Donnersbergkreis „Ich habe eine konkrete Linie vermisst“

91-74028575.jpg

Diesen Abend hatten sich alle sicher anders vorgestellt: Die Mitglieder des Kirchheimbolander Stadtrates, die rund 200 Besucher in der Stadthalle, aber auch Helmut Holzhauer, der mit dem Gedanken spielt, in der Kleinen Residenz ein „City-Outlet“ zu errichten. Konkretes wurde jedoch bei der Sondersitzung des Stadtrates gestern nicht viel bekannt.

„Ich kann Ihnen auch nicht alles sagen, sonst wird vieles kaputtgemacht“, meinte Holzhauer, Geschäftsführer der HORO Verwaltungs- und Beteiligungsgesellschaft im hessischen Bebra, am Ende seines Vortrages. Den bezeichnete Michael Juppe (CDU) als ein „Sammelsurium an Infos. Was ich vermisst habe, war die konkrete Linie, die konkrete Vorgehensweise.“ Dafür, sagte Holzhauer, müsse eine Machbarkeitsstudie her, die von der Stadt bezahlt werden solle. Hier habe er ein Büro aus Wiesbaden an der Hand, das auch auf das Thema „City-Outlet“ spezialisiert sei, wie Holzhauer im Nachgang der Sitzung der RHEINPFALZ sagte. Klar ist: Helmut Holzhauer, dessen Onkel Friedrich Bettenhausen war, der ehemalige Kirchheimbolander Stadtbürgermeister, ist von dem im August 2014 eröffneten „City-Outlet“ in Bad Münstereifel begeistert. Zweimal sei er dort gewesen. Sein Fazit: „Es war Leben in der Stadt, das ist wichtig.“ An die Kirchheimbolander Stadtspitze war er mit der Idee herangetreten, sowas auch in der Kreisstadt umzusetzen. Gleiches habe er in Rotenburg an der Fulda vor. Sprich: Statt eines Outlets, in dem Vorjahres- und Musterkollektionen mit Preisnachlässen von 30 bis 70 Prozent angeboten werden, auf einer grünen Wiese zu errichten, die Leerstände in der Kleinen Residenz mit solchen Outlet-Geschäften zu füllen. „Wir stehen noch ganz am Anfang, haben noch nichts Greifbares“, meinte Stadtbürgermeister Klaus Hartmüller. Er kritisierte, dass das Thema für ihn zu früh in der RHEINPFALZ erschienen sei. Das wiederum habe Erwartungen geweckt. Holzhauer sprach von 30 Outlet-Geschäften, die nach Kirchheimbolanden kommen sollen. Die Gespräche mit den Marken hätten sich allerdings als schwierig herausgestellt. Mit einigen sei er sich jedoch einig. „Ich habe aber zugesagt, nichts darüber zu berichten, bevor nicht die Verträge unterschrieben sind.“ Grundlage sei eine Machbarkeitsstudie: „Wenn wir kein Konzept haben, geht es halt nicht.“ Eigentümer von Geschäften hätten die Möglichkeit, diese zu sanieren und zu vermieten, sie zu vermieten „und wir sanieren sie, oder wir kaufen“. Holzhauer sprach auch von der Möglichkeit, eine Genossenschaft zu gründen. „Daran kann sich jeder aus Kirchheimbolanden beteiligen“, wie der Investor auf mehrere Nachfragen von Stadtratsmitgliedern meinte. Seine Überlegungen gingen derzeit von einer Verkaufsfläche von 18.000 Quadratmetern aus. Laut SPD-Fraktionschef Fritz Leber betrage die Verkaufsfläche in der Innenstadt derzeit 3500 Quadratmeter, in ganz Kirchheimbolanden seien es momentan 20.000 Quadratmeter. Man werde hinzubauen müssen, ergänzte der Investor. „Ich schwanke zwischen Enttäuschung und Verwirrung“, gestand Leber, der mit höherer Erwartungshaltung in die Stadtratssitzung gegangen war. Wie Holzhauer sagte, müssten in Kirchheimbolanden 1000 zusätzliche Parkplätze entstehen. Das sei Aufgabe der Stadt. „Man muss schauen, dass man keinen Verkehrsinfarkt erleidet“, sagte Bauamtsleiter Udo Bauer mit Blick auf eine Million Besucher, die pro Jahr anvisiert seien. Mögliche Flächen für Parkplätze könne es im Bereich Küchengarten geben. Holzhauer sprach auch von Shuttlebussen, die die Besucher in die Stadt bringen könnten. Er gab aber auch nach der Sitzung zu, dass er mit deren Verlauf unzufrieden sei: „Ich kann den Menschen nichts erzählen, was nicht sicher ist.“ (ssl)

x