Donnersbergkreis Immer einen Draht zu den Schülern
Rockenhausen. Während seine ehemaligen Kollegen nach dem Ende der Sommerferien wieder im Schulalltag angekommen sind, ticken für Friedhelm Schmitt die Uhren mittlerweile anders. Mit Beginn der Sommerferien war er in den Ruhestand eingetreten. Sein ganzes Lehrerleben lang hatte er an der Berufsbildenden (BBS) Schule des Donnersbergkreises verbracht. Für den 62-Jährigen war dies eine wunderbare Zeit – mit vielen schönen Erinnerungen.
Sein damaliger Chef hatte schon eine Vorahnung: „Sie kommen hier nicht weg“, hatte er zu Friedhelm Schmitt gesagt. 1981 war das, als er direkt nach dem Referendariat eine Stelle an der BBS in Rockenhausen bekam. Damals lebte Schmitt noch in Mainz, wo er auch sein Referendariat absolvierte. „Es gab in dieser Zeit günstig Grundstücke zu kaufen. Da hatten wir dann beschlossen, uns hier sesshaft zu machen“, erzählt Schmitt. So wurde er ein Rockenhausener – und ist es bis heute. Die Art des Lehrens, sagt Schmitt, hat sich in all der Zeit gewandelt. „In den 80er Jahren war der Unterricht lehrerzentriert. Der Lehrer schrieb an die Tafel, der Schüler lernte. Heute ist der Lehrer Moderator, er befähigt die Schüler, sich den Lernstoff anzueignen – vor allem durch Gruppen- und Projektunterricht.“ Auch die Medien haben den Unterricht verändert. „Vor allem, seit der Computer ins Unterrichtsgeschehen Einzug hielt.“ Von Anfang an dabei: Friedhelm Schmitt. „Ende der 1980er Jahre hatten wir die ersten Computer an der Schule“, erinnert sich der 62-Jährige. Die Einrichtung eines virtuellen Klassenraums war sein Steckenpferd. Dort bekommen Schüler ihre Hausaufgaben oder Arbeitspapiere. Disziplinprobleme habe er mit seinen Schülern nie gehabt. Möglicherweise auch, weil er mehrere Dinge beherzigte: „Wenn man in dem Job alt werden will, muss man einen emotionalen Zugang zu den Schülern haben“, sagt Schmitt. Zudem ist ihm das lebenslange Lernen wichtig. Dann gibt es noch so einige Sprüche, die der 62-Jährige in seiner Zeit als Lehrer kennen- und schätzengelernt hat. „Du kannst das Pferd zur Tränke führen, aber saufen muss es selber“, lautet einer davon. Soll heißen: „Ich zeige dem Schüler alles, befähige ihn zu allem, aber tun muss er selbst“, so Schmitt. Dass er die letzten Jahre als Lehrer überhaupt noch erleben durfte, ist für Friedhelm Schmitt nicht selbstverständlich. Über ein Jahr lang fiel er krankheitsbedingt aus. „Aber ich wollte es mir beweisen, dass ich noch nicht zum alten Eisen gehöre, wollte nicht aus Schwäche ausscheiden.“ Der Rockenhausener kämpfte sich zurück, machte sogar fünf Tage vor seiner Pensionierung noch einmal eine Fortbildung. Die Zeit nun will Schmitt genießen – denkt aber auch nicht ans klassische Rentnerleben. „Vielleicht mache ich mich selbstständig“, sagt er. Im Bereich Consulting oder Teamentwicklung kann er sich etwas vorstellen. „Ich gehe alles mit Gelassenheit an. Die Freiheit nun bedeutet mir mehr als Geld.“ Ausschließen will er es aber auch nicht, dass ihm die Arbeit mit den Schülern fehlen wird. Die Sozialassistenten waren seine Lieblingsklassen, das Fach Projektmanagement hat ihm große Freude bereitet. Nun bereitet ihm Freude, dass er alte Kontakte wieder aufleben lassen kann. Etwa mit seinem 1972er Abitur-Jahrgang, oder mit Freunden aus Münchwald im Soonwald, wo Schmitt 20 Jahre lang lebte. Mit seiner Lebensgefährtin hat er eine Reise nach Indien geplant. Auch mit seinen Kindern ist „die eine oder andere Aktion“ vorgesehen. Klar, dass er beiden Söhnen auch von der Seitenlinie aus beim Fußball zuschauen wird. Fabian spielt in Winnweiler, Philipp in Rockenhausen. Für beide Vereine war der Vater früher selbst aktiv, beim FV Rockenhausen war Friedhelm Schmitt zudem 20 Jahre lang in der Jugendarbeit tätig. „Die Liebe zum Fußball ist bis heute geblieben.“ Das merkte man auch in seinem Beruf. Ein von ihm betreutes Team schaffte es 2011 in einer Schulliga sogar bis zu den Deutschen Hallenmeisterschaften. Schöne Erinnerungen. Die gibt es auch an weitere sportliche Erfolge seiner Schüler oder an Klassenfahrten. Friedhelm Schmitt hat die 35 Jahre an der BBS Donnersbergkreis in Rockenhausen, Eisenberg und Kirchheimbolanden genossen. Und dabei viel erlebt – auch ohne Schulwechsel. Sein damaliger Chef hatte es 1981 schon gewusst ... |ssl