Donnersbergkreis RHEINPFALZ Plus Artikel Imsbach: Dachdeckerei Schultz ist über die Jahre gewachsen

In 20 Jahren gewachsen: Timo Schultz hat das Unternehmen in Imsbach mit seinen Mitarbeitern weiterentwickelt. 42 Personen sind d
In 20 Jahren gewachsen: Timo Schultz hat das Unternehmen in Imsbach mit seinen Mitarbeitern weiterentwickelt. 42 Personen sind dort mittlerweile angestellt. Foto: Hapke

Wenn Timo Schultz auf das vergangene Jahr zurückblickt, dann schaut er auch auf ein besonderes Jubiläum seiner gleichnamigen Dachdeckerei. In 70 Jahren hat sich nicht nur der Beruf, vor allen Dingen auch das Unternehmen verändert. Den Kunden möchte man ein Komplettangebot liefern – in guten Zeiten, allerdings unter erschwerten Bedingungen.

Ob er es heute noch einmal tun würde? Timo Schultz schüttelt den Kopf. „Das würde mir heute nicht mehr passieren“, sagt der 47-Jährige. Damit meint er die Übernahme des Betriebes. Im Jahr 2000 hatte Timo Schultz die Firma von seinem Stiefbruder Hardy käuflich erworben. „Ich wollte das, wollte das Unternehmen voranbringen“, sagt der Firmenchef. Es war aber auch ein großer Schritt – mit damals 27 Jahren. Die drei Fahrzeuge waren in die Jahre gekommen, Maschinen fehlten, erinnert sich Schultz. Vier Mitarbeiter hatte das Unternehmen vor 20 Jahren.

Nachfolge ist geregelt

Heute sind es 42. Die Firma hat sich entwickelt. Es waren intensive 20 Jahre, sagt Timo Schultz. „Ich habe viel Glück mit meiner Frau, die mich immer unterstützt, immer an mich geglaubt hat. Ich war damals ein junger Dachdecker, sie ist Rechtsanwältin“, ist der 47-Jährige dankbar. Die beiden Söhne Benedikt und Pius waren stets ein Antrieb. Benedikt ist mittlerweile im zweiten Lehrjahr. „Die Nachfolge ist wahrscheinlich geregelt“, erzählt der Vater. Wann das so weit sein wird? Das lässt Timo Schultz offen. „Noch ist das zu früh. Ich will ihn auch nicht dazu drängen.“ Benedikt ist 20, Pius 16 Jahre.

Übrigens war das mit der Unternehmensnachfolge bei Timo Schultz anfangs nicht so klar. Der hatte nämlich zunächst eine Lehre beim Sanitär- und Heizungsunternehmen Kühner in Winnweiler absolviert. Die Arbeit als Dachdecker hat ihm aber schon zu dieser Zeit Freude bereitet. In den Ferien machte er im Unternehmen, das damals seinem Stiefvater Theo Schultz gehörte, ein Praktikum, arbeitete samstags zudem dort mit. Die Firma wurde 1949 von Richard Schultz gegründet.

Zeiten haben sich geändert

Nach seiner Lehre fing Timo Schultz 1989 in dem Dachdeckerbetrieb an – zunächst anderthalb Jahre lang als Dachdeckerhelfer bei Theo Schultz. Später bei seinem Stiefbruder Hardy. 1997 besuchte er die Meisterschule, machte seinen Meisterbrief – und übernahm dann schließlich das Unternehmen.

Das dann um eine Zimmerei erweitert wurde. Schultz stellte Jochen Closset ein – ein großer Glücksgriff für den Betrieb. Der Zimmerermeister ist heute Betriebsleiter. Und die Sparte für das Unternehmen von großer Bedeutung. Denn die Zeiten haben sich geändert, weiß Schultz. Die Kunden wollen heute ein Komplettpaket. Und mit Dachdeckerei, Zimmerei und Gerüstbau habe man ein Portfolio, mit dem man solche Wünsche auch erfüllen könne. Noch so ein Gewinn für das Unternehmen: Daniel Bernhardt, der vor sieben Jahren kam und mittlerweile Betriebsleiter Dachdeckerei ist.

