Donnersbergkreis Im Eiswasser cool geblieben

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Blickpunkt: Anna DeLozier, Weltmeisterin im Eisschwimmen, hasst es, zu frieren

Schwimmen inmitten von Eis und Schnee – klingt verrückt. Ist es auch, ein bisschen jedenfalls. Sagt Anna DeLozier vom TPSV Enkenbach-Alsenborn. Die 53-Jährige aus Winnweiler muss es wissen. Gerade ist sie Weltmeisterin im 1000-Meter-Eisschwimmen geworden, obwohl sie es ziemlich hasst, zu frieren. Anfang Januar fand im oberbayerischen Burghausen im Wöhrsee die zweite Weltmeisterschaft im Eisschwimmen statt. Das Wasser wies frische 3,4 Grad auf. Rettungskräfte sicherten jede einzelne Bahn, in die sich 260 Teilnehmer aus 26 Nationen zu stürzen gedachten. Unter ihnen auch die für den TPSV Enkenbach-Alsenborn schwimmende US-Amerikanerin Anna DeLozier aus Winnweiler. „Ich habe noch nie an einem Eisschwimmen teilgenommen“, wundert sich die Schwimmerin bis heute über ihren sensationellen Erfolg, den sie sozusagen als Frischling unter all den alten Eishasen ans Ufer bringen konnte. Dass sie an der Ziellinie nicht mehr so ganz Herrin des eigenen Körpers war, das gehört zu solch einem Ereignis wohl dazu. Dort wollte sie eigentlich nur ankommen, wollte zu den „Finishern“ gehören. Und dann stieg sie nach 1000 Metern Freistil in einer Zeit von 14:47,18 Minuten aus dem Wasser, fühlte den Körper nicht mehr wirklich, Arme und Beine waren taub, Hände und Füße waren steif und schmerzten. Die Sensation, sie ist Weltmeisterin. „Ich wusste, dass die Kälte beißen wird, das war mir schon klar. Dass ich gewinnen könnte, daran hatte ich niemals gedacht“, kann sich DeLozier bis heute noch nicht so ganz als Weltmeisterin sehen. Einen Anteil am Sieg hat auch ihr Mann, mit dem sie in Winnweiler wohnt. „Er war immer am Ufer des Eiswoogs“, erzählt sie lachend von den sicher nicht immer gemütlichen Trainingseinheiten, in denen sie sich seit Oktober für die kalte Weltmeisterschaft vorbereitet hat. Zusätzlich war sie drei Mal die Woche beim Vereinstraining des TPSV Enkenbach und sprang noch einmal in Ramstein ins Wasser. Ihren Enkenbacher Verein findet sie klasse, vor allem weil da vom Kind über den Jugendlichen bis zum Erwachsenen alle Kontakt untereinander haben und jeder nach seinen Möglichkeiten unter der Cheftrainerin Marlies Fieguth und ihrem Team trainieren könne. „Das ist wirklich schön“, sagt die Frau, die im Beruf ebenfalls viel mit Kindern zu tun hat. „Die sehe ich aber nicht“, erklärt sie. Die 53-Jährige arbeitet in der Verwaltung des amerikanischen Militärs und ist zuständig für den Einkauf der amerikanischen Schulen in Europa. Schwimmen und das Wasser sind schon immer ihre ganz große Leidenschaft. In ihrer Heimat – sie stammt aus Kalifornien, hat zudem zehn Jahre in Arizona gelebt – ist sie kein unbeschriebenes Blatt, da finden sich zahlreiche Erfolge in der Bahn, allein, mit der Mannschaft aber auch Erfolge im offenen Wasser. Und die sind enorm. Gut 45 Kilometer im Hudson River bei New York zu schwimmen, das ist kein Alltag, auch nicht unter den Schwimmern. „Ich genieße es einfach, zu schwimmen und mit anderen oder mit langen Distanzen zu konkurrieren“, hört sich bei Anna DeLozier das Langstreckenschwimmen irgendwie normal und ganz leicht an. Im Vergleich zum Hudson River war sie im Bodensee mit 12 Kilometern geradezu auf einer harmlosen Strecke unterwegs. Im Sommer 2016 hat sie die Breite des Bodensees in rund drei Stunden durchschwommen – und genau da wurde die Grundlage für das Eisschwimmen gelegt. Es war der Extremschwimmer Christof Wandratsch, der sie in die eisige Versuchung brachte. Das Ergebnis ist bekannt: Weltmeisterin in der 50-er Altersklasse und Platz sechs im Gesamtklassement. Ob sie wohl schon an eine Titelverteidigung denkt? „Ich weiß noch nicht, ob ich das wirklich noch einmal mache“, sagt sie und lässt durchklingen, dass sie die klirrende Kälte in jedem einzelnen Körperteil noch nicht vergessen hat. „Ich habe wirklich keine spezifischen Ziele. Ich will Spaß haben, fit und gesund bleiben und mich selbst immer wieder herausfordern“, legt Anna DeLozier ihr Lebensmotto offen, dazu zählt, dass sie sich ein Ereignis sucht, sich anmeldet und dafür trainiert. Ein Ereignis, das sie ernsthaft interessiert, ist die Durchquerung des Ärmelkanals. Sagt sie und lächelt wie in Vorfreude. Sie wird diese wahre Herausforderung sicher irgendwann annehmen.

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