Donnersbergkreis In der Musik geeint
WEIERHOF. Wenn Europa so einig wäre wie in seiner grenzüberschreitenden Musik, wäre vieles kein Problem. Das impliziert die Musik von „Radio Europa“ – fünf Vollblut-Musiker, die das Blaue Haus füllten und begeisterten. „Wer von Ihnen ist aus Europa?“, fragte Percussionist und Moderator Roland Duckarm gleich zu Beginn. Zögernd gingen einige Hände hoch, die anderen beruhigte der Musiker: „Kein Angst, auch für Sie ist was dabei.“
Sprach’s, und schon ging die musikalische Post ab mit jagenden Balkan-Klängen. Die Spielfreude der Musiker und eine fetzige Eröffnung lassen Vorfreude aufkommen. Folk, Jazz, Klassik, nichts, was sich gegenseitig ausschließt. So rockt die Fiddle los, und schottische Klänge prägen das nächste Stück. Joerg Widmoser spielt seine Geige atemberaubend, in Tempo und Feingefühl, da macht auch das Zuschauen Spaß. Querbeet durch Europa haben die Musiker ihre Stücke gesammelt. Österreich wird mit einer Mozart-Hommage gewürdigt, „Wolferl moves East“, stellt Duckarm das Stück vor. Das Rondo alla turca klingt modern, so hätte „Wolferl“ es bestimmt gespielt, wäre er 2016 auf Tournee gegangen. Auch dem Publikum gefällt der frische Sound, Füße wippen, Köpfe nicken, es schnickt und swingt. Am Kontrabass glänzt Alexander Bayer, und das von ihm komponierte Stück „Becherovka Ora“ gibt Anlass zu einem Ratespiel. Wer erkennt den Takt? Doch alle Vorschläge lassen den Moderator nur müde lächeln. Ein Elf-Achtel-Takt sei das, wer erkennt schon so etwas? Mit dem nächsten Lied ist alles ganz einfach, die ersten drei Töne erklingen, und schon sieht jeder Alexis Sorbas am Strand in Griechenland tanzen. Bouzouki-Klänge werden durch Zupfen der Geige erzeugt, unterstützt und abgerundet von der Gitarre von Andreas Wiersisch. Wie das Lied ist auch sein Gitarrenspiel grenzüberschreitend, er swingt, jazzt, improvisiert. Kontrabass und Gitarre haben sehr viel Rhythmus im Holz, was besonders in flotten Balkanliedern immer wieder zum Ausdruck kommt. Nach der Pause hat der Bassist seinen Hut gewechselt, der Geiger die Jacke ausgezogen, Sommerfeeling, und die „Ode an die Freude“ wird zur wahren Europahymne, da wird getragen hymnisiert, fast schon irisch gesteppt und schwer gejazzt und improvisiert, kakophonisches Durcheinander wie die aktuelle Politik und versöhnliche Auflösung haben etwas von einer Walpurgisnacht auf der Bühne. „Back to the Roots“, ein Abstecher zum afrikanisch beeinflussten Malta, und ein Percussion-Feuerwerk Duckarms auf Blumentöpfen zeigen die Qualität des Drummers. Immer wieder ertönen Sinti und Roma-Klänge, originell die Überleitungen zu den Ländern, ob nun Böhmerwald, Alpenland oder Slowenien zu hören ist, hier spielt Wolfgang Lells Akkordeon die erste Geige. Dank neuester Klangtechnik verwandelt die Violine den Saal in einen irischen Pub mit gefühlten 15 Geigern, die Illusion ist perfekt, der Klang beeindruckend. Zum Abschluss dann noch einen Tango, klar, denn schließlich gehört Finnland nicht nur zur EU, sondern auch zu den Tangohochburgen der Welt. Viel Applaus, eine balkanmusikalische Zugabe mit rockigem Auftakt und allem, was Tasten, Saiten, Schlagwerke hergeben, beenden ein musikalisches Feuerwerk, das der „neue landweg“ veranstaltet hatte. (gth)