Donnersbergkreis In den besten Händen

Superbes Ensemble: das Holzbläser-Quintett der Sembacher United States Army Europe Band.
Superbes Ensemble: das Holzbläser-Quintett der Sembacher United States Army Europe Band.

«WINNWEILER.» Dem erstmals veranstalteten Frühjahrskonzert des Lions Clubs Winnweiler in der pittoresk gelegenen Kreuzkapelle war am Samstag gleich mehrfach ein großartiger Auftakterfolg beschieden.

Bei frühsommerlichem Wetter war das historische Kleinod – 1729 als Wallfahrtskirche errichtet – dicht besetzt. Die Besucher genossen schon vorab Aussicht und Bewirtung. Sie sollten aber auch künstlerisch nicht aus dem Staunen herauskommen. Dafür sorgte mit erlesener Spiel- und Tonkultur das Holzbläser-Quintett der in Sembach stationierten United States Army Europe Band. Das klassische Holzbläser-Quintett ist neben dem Streichquartett und dem Klaviertrio (mit Violine und Violoncello) eine der Hauptgattungen klassisch-romantischer Kammermusik nach der barocken Trio-Sonate und den aristokratischen Bläser-Harmoniemusiken der Frühklassik. Das als frühestes Werk dieser Art geltende von Anton Rösler (der sich dem Zeitgeist folgend auch Antonio Rosetti nannte) hatte noch als Bindeglied zwischen Flöte (hier: Valerie Avila), Oboe (Michael Cohen), Klarinette (Jay Welborn) und Fagott (Joseph Agasinsky) eine Tenoroboe oder ein Englischhorn verwendet. Zunehmend setzte sich dann die Besetzung mit einem die Lücke schließenden Waldhorn (hier: Andrew Tyron) durch, und es folgten sehr viele Kompositionen unterschiedlichster Stilrichtungen. Eine repräsentative Auswahl daraus boten die in superber Ausgewogenheit und Akkuratesse gestaltenden Musiker bei einem Repertoire-Querschnitt aus der Klassik der Mannheimer Schule mit Franz Danzis Quintett über Romantiker bis hin zu zeitgenössischen Klangbeispielen, wie sie bei den Bagatellen von Györgi Ligeti zu hören waren. Komplettiert wurde diese klassisch-konzertante Vortragsfolge durch eine Milonga von Astor Piazzolla, die im Grenzbereich zwischen der Stilistik des argentinischen Tango Nuevo und spätromantischen Fantasiestücken eine eigene Klangwelt aufbaut. Hier aber wie eine Synthese aus Kunst- und Unterhaltungsmusik erklang. Die hohe Kunst von Arrangeuren ging hier eindrucksvoll einher mit der Raffinesse der fein ziselierten und tonlich nuancierten Gestaltung, die alle melodischen und rhythmischen Finessen detailliert charakterisierte und stilisierte. Durch die überaus hohe Tonkultur in sehr guter Ausbalancierung und lockerer geschmeidiger Gestaltung der Abläufe wirkten selbst die bei manchen Passagen eingebauten Clusterklänge von Ligeti mit dissonanten Intervallen nicht schockierend, sondern mehr als Ausdruck eines Spannungsverhältnisses innerhalb der Bagatellen. Allerdings sind die Gattungsbezeichnungen für diese sechs Miniaturen etwas irreführend, spieltechnisch sind sie schwere Prüfsteine, auch wenn sie so geschmeidig und elegant und mit Esprit und Akribie wie hier präsentiert werden. Ob klare klassische Abläufe in lupenreiner Präzision, schwelgerisch ausgekostete Klangfarben und Kantilenen bei romantisch inspirierten Stücken oder ein straffer rhythmisch-federnder Impuls wie bei Ligeti: Alles war bei diesem Vorzeige-Ensemble in besten Händen, das sich intonatorisch und harmonisch ideal ergänzte.

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