Bischheim RHEINPFALZ Plus Artikel In 150 Jahren vom landwirtschaftlichen Betrieb zur Großmühle

Die Kupfermühle in Bischheim.
Die Kupfermühle in Bischheim.

Vom wasserbetriebenen Mühlrad hin zum automatisierten Mahlen des Getreides – seit 150 Jahren betreibt die Familie Bindewald die Kupfermühle Bischheim und hat in dieser Zeit den technologischen Fortschritt selbst miterlebt.

Dabei wird die Ära Bindewald in Bischheim durch eine Familientragödie eingeleitet: 1864 und 1869 sterben die beiden Eheleute, in deren Besitz sich die Kupfermühle bis dahin befindet. Sie hinterlassen zwei Kinder im Alter von acht und sechs Jahren. Es kommt zur Versteigerung. Am 30. Oktober 1871 erhält der Landwirt Karl Bindewald den Zuschlag. Zwölf Tage später, am 11. November, tritt der Kaufvertrag in Kraft.

Seitdem befindet sich die Kupfermühle, die ihren Namen der kurzen Verwendung in der Kupferverarbeitung im 15. und 16. Jahrhundert verdankt, im Familienbesitz. „In fünfter Generation“, sagt Martin Bindewald. Gemeinsam mit seinem Cousin ist er heute Geschäftsführer der Karl Bindewald GmbH.

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Der Betrieb heute unterscheidet sich erheblich von der Mühle vor 150 Jahren. Schließlich war Karl Bindewald eigentlich Landwirt und führte diese Tätigkeit auch nach dem Erwerb der Kupfermühle fort. „Über die Generationen wurde sie von einem landwirtschaftlichen Betrieb zu einer industriellen Mühle“, erzählt sein Ururenkel, Martin Bindewald. Auch der Antrieb des Mahlvorgangs hat sich verändert. „Anfangs wurde die Mühle durch Wasser angetrieben.“ Von den vielen kleineren Mühlen, die entlang des Leiselsbachs vom Wasser profitierten, sei nur noch die Kupfermühle übrig.

Mühle vollständig zerstört

Zunächst sei man Anfang des 20. Jahrhunderts vom Wasserantrieb auf einen Benzinmotor umgestiegen. Initiiert wurde der Wechsel von Karl Bindewald. Mittlerweile werden Mühlen durch Elektrizität angetrieben. „Dadurch sind die Mühlen auch größer geworden“, weiß Bindewald.

Nach dem Tod von Karl Bindewald übernehmen drei seiner vier Kinder, Karl II., Wilhelm und Tochter Philippine, die Geschicke der Kupfermühle. Während die beiden Brüder Mühle und die Landwirtschaft betreuen, kümmert sich die Schwester um die Buchhaltung. Der Vierte im Bunde, Ludwig Bindewald, stirbt 1922 bei den Löscharbeiten, als die Mühle vollständig niederbrennt.

Nach einigen Überlegungen entscheiden sich Karl II. und Wilhelm Bindewald 1923 dazu, den Betrieb wieder aufzubauen. In der Folge wird auch der Fortschritt vorangetrieben. Lastwagen ersetzten die bis zu diesem Zeitpunkt gängigen Pferdefuhrwerke.

Den Zweiten Weltkrieg übersteht die Mühle unbeschadet. 1950 übernehmen die beiden Söhne von Karl Bindewald II. nach dessen Tod die Leitung. Unter Karl III. und Helmut Bindewald übersteht das Unternehmen den Rückgang der Gesamtzahl der Mühlen in der Bundesrepublik. Die Abläufe im Betrieb werden zunehmend automatisiert, und mithilfe eines Labors kann die Qualität des produzierten Mehls sichergestellt werden. In den 1970er Jahren wird die Mahlkapazität auf 20.000 Tonnen Korn pro Jahr gesteigert. Gleichzeitig wird die Landwirtschaft im Unternehmen aufgegeben. Die Mühle steht nun im Mittelpunkt. Als weiteres Standbein gesellt sich die Malzproduktion hinzu.

Expansion auf Bundesebene

Unter Karlheinz und Erhard Bindewald, die zur Zeit des Falls der Berliner Mauer an der Unternehmensspitze stehen, wird der Betrieb auf ganz Deutschland ausgeweitet. „Mein Onkel Werner Gutting, Karlheinz Bindewald und mein Vater, Erhard Bindewald, hatten sich entschlossen, eine Mühle in Sachsen-Anhalt zu übernehmen“, erzählt Martin Bindewald. „Das war der erste Schritt aus Rheinland-Pfalz hinaus.“ Aus dem Unterfangen entsteht die Bindewald und Gutting Mühlengruppe. Zu ihr gehören heute neben zahlreichen Mühlen im gesamten Bundesgebiet auch die Karl Bindewald GmbH und somit auch die Kupfermühle. 2010 übernehmen Jochen und Martin Bindewald die Geschicke der Kupfermühle.

Der Standort in Bischheim habe sich zu einer der größten Mühlen in Rheinland-Pfalz entwickelt. Mit ihrem Wachstum ist die Kupfermühle noch nicht am Ende. Neue Silos sollen gebaut werden. 70 Meter sollen sie hoch werden und die bereits bestehenden Speicher überragen. „Um 25 Meter“, sagt Martin Bindewald. Die entsprechende Bauanfrage war bereits dem Gemeinderat vorgelegt worden. Dieser nahm die Anfrage einstimmig an. Neben den 200.000 Tonnen Weizen und Roggen, werden heute auch 110.000 Tonnen Malz jährlich verarbeitet.

Auch im technologischen Bereich geht es am Ortsrand von Bischheim voran. „Die Müllerei ist in einem Wandlungsprozess“, berichtet Bindewald. Es soll verstärkt in die Automatisierung, Überwachungstechnik und online durchgeführte Qualitätssicherung investiert werden.

Neben der technischen Innovation steht auch die Umwelt im Fokus. „Wir arbeiten mit Landwirten zusammen und sorgen für Blühstreifen“, berichtet Martin Bindewald mit Blick auf das sogenannte „Ährenglück-Konzept“. Neben der Artenvielfalt sollen in diesem Rahmen auch der regionale Bezug gestärkt und ein nachhaltiger Charakter in Rheinland Pfalz gefördert werden. „Die so entstandenen Produkte sollen dann auch an den regionalen Bäcker, Brauer und Supermarkt geliefert werden.“

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