Stahlberg
Im Wald von Stahlberg wird Holz mit Pferden gerückt
„Hüh“, „Hott“ oder „Brrrt“ – die Anweisungen von Pferderücker Stefan Golz hört man schon von weitem durch den Staatswald von Stahlberg schallen. Er hilft dabei, dem Wald einzelne Bäume zu entnehmen. Mit dem wendigen Pferd kann er kontrolliert um junge Sprösslinge drum herum ziehen. Zwei Pferde hat Golz im Einsatz. „So kann ich zwischendurch tauschen, oder auch mal bei ganz schweren Stämmen zwei davor spannen“, erklärt der Pferderücker. Gerade im Einsatz ist der sechs Jahre alte Odin. Lex, mit seinen neun Jahren ein bisschen älter, steht einige Meter entfernt im Wald und schaut zu. „Lex ist schon voll ausgebildet. Odin ist schon sehr weit, aber noch nicht am Ende seiner Ausbildung – er hat noch zu viele Flausen im Kopf“, sagt Golz schmunzelnd.
Bei den Pferden handelt es sich um Noriker-Kaltblüter. „Die kommen aus der ehemaligen römischen Provinz Noricum, das sind österreichische Gebirgspferde, die für entsprechende Arbeit im Gebirge gezüchtet wurden.“ Die Noriker seien sehr beliebt für die Waldarbeit, weil sie oftmals sogar mitdenken. „Lex ist sehr intelligent, er sucht sich den Stamm regelrecht aus. Wenn wir in den Wald reingehen, guckt er und steuert direkt darauf zu, dreht sich automatisch um, dass er richtig vor den Stamm kommt“, erzählt Golz. Das klappt bei Odin noch nicht ganz so gut, aber mit ein paar Kommandos ist auch er stets zur Stelle. Zum Arbeiten zwingen muss Golz seine Pferde nicht. „Das macht denen Spaß, die lieben die Bewegung.“
Platz für kleine Eichen
Wolfgang Mögenburg vom Forstrevier Donnersberg hat den Einsatz von Golz angefordert. In einem 40 Hektar großen Gebiet wurden 120 Stellen markiert, an denen einzelne Bäume gefällt wurden. Der Grund: Die natürliche Verjüngung des Waldes soll gefördert werden. „Im Wald von Stahlberg dominiert die Buche“, erklärt Mögenburg. Da es sich aber um ein FFH-Gebiet (Flora, Fauna, Habitat) handelt, müssen spezielle Regeln eingehalten werden. Für dieses Gebiet gilt es, die Leittierart Fledermaus zu unterstützen. „Die mag Eichen, weil es in diesem Baum mehr Höhlen gibt und der Baum länger lebt“, sagt Mögenburg.
Die Förderung von Eichen sieht im Moment auch gut aus, weil die Eiche vorletztes Jahr viele Eicheln hat fallen lassen, die sich nun in kleinen Eichensprösslingen – streichholzdick und circa 30 bis 40 Zentimeter hoch – zeigen. „Allerdings ist die Eiche eine Lichtbaumart, die viel Freiraum braucht, um sich zu entwickeln“, erklärt Mögenburg. Deswegen wurden nun sogenannte Schatter, vor allem Buchen, weggenommen, die sich sonst gegen die kleinen Eichen durchsetzen würden. Und damit diese nicht beschädigt werden, kommt der Pferderücker ins Spiel.
Pferdeschonend arbeiten
Die Noriker-Pferde können in etwa so viel ziehen, wie sie wiegen. Das wäre in Odins Fall 750, in Lex’ Fall 800 Kilogramm. „Aber nur in einzelnen Fällen, nicht auf Dauer“, erklärt Golz, der stets auf seine Pferde achtet. Den Stamm, den Odin gerade an die Rückegasse bewegt hat, schätzt er auf ein Gewicht von 600 Kilo. Damit die Pferde richtig ausgerüstet sind, um die schweren Baumstämme zu ziehen, haben sie ein spezielles Geschirr an. Vorne um den Hals tragen sie ein sogenanntes Kummet, eine Art gepolsterter Ring, mit dem das Gewicht der Last auf Schulter und Brust des Pferdes verteilt wird. Es ist aus Aluminium und Memory-Schaum in der Höhe und Breite sowohl oben als auch unten verstellbar, sodass es immer an das Pferd angepasst werden kann.
Am Körper des Pferdes führen die Zugstränge vorbei, die die Last gleichmäßig verteilen. Hinten an den Kniegelenken des Pferdes hängt eine Eisenstange. Diese Verstrebung wird „Schwebeortscheit“ genannt. Dort wird das Seil, das um den Baumstamm gewickelt ist, angehängt. „Da das Ortscheit so weit oben ist, muss ich keine Angst haben, dass zum Beispiel Äste hängen bleiben“, erläutert Golz. Der Schweif ist mit einem Stoff zusammengebunden, damit er nicht in der Kette hängenbleibt. „Ich versuche, möglichst pferdeschonend zu arbeiten, da gehören auch solche Kleinigkeiten dazu“, sagt Golz. Außerdem wechselt er die Pferde, wenn er merkt, dass die Konzentration weg ist. Normalweise arbeitet er je zwei Stunden mit jedem Pferd, einmal vormittags und einmal nachmittags.
Berufsbild wieder nachgefragter
Stefan Golz kommt mit seinen Pferden aus dem Westerwald, ist aber momentan oft hier in der Gegend im Einsatz, zum Beispiel in Bad Dürkheim oder Bad Sobernheim. Golz selbst hat „die Pferdegene schon in der Wiege gehabt“. Sein Vater hat Felder mit Pferden bestellt und dann im Ruhestand einen Reiterhof betreut. Bei Golz kam das Pferdethema dann mit 20 Jahren wieder auf. „Da habe ich angefangen zu reiten und nach drei Monaten hatte ich mein erstes eigenes Pferd.“ Auf das Pferderücken kam er dann durch sein Haus, das nur eine Holzheizung besitzt.
„Im ersten Jahr haben wir das Holz noch von Hand aus dem Wald geholt, aber wir haben ja Pferde, so habe ich privat damit angefangen.“ Es folgten Kurse, um dieses Handwerk richtig zu erlernen, dann bot Golz es gewerblich an. Eine Zeitlang galt sein Beruf als teuer, unflexibel und eingeschränkt, aber im Moment sei seine Arbeit sehr nachgefragt. Dass das Holzrücken mit Pferden wieder einen Aufschwung erlebt, denkt auch Mögenburg: „Der Bestand und die Kultur der Pferderücker hat zwar zuletzt abgenommen, aber im jetzigen Zeitgeist, kann man davon ausgehen, dass sich das wieder mehr ausweitet.“
Im Netz
Ein Video vom Pferderücken im Wald von Stahlberg kann über den QR-Code abgerufen werden. Zudem gibt es eine Bildergalerie unter www.rheinpfalz.de/donnersbergkreis.