Rockenhausen RHEINPFALZ Plus Artikel Hotel am Schloss: Noch fehlt’s am Plan für die Zeit nach dem Spuk

Die unrühmliche Ära ist vorbei: Das „Prima“-Schild vorm Schlosshotel in Rockenhausen wird ebenso verschwinden wie das Auto mit d
Die unrühmliche Ära ist vorbei: Das »Prima«-Schild vorm Schlosshotel in Rockenhausen wird ebenso verschwinden wie das Auto mit dem Schriftzug der früheren Betreiber-Kette.

Die Stadt Rockenhausen ist ihre Geister los, die sie gerufen hatte: Die säumigen Betreiber haben das Hotel verlassen. Seit Ende Februar dreht Stadtbürgermeister Michael Vettermann wieder die Schlüssel in den Schlosstür-Schlössern um. Für wen sich die Räume künftig öffnen, ist indes noch völlig offen. Womöglich aber hat doch jemand einen „Plan im Sack“.

„Nie wieder!!“: Klare Worte, die einer der mutmaßlich letzten Hotelgäste nach seinem Aufenthalt in Rockenhausen gefunden hat. Die Bewertung des unbekannten Übernachtungsgasts prangt auf einer Seite des Buchungsportals „HolidayCheck“, springt jedem ins Auge, der auf Herbergssuche das Schlosshotel anklickt – und sie ist vernichtend ausgefallen. Wer sich davon nicht abschrecken lässt, kommt aber beim Versuch der Zimmerbuchung nicht mehr weiter. Kein Wunder: Das Hotel am Schloss in Rockenhausen hat geschlossen. Die Betreiber-Gesellschaft ist ihrer Verpflichtung nachgekommen und hat das Haus geräumt. Wie es dort nun weitergeht, steht allerdings in den Sternen.

„Die Unfreundlichkeit, Arroganz und Überheblichkeit des Betreibers, in Hausmeisteroutfit, ist nicht zu überbieten“: So steht zu lesen in der letzten Kunden-Bewertung, die das Schlosshotel im Buchungsportal erhalten hat. Nun ist ja bekanntlich bei Kommentaren, die im Internet kursieren, Vorsicht geboten. „HolidayCheck“ versichert allerdings, Bewertungen eingehend zu prüfen. Und: Der letzte Gast, der über Erfahrungen im Schlosshotel berichtet, hat nach Angaben der Portalbetreiber nachweislich über „HolidayCheck“ selbst einen Aufenthalt in Rockenhausen gebucht.

„Wasser abgegraben“: Klage führt vor Gericht

Zwar ist zurzeit das Schlosshotel in dem Buchungsportal noch präsent. Es lassen sich auch Terminwünsche eintragen. Doch werden die allesamt nach dem Mausklick zur Verfügbarkeitsprüfung postwendend negativ beschieden. Es seien zu den gewünschten Terminen keine Zimmer zu haben, erfährt der Nutzer. Wenig verwunderlich: Seit Ende Februar ist keiner mehr da, der Gäste empfangen und sich – ganz gleich, ob nun höflich oder von oben herab – um ihre Belange kümmern könnte.

Stadtbürgermeister Michael Vettermann hat auf Anfrage der RHEINPFALZ bestätigt, dass die Betreibergesellschaft – die Nordpfalz Immobilienhandels GmbH mit Sitz in Obermoschel – das Hotel geräumt hat. Verantwortliche dieser Gesellschaft hatten sich dazu im Zuge einer richterlich besiegelten Vereinbarung verpflichtet. Sie war im Januar vorm Amtsgericht in Rockenhausen geschlossen worden. Im Gerichtssaal hatten sich Vertreter beider Seiten getroffen, nachdem die Gesellschaft ihren Vermieter verklagt hatte. Der Grund: Die Stadt soll ihr – auf gut Deutsch – das Wasser abgegraben haben.

Kontakt nur über Rechtsanwalt

Stadtspitze und Verbandsgemeindewerke hatten argumentiert, es seien Reparaturarbeiten im Keller notwendig gewesen, um die Wasserversorgung zu sichern. Die habe man auch anpacken wollen. Doch hätten die Verantwortlichen den Zugang nicht gestattet. Bei einer mündlichen Anhörung in dieser Sache vorm Amtsgericht hatte die Nordpfalz GmbH als Klägerin aber selbst einen Gütevorschlag unterbreitet und vorgeschlagen, das Haus zu verlassen, wenn denn im Gegenzug umgehend die Wasserzufuhr repariert wird.

