Donnersbergkreis Immer wieder dienstags ...
Tisch eins ist schon „ausgebucht“. Um 11.20 Uhr sitzen im Bürgerhaus-Saal rechts der Tür bereits neun, zehn Senioren in Wartestellung. Dabei wird das Essen erst in rund einer Dreiviertelstunde serviert. Aber die älteren Bürger freuen sich so auf die monatliche Zusammenkunft, dass die ersten schon zusammen mit den ehrenamtlichen Helferinnen gegen 11 Uhr eingetroffen sind. Zu den Stammgästen zählen Edmund Bauer und Friedel Maue. „Das Essen ist immer super und sieben Euro inklusive nicht-alkoholischer Getränke – da kann man nicht meckern“, sagt Bauer. Aber beide betonen, dass ihnen das Zusammentreffen mit anderen Menschen mindestens so viel bedeutet wie die leckeren Mahlzeiten. „Wir melden uns nicht wie die anderen an, sondern nur ab, wenn wir mal nicht können“, so Maue. Eigentlich können sie immer.
56 Erwachsene und 15 Kinder seien angemeldet und es werden immer mehr
Nebenan in der Küche klappert Geschirr. Elke Wörner, Inge Krämer und Inge Dinges zählen die Gedecke. „56 Erwachsene und 15 Kinder sind angemeldet“, sagt Wörner. Und betont: „Es werden immer mehr.“ Die Frauen haben bereits eine Menge Beilagensalate gerichtet, auch die Knödel sind in Arbeit. An einem großen Einkochtopf steht Josef Lesmeister und rührt im Rindergulasch – zusammen mit seiner Ehefrau Ilona hat er das Essen zubereitet. Die Inhaber der Gaststätte „Wildensteiner Tal“ vertreten heute Thorsten Schneider (siehe „Zur Sache“). Ortsbürgermeister Reiner Bauer streckt den Kopf herein und sagt: „Wann’s net langt, misse mer halt die Soß noch mit Wasser velängere.“ Alles lacht – die Stimmung ist auch bei den Helfern gut. Schließlich sind alle freiwillig hier, um ihren Mitbürgern etwas Gutes zu tun.
Vdk inzwischen durch Landfrauen unterstützt
Bei Bauer laufen die Fäden für den Mittagstisch zusammen – doch ohne die „ausführenden Organe“ wäre das Ganze nicht zu stemmen, betont er. „Anfangs haben wir mit dem VdK die Bewirtung alleine gemacht, aber bald sind wir nicht mehr nachgekommen“, erzählt Ortsverbands-Vorsitzende Krämer. Da seien die Landfrauen mit eingestiegen, „jetzt sind wir ein eingespieltes Team“. Kurz vor zwölf sind drei lange Tische voll besetzt – und jetzt kommt richtig Leben in die Bude: 15 Kita-Kinder samt Erzieherinnen marschieren wie bei einer Parade ein. Die Augen der Senioren leuchten, als die Kleinen unter viel Geplapper an einem Tisch mitten im Saal Platz nehmen. „Manche kommen auch hierher, um ihre Enkel zu sehen“, weiß der Ortschef, während die Salate „heranrollen“. Ohnehin sei die soziale Komponente des Projekts ganz oben anzusiedeln: „Gerade für Menschen, die ihren Partner verloren haben, die sich vielleicht auch ein bisschen hängen lassen, sind diese Treffen enorm wichtig. Sie freuen sich sehr darauf, aus dem Haus und unter Leute zu kommen.“
Auch die Kinder tragen manchmal etwas bei
Aber nicht nur ihnen gibt das Zusammensein etwas, wie Kita-Leiterin Natascha Breitenbruch betont: „Unser Kindergarten ist sehr stark im Ort verwurzelt. Die Kinder sollen erleben, dass wir in so einem Dorf zusammen gehören. Man trifft sich, spricht miteinander, über Altersunterschiede hinweg. Für uns war keine Frage, dass wir mitmachen.“ Manchmal führen die Kinder etwas vor oder singen ein Lied, „aber heute sind es so viele, da haben wir so schon alle Hände voll zu tun“, ist Breitenbruch dankbar für die Unterstützung einiger Mütter, die regelmäßig beim Essen dabei sind. Nebenbei sammelten die Kleinen Erfahrungen mit neuen Gerichten, sagt die Leiterin: „Sie sind da sehr offen, probieren alles aus.“ Stimmt – inzwischen haben die „Bedienungen“ das Gulasch mit Knödel serviert und nicht nur die Senioren langen kräftig zu: Fast alle Teller sind am Ende „geputzt“. Auf die Frage, ob’s geschmeckt hat, antwortet der vierjährige Milo: „Ja – ich hab’ aber gehört, dass es noch Eis gibt.“ Nicht umsonst spricht der Volksmund von den „Schdoabacher Fressern ...“. Auch die Älteren nebenan sind rundum zufrieden. „Wir können uns mal an den gedeckten Tisch setzen, wer will, kann einen Nachschlag holen – das alles in Gesellschaft und mit den Kindern dabei. Es ist einfach schön“, freut sich Roswitha Bohlander. Ihr Mann Norbert ergänzt: „Wo gibt’s das noch im Kreis – ganz Jung und ganz Alt zusammen an einem Tisch.“ Heiner Rothley sagt unter dem Gelächter seiner Frau Gerda, „dass ich mal kein Geschirr abtrocknen muss“. Während die fleißigen Helferinnen abräumen, springen die Kinder munter durch die Reihen.
Alle Generationen sind vertreten
Die sind übrigens nicht nur mit „Jung“ und „Alt“ besetzt – auch die mittlere Generation ist vertreten. Ernst Herrbruck, mit Ehefrau Andrea hier, kommt oft zum Mittagstisch. „Man trifft auch mal Leute, die man sonst nicht so sieht – das ist eine super Sache.“ Regelmäßiger Gast ist auch Pfarrerin Jessica Rust-Bellenbaum. Für sie ist es „mindestens so wichtig, dass ich dabei bin wie der Besuch dieser Menschen sonntags in der Kirche – hier wird Gemeinschaft gelebt.“ Susanne Röss, die neben Kita-Kind Frieda auch deren Geschwister Hanna und Mats mitgebracht hat, lobt das abwechslungsreiche Essen: „Toll, dass saisonal gekocht wird – an Ostern Lamm, im Herbst was mit Kürbissen, auch der Nachtisch ist immer klasse.“ Apropos: Manche Kinder wackeln mit ihrem Tellerchen an die Theke, um sich noch eine Portion Eis zu holen. Dann geht’s unter viel „Winke-Winke“ mit ihren Erzieherinnen in die Kita zurück. Mittlerweile ist 13 Uhr vorbei. Der Bürgermeister geht mit dem Geldbeutel durch die Reihen, kassiert ab. Natürlich gibt’s den einen oder anderen Spruch, wohin das Geld „wandert“ – doch am Ende geht’s ohnehin „gerade Null auf Null auf“, so Bauer. Dann setzt er sich ans Klavier, die Liedermappen werden verteilt. Alle gemeinsam schmettern „Seemann, lass’ das Träumen“ und „Rote Rosen, rote Lippen“. Heiner Rothley regt augenzwinkernd an, „man könnte das doch alle 14 Tage machen“. Seine Tischnachbarn nicken – und mancher denkt bestimmt: von mir aus täglich.