GÖLLHEIM
In Göllheim wird an allen Ecken gebaut
Ob auf dem ehemaligen Piepenbrock-Gelände, neben dem Wasgau-Markt, wo der neue Aldi entsteht, oder neben der Straße nach Kerzenheim: Dass in Göllheim an vielen Ecken gebaut wird, ist nicht zu übersehen. Nicht überall ist die Ortsgemeinde Bauherrin, doch sie hat so einiges in der Planung, wie sich bei einem Rundgang des Gemeinderates am Mittwochabend gezeigt hat. Ortsbürgermeister Dieter Hartmüller hat es sich zur Gewohnheit gemacht, solche Ortsbegehungen in unregelmäßigen Abständen anzubieten. Sie gelten als öffentliche Ratssitzungen; das bedeutet, dass auch Bürger daran teilnehmen können. Und diese nehmen das Angebot zwar nicht immer, aber immer öfter auch an. So auch am Mittwoch.
Beginn des Rundgangs war im aktuellen Baugebiet Süd X, das sich rechts von der Straße nach Kerzenheim befindet. Hier erläuterte Hartmüller einen sehr neuralgischen Punkt: das Regenrückhaltebecken. Das ist nicht nur viel größer geraten als ursprünglich geplant, es ist auch noch von einem sehr hohen Zaun umgeben. „Warum muss das so groß sein?“ und „Ist der Zaun in dieser Höhe wirklich nötig, der verschandelt doch alles“ – das seien die häufigsten Reaktionen seitens der Bürger, sagte Hartmüller. Seine Erklärung: Bei der Erstellung des Hochwasserschutzkonzeptes für die Gemeinde habe sich herausgestellt, dass das Becken zwingend erforderlich sei, auch in dieser Dimension. Sonst bestehe bei Starkregen akute Überflutungsgefahr für das angrenzende Wohngebiet, nicht zuletzt wegen der zu erwartenden Bodenversiegelung im Baugebiet. Acht geplante Bauplätze hätten deshalb weichen müssen, was die Grundstückspreise erheblich verteuert habe. „Das war nicht in unserem Sinn. Wir müssen uns aber absichern“, so Hartmüller.
Zaun ist gesetzlich vorgeschrieben
Das geplante Becken könne eine Staumenge von 1300 Kubikmetern fassen. Durch eine sogenannte Drossel, ein technisches Bauteil, das den Durchfluss von Wasser in einem Rohrleitungssystem reguliert und Überschwemmungen verhindert, werde dieses Wasser dann langsam ins Kanalsystem abgeleitet. „Die Betonung liegt dabei auf ,langsam’, damit die Rohre die plötzliche Wassermenge auch fassen können“, so Hartmüller. Der Zaun wiederum sei notwendig, weil ab 40 Zentimetern Einstau ein solcher, auch in dieser Höhe, gesetzlich vorgeschrieben sei, um Unfälle zu vermeiden. Man denke da in erster Linie an spielende Kinder. „Die Gemeinde will diesen Zaun auch nicht“, machte der Ortschef deutlich. „Wir wollten den Beckenrand dicht bepflanzen und auf diese Weise verhindern, dass jemand durch kann, aber darauf lassen sich die zuständigen Behörden nicht ein.“ Im Zusammenhang mit dem Neubaugebiet sprach Hartmüller auch gleich ein Gerücht an, das in Göllheim offenbar die Runde macht: „Die Gemeinde wird durch den Verkauf der Bauplätze nicht reich.“ Die Infrastruktur ohne Endausbau koste erst einmal, und zwar rund 2,3 Millionen Euro. Das müsse auf die Grundstückspreise umgelegt werden. „Bis alle Bauplätze verkauft sind, kann das aber zehn Jahre dauern.“
Hartmüller wies außerdem darauf hin, dass ein gefahrenträchtiger Buckel auf der Straße Richtung Kerzenheim entschärft und an der Göllheimer Ortseinfahrt in beide Richtungen Verschwenkungen angelegt würden, um den ein- und ausfahrenden Verkehr einzubremsen. Zudem werde links neben der Straße (in Richtung Kerzenheim) ein Feldweg so ausgebaut, dass er auch als Radweg zu nutzen sei.
