattliches Renaissancegebäude, das etwa die gleiche Größe wie das Schloss hatte. Es besaß auf den Schmalseiten zwei prunkvolle Giebel. Über einem hohen Erdgeschoss erreichte man über einen Treppenturm vier weitere Stockwerke. Aber wahrscheinlich war das Schloss für die Grafschaft eine Nummer zu groß, denn das untere Stockwerk diente zeitweise als Marstall und Magazin. Ein Verzeichnis der Einrichtung aus dem Jahr 1623 lässt außerdem erkennen, dass auch die meisten anderen Räume nicht bewohnt waren. Am Ende des 18. Jahrhunderts war das Gebäude baufällig geworden und sollte zum Abbruch versteigert werden. Die katholische Kirchengemeinde hätte es gerne gekauft, um auf dem Platz eine eigene Kirche zu bauen, aber auch die Stadt wollte es, um einen neuen Marktplatz anzulegen. Schließlich waren mehrere Versteigerungen notwendig, bis zwei Lauterecker Bürger das Gebäude für 450 Gulden kauften. Anschließend wurde es zumindest teilweise abgetragen. Aber in ein Nachfolgegebäude, das heute noch steht (Schlossgasse 1), wurden einige ältere Teile als Spolien eingebaut. Dazu gehört ein Zwillingsfenster im zweiten Stock der Westseite und zwei Voluten über dem Eingang. Besonders prächtig ist das Portal, dessen Quader und Pilaster reichen Renaissanceschmuck aufweisen. Dem älteren Schloss blieb ein Abriss erspart, weil es auch in den nächsten Jahrhunderten genutzt und bewohnt blieb. Als die Pfalz-Veldenzer Linie 1694 ausstarb, wurde es Sitz des Oberamtes Lauterecken. Aber im Laufe der Zeit hatte auch dieses Bauwerk sehr gelitten. Denn auf den älteren Gewölben errichtete man einen Neubau. Größere Schäden entstanden vor allem am Ende des 18. Jahrhunderts während der Revolutionskriege. 1803 versteigerte man das Schloss als Nationalgut. In einem „Schätzungsakt“ wurde sein Zustand so beschrieben: „Das Haus ist infolge des Krieges ganz ruiniert, was Fenster, Türen und Mobilien betrifft. Das Erdgeschoss ist vollständig ruiniert. Alle Türen und Fenster sind entfernt, auch der Fußboden“. Als Wert werden 1100 Franken genannt. Der Lauterecker Rentmeister Johann Carl Falciola (1759-1841), von dem auch das Gutachten stammte, ersteigerte das Schloss für 1525 Franken. Seine Erben verkauften es 1842 für 10.000 Gulden. Wieder war die katholische Gemeinde daran interessiert, konnte aber den Preis nicht bezahlen. Neuer Eigentümer wurde Ludwig Schneider aus Wickenhof. Seine Tochter Wilhelmine heiratete 1861 den Landwirt Johannes Kiltz aus Waldböckelheim, der darin die Gaststätte „Schloss Veldenz“ einrichtete. Walter Kiltz, einer seiner Nachkommen, nutzte das Schloss als Autohaus. Im Jahr 2002 erwarb es die Stadt Lauterecken, nachdem sie bereits 1980 den Veldenzturm gepachtet hatte.

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