Donnersbergkreis „Ich habe meinen Weg nie bereut“

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DANNENFELS. Seit 1983 lebt Schwester Praxedis im Kloster Gethsemani am Donnersberg. Zuerst alleine, dann als Oberin einer kleinen Gemeinschaft von Trappistinnen. Dieses Amt hat sie zwar inzwischen in jüngere Hände abgegeben, die Hände in den Schoß legt die inzwischen 86-Jährige aber nicht.

Ein Ort der Ruhe und des Innehaltens, gelebter Spiritualität: das Kloster Gethsemani oberhalb von Dannenfels, eingebettet in den Wald. Ein Sandstein vor dem schlichten Glockenturm auf dem Vorhof trägt das Wappen der Abtei Cîteaux und die Jahreszahl 1098: Die hier beheimateten „Trappistinnen von der Strengen Observanz“ gehören dem in Frankreich entstandenen Zisterzienser-Orden an. Sein Gründer, Bernhard von Clairvaux, ist hier als markante Pilger-Skulptur verewigt, denn das Kloster mit dem wunderbar weiten Blick über Landschaft und Bäume ist eine der ungezählten Stationen des Jakobswegs quer durch Europa. Der programmatische Name „Gethsemani“ geht auf den Garten zurück, in dem Jesus in der Nacht vor seiner Hinrichtung mit dem Vater rang. Nach der Benediktinerregel „bete und arbeite“ leben hier sieben Schwestern vom Ertrag ihrer kunstgewerblichen Handarbeiten. Sie stellen sakrale Gewänder und Textilien, Wandbehänge, Stickereien und künstlerische Briefkarten her und restaurieren Textilien. Gegründet wurde das Frauenkloster 1983 auf Wunsch des damaligen Speyerer Bischofs und späteren Kardinals Friedrich Wetter. Schwester Praxedis Dalpke leistete damals, zunächst auf sich alleine gestellt, Pionierarbeit; ein halbes Jahr später wurde sie von Mitschwester Josepha unterstützt. Umzubauen war ein früheres, schon lange marodes Kinderkurheim. Heute verfügt Gethsemani, seit 2006 eigenständiges Priorat, über moderne Wirtschaftsräume, ein Gästehaus mit behaglichen Zimmern und eine schlichte Hauskapelle. Das geräumige Haupthaus ist nicht wiederzuerkennen: Erster Blickfang sind die Rosenfenster neben der Pforte, von Schwester Praxedis fein ausgemalte Glasarbeiten. Ähnlicher Gewinn ist die Neugestaltung der Rückfront mit Kathedralenglas-Scheiben in Sonnengelb und zarten Grautönen, die das Tageslicht filtern. Die ehemalige Oberin Praxedis, 1929 in Trier geboren und dort aufgewachsen, ist geprägt von der Benediktiner-Abtei ihrer Heimatgemeinde und einem Elternhaus mit sechs Geschwistern: „Unsere Eltern lehnten Frömmelei ab und lebten konsequent und klar nach ihren christlichen Grundsätzen. Der Vater war im Widerstand gegen Hitler. Die Großmutter las uns biblische Geschichten vor – sie wurden unsere Grundnahrung. Die fehlt heute vielen Menschen!“ Später, als Schülerin an einem Mädchengymnasium, war für sie ein charismatischer Priester vorbildhaft – er führte sie zur Literatur, und die katholische Jugendgruppe im Untergrund war eine Art Nische vor dem obligatorischen „Bund deutscher Mädel“. Nach dem Abitur studierte die junge Frau in Köln Kunstgeschichte und legte die Meisterprüfung in Textilem Gestalten ab, weiterer Schwerpunkt war Glasmalerei. Auf Wunsch des Vaters nach einem „ordentlichen Beruf“ hängte die Tochter noch fünf Semester Sozialpädagogik an. 1956, nach fünfjähriger Probezeit im Kloster „Maria Frieden“ in der Eifel, legte sie ihre Gelübde ab. „Ich habe diesen Weg nie bereut und würde mich heute wieder genauso entscheiden“, bekennt die 86-Jährige. Sie wirkt authentisch, erfüllt und lebensbejahend. Die schleichende Altersarthrose bekämpft sie täglich auf dem Trimmrad, die nötige Kraft für den Tag schöpft sie aus den nächtlichen Meditationen. Und unverhohlen freut sie sich über den gelungenen Druck ihrer neuen Kunstkartenserie: Batik-Aquarelle, reizvoll leuchtend in glühenden Herbstfarben und zarten Schattierungen. Vor neun Jahren übergab sie die Leitung der kleinen Klostergemeinschaft in die 30 Jahre jüngeren Hände von Schwester Magdalena, ehemalige Gymnasiallehrerin für Deutsch und Geschichte. Die Schwestern leben zwar in einem kontemplativen Orden, sind aber keineswegs weltabgewandt oder gar abweisend. „Oft“, erzählt die alte Ordensfrau, „kommt man beispielsweise mit Wanderern ins Gespräch – manchmal ist es erschütternd. Dann muss man für die Menschen Zeit haben, das ist unser Beitrag. Das sind Dinge, die einem Gott vor die Füße wirft.“ Trappistinnen sind insbesondere zum sparsamen Umgang mit Worten verpflichtet: kein unnützes Geschwätz, keine inhaltsleere Ablenkung wie etwa durch Fernsehen oder Internet. Aber sie sind offen für seelsorgerliche Gespräche, ohne Anmaßung, Andersdenkende zu missionieren. Askese, Besitzlosigkeit, Konsumverzicht („Man braucht zum Leben erschütternd wenig“), Demut und Gehorsam werden als Weg fort von äußerlichen Zwängen zu innerer Freiheit verstanden. Sechs Stundengebete am Tag, die Stille Anbetung zur Nacht um 3 Uhr bis zu den Vigilien eine Stunde später sind die geistliche Nahrung. Das Leben für Gott erfordert Stabilität auf fester Basis und enormes Durchhaltevermögen. „Nicht anders als in einer Ehe“, sagt Schwester Praxedis lapidar. Ihr Credo: „Wenn man keinen Glauben hätte – bei allen Unzulänglichkeiten –, könnte man verrückt werden.“ Der Klosterladen Nicht nur für Weihnachtsgeschenke: Der Klosterladen empfiehlt sich für individuell gestaltete Kerzen, Krippen, Stickarbeiten, Kunstkarten, Bücher und Liköre. Geöffnet ist er Montag bis Samstag von 9.30 bis 11.30 Uhr und von 14.30 bis 16.30 Uhr, sonntags von 9.30 bis 11 Uhr und von 15 bis 16.30 Uhr.

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