Parkplatz für Nutzer des Kulturkarrees
Eine weitere große Infrastrukturmaßnahme befindet sich hinter dem ehemaligen Gemeindebauhof in der Mainzer Straße. Sichtbare Zeichen sind gewaltige Hügel mit Erdaushub. Hier entsteht ein Parkplatz für die Nutzer des Kulturkarrees, für die der Parkraum im alten Ortskern nicht mehr ausreicht. Hier entstehen 35 Parkplätze, dazu drei Wohnmobilstellplätze und zwei Elektro-Ladestationen. „Letztere allerdings nur, wenn sich dafür ein Sponsor findet“, so Hartmüller. Der Aushub stammt von einer Zisterne, die unterirdisch angelegt wurde. Darauf soll dann ein spezielles Drainage-Pflaster kommen, um das Regenwasser optimal ableiten zu können. Auch dieses so gesammelte Regenwasser soll dosiert in die Kanalisation abgeleitet werden. Alles in allem verbaut die Ortsgemeinde dort ein Bruttovolumen in Höhe von 607.000 Euro. Zum Kulturkarree geht es dann über einen Fußweg, der in die Hauptstraße mündet.
Auf einer weiteren gemeindeeigenen Fläche, sie befindet sich an der Mainzer Straße, wird zudem noch ein Schotterparkplatz zum Ablösen von Parkplätzen für Hausbesitzer im Ortskern entstehen. Dabei ist an Immobilienbesitzer gedacht, die vor ihren Anwesen keinen Platz haben, um ihrer Verpflichtung, Parkraum bereitzustellen, nachkommen zu können. Zwischen 5000 und 7500 Euro soll das pro Parkplatz kosten.
Gartengrundstück für Kita-Naturgruppe
Weil sich die Pläne für einen Waldkindergarten an der Kriegsberghütte mangels Elternnachfrage vorerst zerschlagen haben, hat die Gemeinde stattdessen für die Naturgruppe der bestehenden Fröbel-Kindertagesstätte eine Parzelle auf einem der Gartengrundstücke zwischen Riedbach und Mainzer Straße gefunden. Die Kinder haben es laut Hartmüller bereits gut angenommen. Sie versammeln sich an der Kita, gehen dann zum Grundstück und marschieren zum Mittagessen wieder zurück in die Kita. Derzeit fehlen lediglich eine Trockentoilette und eine Unterstellmöglichkeit für die Kinder, etwa in Form eines Bauwagens. Das vorhandene Gartenhäuschen eignet sich nicht dafür, weil baufällig, und soll abgerissen werden. Wie Hartmüller erläuterte, stellt der Besitzer das Grundstück der Ortsgemeinde kostenlos zur Verfügung unter der Bedingung, dass diese den Garten pflegt. Die Kinder hätten schon damit begonnen und beispielsweise Hochbeete angelegt, so Hartmüller.
Verein Rundfunkmuseum ist im Haus Breunich aktiv
Letzte Station war das ehemalige Anwesen Breunich in der Hauptstraße (neben Haus Gylnheim). Das Haus gehört der Ortsgemeinde, früher befand sich dort ein Fahrradgeschäft, das Schaufenster ist noch da, später eine Autowerkstatt. Jetzt entsteht dort ein Rundfunkmuseum. Betrieben wird das Museum, das früher seinen Standort in Münchweiler hatte, künftig von demselben Verein, der auch dort bereits aktiv war. Aktuell sind die Radio-Enthusiasten jeden Samstag mit einem ganzen Schwung an Helfern im Anwesen Breunich aktiv und bauen sämtliche Räume auf eigene Kosten für ihre Zwecke um. Neue Böden, neue Decken, neue Wände, neue Türen, neue Sanitäreinrichtungen. Das alles, soweit es irgend geht, in Eigenleistung. „Bis jetzt haben wir nur 12.000 Euro ausgegeben“, erläutert der Vorsitzende Manfred Heidrich. Demnächst ist eine neue Treppe dran. Auch außen soll das Gebäude renoviert werden. „Es soll einmal aussehen wie ein Radiogeschäft aus den 50er Jahren“, erklärt Heidrich. Begonnen haben die Rundfunkfreunde im Juli 2023. „In einem Jahr etwa soll Einzug sein.“