Adventskalender RHEINPFALZ Plus Artikel In der Weihnachtszeit spielen Engel eine ganz besondere Rolle

Hier geht’s lang: Andrea Antweiler (im orange-roten Pullover) und Petra Kaufhold (rechts) üben in Rüssingen ein Krippenspiel ein
Hier geht’s lang: Andrea Antweiler (im orange-roten Pullover) und Petra Kaufhold (rechts) üben in Rüssingen ein Krippenspiel ein, in dem Engel eine wichtige Rolle übernehmen. Foto: Stepan

„Du bist ein Engel!“ Schmeichelnder kann ein Kompliment kaum ausfallen, denn mit dem Wort „Engel“ verbinden wir ausschließlich Positives. In der Weihnachtszeit sind die geflügelten Wesen allgegenwärtig.

Man findet sie im Moment überall: als Deko aus den verschiedensten Materialien und in allen Größen, als Schmuck auf Kränzen und an Weihnachtsbäumen, auf Geschenkpapier und Grußkarten, aus Schokolade und sogar als Figurenaufschnitt beim Metzger. Ein Automobilclub nennt seine Pannenhelfer „Gelbe Engel“, der Lebkuchen schmeckt „himmlisch“ und Menschen, die Gutes tun, werden als „Engel“ bezeichnet. Berühmtestes Beispiel ist wohl Mutter Theresa, der „Engel von Kalkutta“.

Eine kleine Engelkunde

Engel sind in den Lehren des Christentums, des Judentums und des Islams himmlische Geistwesen, die von Gott als Boten und Mittler zwischen ihm und den Menschen erschaffen wurden. Sie sind für deren Schutz zuständig, sollen sie ermahnen und für sie bitten. Während die gewöhnlichen Engel für die Einzelmenschen verantwortlich sind, haben die Erzengel Michael, Gabriel und Raphael eine andere Position: Sie überbringen weitreichende göttliche Beschlüsse, die für Gemeinschaften oder ganze Völker von Bedeutung sind. Die Vorsilbe „Erz-“ geht auf das griechische Wort „arche“ zurück und heißt auf Deutsch „Anfang, Führung“. Was die Hierarchien betrifft, hat bei den Engeln also alles seine Ordnung. Nicht ganz klar ist allerdings, welchen Geschlechts sie sind. Es gibt Vorstellungen, da sind sie Jünglinge oder Kinder (Putti); inzwischen überwiegen die Darstellungen als weibliche Wesen mit blonden Haaren, langen weißen Gewändern und Flügeln.

Engel in Weihnachtsgeschichte

Eine wichtige Rolle spielen Engel in der Weihnachtsgeschichte. Die Geburt Jesu wird durch sie angekündigt, sie jubilieren in der Höhe über dem Stall in Bethlehem und sie informieren die Hirten über die Ankunft des Gottessohns. Für Kinder, die an Krippenspielen teilnehmen, sind die Engel offensichtlich die „Personengruppe“, zu der sie am leichtesten einen Bezug herstellen können. Außerdem bieten sie wohl für die Gestaltung eines Drehbuchs den größten Spielraum, alle anderen Rollen sind festgelegter.

Donnersberger Engel

In Steinbach und in Rüssingen proben zurzeit mit Unterstützung zahlreicher engagierter Helfer Jessica Rust-Bellenbaum und Andrea Antweiler mit ihren Kindergruppen Krippenspiele, die die Engel im Fokus haben. „Das Spiel, für das wir uns in diesem Jahr entschieden haben, ist zeitgemäßer, kindgerechter, ohne dass die Substanz der Weihnachtsgeschichte verlorengeht“, erläutert Rust-Bellenbaum. „In unserer Version planen einige Regisseure das Krippenspiel, aber ein Engel will nicht auf die Bühne, weil sein Flügel gebrochen ist. Es gibt also quasi ein Spiel im Spiel und es dauert ein bisschen, bis klar wird, dass bei einer so wichtigen Sache wie der Geburt Jesu das Gemeinsame das Entscheidende ist.“

Auch die Gruppe um Andrea Antweiler in Rüssingen hat ein Krippenspiel ausgewählt, in dem Engel eine wichtige Rolle übernehmen. Das Drehbuch sieht vor, dass sie neu in eine weiterführende Engelschule eintreten und dort von ihrer Klassenleiterin Raphaela – dem offiziellen Oberengel sozusagen – betreut werden. Diese erläutert zunächst die Fächer, in denen die Himmelsboten unterrichtet werden: alte Sprachen, gegenwärtige Sprachen, zukünftige Sprachen – Singen und Musizieren – Technik: Sternenschaltungen, Wetterleuchten, Fliegen – Sport, Politik, Geschichte und Menschenkunde.

Als erstes Lernfeld gibt Raphaela die Vorgänge um Maria und Josef und die Geschehnisse im Stall von Bethlehem vor. Folgende Fertigkeiten sollen geübt werden: verkünden, schimmern, Nachrichten überbringen, Sterne anknipsen, schwierige Gespräche führen und singen. Die Engelsschüler strengen sich an und können die Aufgaben meist zur Zufriedenheit ihrer Lehrerin erfüllen. So gelingt es schließlich, die Weihnachtsgeschichte auf originelle, humorvolle und liebevolle Art und Weise darzubringen.

Mit Engelsgeduld übt Andrea Antweiler seit längerer Zeit mit ihrer Gruppe: „Klar bin ich genau wie die Kinder aufgeregt“, sagt sie. „Aber wir freuen uns natürlich alle miteinander auf Heiligabend in der Kirche.“ Das dürfen auch die Besucher der Gottesdienste in Rüssingen und Steinbach. Sie gehen anschließend bestimmt beflügelt nach Hause.

Wörtlich: Glauben Sie an Engel?

Dem schwedischen Filmklassiker „Engel – gibt“s die?“ von 1960 folgend, haben wir uns in Abstimmung mit dem Filialleiter – nomen est omen – Sebastian Engels im Wasgau-Markt Göllheim umgehört und Kunden gefragt: Glauben Sie an Engel?

Hier einige Antworten:

„Was soll ich dazu sagen? Immer, wenn ich einen Engel brauche, hat der da oben Urlaub.“

„Symbolisch schon.“

„Ich glaub heute an gar nichts; es ist ein Scheiß-Tag!“

„Weiß nicht. Ich hab die eher als Schlüsselanhänger.“

„Nö, nur an meine Frau. Die ist ein Engel.“

„Irgendwie schon. Da ist irgendwas Beruhigendes, irgendwas mit Sicherheit. Eben Engel.“

„Auf jeden Fall. Ich habe drei Kinder, das jüngste hatte schon besonders viele Schutzengel.“

„Wenn’s mir schlecht geht, glaub ich dran.“uhi

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