Im Februar wird ein Bautechniker den Betrieb in der Imsbacher Gienanthstraße verstärken. Dem Kunden sollen schlüsselfertig Häuser oder Anbauten erstellt werden, was auch mit Hilfe eines Architekten möglich sei – im Bereich Heizung oder Maler arbeite man mit Partnern zusammen. „Mir ist es wichtig, dass die Menschen für das viele Geld, das sie investieren, auch eine sehr gute Qualität erhalten. Das muss von uns überwacht werden.“

Auch im Winter zu tun

Die Auftragslage ist auch bei der Dachdeckerei in Imsbach – wie überall im Handwerk – derzeit sehr gut. „Bei manchen Teams haben wir eine Wartezeit von vier, fünf Monaten.“ Das sei abhängig davon, um welchen Bereich es sich handele. „Wichtig ist uns aber, nicht nur große Aufträge zu haben. Auch Wartungen und Reparaturen übernehmen wir. Wenn der Kunde anruft und es tropft bei ihm, dann wird das auch gemacht.“ Drei Teams seien so ausschließlich mit Reparaturen und Kleinaufträgen beschäftigt.

Aus zwei bis sieben Personen besteht ein Team. Und die sind mittlerweile auch im Winter beschäftigt. „Natürlich gibt es auch mal Ausfalltage, wenn es schneit oder glatt ist“, aber Dachdecker sind heutzutage das ganze Jahr über im Einsatz. Wobei Timo Schultz gesteht: „Ich sehne mich nach einem richtigen Winter. Wenn 14 Tage lang Schnee liegt bei zehn Grad Minus ist das einfacher für das Geschäft.“ Denn dann sei die Situation klar, Mitarbeiter müssen nicht kommen, warten, ob man was tun kann oder nicht. „Das kostet uns richtig Geld.“ Viele Wartungsarbeiten laufen aber auch im Winter.

Vielfältiger Beruf

Ein großes Thema heutzutage beim Bauen ist die Energieeffizienz. „Die Holzhäuser – egal ob Brettsperrholz oder Holzrahmenbau – haben gigantische Werte bei einer relativ dünnen Außenwand“, sagt Schultz. Froh ist der Firmenchef, dass es seit 2016 auch eine Kanterei im Unternehmen gibt. „Für uns war das ein Riesensprung.“ Mittlerweile arbeite man hier auch für Baustoffhändler und andere Dachdeckerbetriebe.

„Der Beruf hat sich seit dem Jahr 2000 wahnsinnig verändert“, sagt Schultz – und fügt an: „Dachdecker ist heute ein sehr anspruchsvoller Beruf. Dacheindeckung, Flachdachtechnologie oder Wärmedämmung sind nicht mehr mit dem von vor 20 Jahren vergleichbar. Der Beruf ist so vielfältig geworden.“

Fachkräftemangel bereitet Sorgen

Dem entgegen steht der Fachkräftemangel im Handwerk. Timo Schultz kann auch davon ein Lied singen. Wobei es momentan wieder besser aussieht: Aus einem Unternehmen, das aus Altersgründen geschlossen wurde, und aus einer insolventen Firma übernahm der Imsbacher Betrieb insgesamt zehn Mitarbeiter. „Für uns ist das ein riesiger Glücksgriff“, sagt Schultz. Denn die Situation zuvor war alles andere als einfach. Personal war nicht zu finden, Aufträge konnten deswegen nicht angenommen werden. „Ich hatte schon verkündet, dass wir die Firma wieder verkleinern müssen“, erzählt der Chef.

Dennoch werde das Thema Fachkräftemangel auch die große Herausforderung für die Zukunft sein. „Wenn Mitarbeiter in Rente gehen, macht es mir schon ein bisschen Angst, wie wir das ersetzen. Es kommt einfach nichts Adäquates nach, schon gar nicht in der Menge, wie wir sie bräuchten.“ Dabei ist Timo Schultz überzeugt: „Gute Handwerker haben sehr gute Chancen. Handwerker werden immer gebraucht.“

Gerne würde Timo Schultz mit seinem Unternehmen auch in Zukunft Aufträge annehmen – kleine, aber auch außergewöhnliche wie den Bau einer Halle in Stuttgart, oder wie bei Betten Schramm im benachbarten Alsenbrück-Langmeil, als ein Helikopter zum Einsatz kam, um Teile auf das Hallendach zu befördern. „Da hatten alle an meinem Verstand gezweifelt, bis sie gesehen haben, wie leicht das auf diese Weise geht. Und der Kunde hatte auch noch seinen Spaß dabei.“

Spaß, den hat auch Timo Schultz an seinem Unternehmen – vor allen Dingen an seinen Mitarbeitern. Denn auch wenn er sich einen solch intensiven Weg seit der Betriebsübernahme nicht mehr antun würde – stolz, das ist er auf seinen Betrieb im Bergmannsdorf.

Timo Schultz.
Timo Schultz. Foto: Ebbing/Picworks
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