Donnersbergkreis Hoffnung für Dorfladen?
Wenn der Dorfladen in Morschheim auf Dauer erhalten bleiben soll, müssen die Einwohner wachgerüttelt werden, damit sie mehr und öfter hier einkaufen. Darin sind sich die Verantwortlichen und ihre Unterstützer einig. Die Anstrengungen der letzten Wochen haben schon mal Wirkung gezeigt. Das Interesse der Bevölkerung scheint wieder etwas gewachsen zu sein.
Manche Gemeinde hatte 1996 staunend nach Morschheim geschaut, weil es hier gelungen war, einen Dorfladen zu eröffnen. Damit sollte vor allem älteren Einwohnern, die nicht mehr so mobil sind, die Versorgung mit Waren des täglichen Bedarfs ermöglicht werden. Wer gar nicht aus dem Haus konnte, dem wurde sogar der telefonisch bestellte Einkauf nach Hause gebracht. Jetzt, nach 20 Jahren, schien das Ende dieses Gemeinschaftsprojekts, das aus Mitteln der Dorferneuerung sowie von VG und Kreis und mit großer Kraftanstrengung der Gemeinde auf die Beine gestellt wurde, in greifbare Nähe gerückt. Die finanzielle Situation ist miserabel, weil es weniger Senioren im Ort gibt, die auf den Laden angewiesen sind. Dabei gibt es hier alles für den täglichen Bedarf: Wurst und Backwaren aus benachbarten Betrieben, Molkereiprodukte, sogar frische Äpfel und Kartoffeln, auch Körperpflege- und Putzmittel sowie Tierfutter. Stark zurückgegangen sind die Einnahmen, die durch die Belieferung der Mauritiushalle mit Getränken bei Veranstaltungen wie Hochzeiten und Abi-Feten erzielt wurden. Seit Jahren ist die Vermietung der Halle rückläufig, ist von Ortsbürgermeister Joachim Fister zu hören, der auch Vorsitzender des wirtschaftlichen Vereins Dorfladen ist. Nachdem auch diese zweite Haupteinnahmequelle des Dorfladens nahezu versiegt ist, wurde die Finanzlage alarmierend. Der Umsatz hat sich fast halbiert, die Nebenkosten, die die Gemeinde trägt, verdoppelt. Diese hohe Belastung ist nicht mehr hinzunehmen, war sich der Gemeinderat einig. Bis Ende Oktober sollte abgewartet und dann eine endgültige Entscheidung über die Schließung des Lädchens gefällt werden. Aus Kostengründen sah sich der Vorstand bereits gezwungen, den Laden nur noch vormittags geöffnet zu halten. So weit darf es nicht kommen, sagten sich zwei engagierte Frauen und gingen in die Offensive. Elsbeth Hartmetz, zweite Vorsitzende des Trägervereins, und ihre Mitstreiterin Astrid Neumann wandten sich mit einem Rundschreiben an die Bevölkerung und riefen zur Solidarität mit dem Dorfladen auf. Diesem „Weckruf“ ließen sie einen zweiten folgen. Darin weisen sie unter anderem auf das vielfältige Warensortiment hin, das die Kunden sogar mitbestimmen können, und machen auf den Post-Shop mit Paketannahmestelle aufmerksam. Die Wichtigkeit des Lädchens als Ort der Kommunikation heben die zwei Akteurinnen in ihrem zweiten Solidaritätsaufruf ebenso hervor wie das Angebot, dass im Krankheitsfall auch Ware telefonisch bestellt und nach Hause geliefert werden kann. Die positive Wirkung hat nicht lange auf sich warten lassen. Schon nach dem ersten Rundschreiben haben Einwohner mehr und öfter eingekauft, das brachte samstags 20 Prozent mehr Umsatz, wurde erfreut festgestellt. Mit dem zweiten Solidaritätsaufruf war eine Einladung zu einem Herbstfest am Lädchen verbunden, und die wurde überraschend gut angenommen. Viele Morschheimer und auch Neubürger informierten sich bei einem Rundgang durchs Geschäft und ließen sich die angebotenen Leckereien schmecken. Allein an diesem Tag klingelten 200 Euro mehr als sonst in der Ladenkasse, ist von Elsbeth Hartmetz zu hören. Sie wünscht sich: „Die Leute müssen uns auf Dauer treu bleiben“. Erfreut über die gute Resonanz ist auch Ortschef Fister, der mit dem Gemeinderat in einer der nächsten Sitzungen beraten wird, wie es weitergeht. Als Vorsitzender des Vereins Dorfladen darf er zwar nicht mit abstimmen, will aber vorschlagen, das Geschäft bis Jahresende weiter zu betreiben. „Hier kaufen nur Leute ein, denen bewusst ist, dass diese Einrichtung teurer ist als ein Discounter, die aber den Laden unterstützen wollen“, weiß Fister. Man sei übereingekommen, sich nach einem Geschäftsführer umzusehen, der alle Belange des Geschäfts im Blick hat. Dieser müsse nicht aus Morschheim sein, er solle aber viel Engagement mitbringen, damit der Dorfladen auch weiterhin für die Versorgung der Einwohner und nicht zuletzt auch als Ort der Kommunikation erhalten bleiben könne.