Bei der Verhandlung hatte der Rechtsanwalt der GmbH sämtliche Absprachen nach jeweiligem telefonischen Kontakt mit einem Verantwortlichen gehalten. Weder die Geschäftsführerin noch ein Bevollmächtigter der GmbH waren erschienen. Ein Beschäftigter war zwar gekommen, war allerdings nur als Zeuge geladen. Es handelte sich um jenen Mann, der zuletzt im Haus selbst offenkundig das Sagen hatte. Vor Gericht war er als „Revisor“ des Unternehmens bezeichnet worden.

„Übergabe“ reibungslos vollzogen

Mit diesem Mann hat nun der Stadtbürgermeister kürzlich eine „Übergabe“ vollzogen. „Wir sind zusammen durchs ganze Haus gegangen“, sagte Vettermann, der nach eigenen Angaben nun wieder die Schlüsselgewalt hat. Die Übergabe sei reibungslos verlaufen, der Betreiber habe die Räume in einem unerwartet guten Gesamtzustand hinterlassen.

Ob bei dem Treffen auch über finanzielle Angelegenheiten gesprochen worden ist, diese Frage verneinte der Stadtbürgermeister. Die Gegenseite habe keine Anstalten gemacht, sich zu offenen finanziellen Verpflichtungen zu äußern. Die Außenstände der Stadt belaufen sich inzwischen auf mehr als 200.000 Euro, wie Vettermann noch einmal bestätigte.

Gros der Außenstände stammt aus Prima-Ära

Die Außenstände resultieren größtenteils aus Säumnissen der Prima Hotels und Resorts GmbH, die das Hotel-Restaurant in Rockenhausen im Oktober 2020 übernommen hatte. Mitte August 2022 war das Insolvenzverfahren gegen die GmbH eröffnet worden, am 29. September die Gesellschaft dann aufgelöst worden. Im Frühjahr 2021 war sie gerade noch mal an der Eröffnung eines Insolvenzverfahrens vorbeigeschrammt. Damals war schon ein vorläufiger Insolvenzverwalter bestellt worden, diesen Beschluss allerdings hatte das Amtsgericht Leipzig am 30. März 2021 aufgehoben.

Ob und inwieweit die Nordpfalz GmbH für Verpflichtungen der liquidierten Gesellschaft aufkommen muss, ist ungeklärt. Unklar ist auch, in welchem Verhältnis der frühere Pächter und dessen Nachfolger stehen. Doch wie auch immer: Vettermann sagte, dass die Nordpfalz-Gesellschaft – seit sie Regie im Hotel führe – ebenfalls nicht gezahlt habe, auch nicht nach der gerichtlichen Vereinbarung, die sich allein auf die Räumung bezogen hatte. Übrigens: Auch für die Wassergebühren habe – nachdem die Leitungen wieder etwas hergaben – die Stadt in Vorlage treten müssen.

Erörterung hinter verschlossenen Türen

Der Stadtbürgermeister will nun am kommenden Montagabend den Stadtrat über den Stand der Dinge in Sachen Schlosshotel unterrichten. In der Stadtratssitzung (19 Uhr, Roter Saal der Donnersberghalle) soll der öffentliche Tagesordnungspunkt „Hotel am Schloss“ allerdings reinen Informationscharakter haben. Eine Diskussion über Vergangenheit und Zukunft des Hotels soll es in einer folgenden Sitzung geben, die allein diesem Thema gewidmet, bei der die Öffentlichkeit aber ausgeschlossen ist.

Vettermann kündigte an, er werde bei der Sitzung nicht mit einem Vorschlag aufwarten, wie es im Schloss weitergehen könnte. Ihm sei vielmehr an einer offenen Aussprache gelegen, bei der Anregungen, Ideen und mögliche Strategien zu diskutieren seien. Vorschläge seien willkommen.

SPD: Verkauf kommt nicht in Frage

Ob die Stadtratsfraktion der SPD mit einem Vorschlag aufwartet? Für Fraktionschef Joseph Blaum ist bislang nur eins sicher: „Wir werden uns vehement gegen einen Verkauf wehren“, kündigte der Sozialdemokrat am Mittwoch auf Anfrage an. Zwar sei eine Veräußerung der Immobilie bislang nicht im Gespräch gewesen. Doch liege ja auf der Hand, dass die Kommunalaufsicht so etwas gerne sähe.

„Ich hab’ jetzt keinen Plan im Sack“, räumte Blaum ein, dass ein Patentrezept ohnehin fehle, dass es aber auch wenig sinnvoll sei, vor der Sitzung mit Vorschlägen aufzuwarten. Der SPD-Sprecher ließ aber durchklingen, dass das Thema ihn und die Fraktion schwer beschäftige. Und dass eine Lösung wohl nur gemeinsam zu finden sei. Darauf lässt schließen, dass Blaum nach eigenen Angaben bereits über Parteigrenzen hinaus Gespräche aufgenommen hat.

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