Börrstadt RHEINPFALZ Plus Artikel Hoffentlich mit Rückenwind: Pfälzer radelt bis Kroatien

Magnus Windecker auf Tour: Mit Sonnenbrille, Fahrrad und einem Lächeln im Gesicht genießt er das Gefühl von Freiheit.
Magnus Windecker auf Tour: Mit Sonnenbrille, Fahrrad und einem Lächeln im Gesicht genießt er das Gefühl von Freiheit.

Seine Tour führt den Börrstadter Radfahrer über steile Pässe und durch malerische Landschaften: Magnus Windecker fährt mit dem Fahrrad und einem Zelt nach Kroatien.

Es ist ein Liedklassiker, den wohl jeder kennt: „Bicycle Race“ von Queen, darin heißt es: „I want to ride my bicycle, bicycle, bicycle.“ Der Song stammt aus den späten 1970er-Jahren, und da war Magnus Windecker aus Börrstadt noch nicht einmal geboren. Trotzdem kennt er das Lied, aber das ist nicht der Grund, warum der heute 37-Jährige so verrückt nach dem Drahtesel ist. Vielmehr hat es vor sechs Jahren angefangen, während der Corona-Pandemie. „Zunächst bin ich viel wandern gegangen, aber dann habe ich mir, wie viele andere auch, ein E-Bike gekauft und war fast täglich mit dem Fahrrad unterwegs. So bin ich zum Eisessen nach Worms gefahren“, erzählt Windecker.

Mittlerweile radelt er täglich zur Arbeit: von Börrstadt nach Eisenberg, 18 Kilometer hin und 18 Kilometer zurück. Diese Strecke fährt er immer, egal bei welchem Wetter – der 37-Jährige ist auf seinem Fahrrad in seinem Element. Am Wochenende steigt er auf sein Rennrad und dreht seine Runde rund um den Donnersberg und manchmal auch weiter weg. Wenn er ganz starkes Fernweh bekommt, dann packt er nicht etwa die Koffer und steigt ins Flugzeug. Nein, er belädt sein Zweirad und fährt los.

Sein Trekkingrad, beladen mit 16 bis 20 Kilogramm Gepäck, ist sein treuer Begleiter.
Sein Trekkingrad, beladen mit 16 bis 20 Kilogramm Gepäck, ist sein treuer Begleiter.

Mit dem Rad schon bis in die Slowakei

Mit dem Rad ist er schon nach Dänemark gefahren und bis in die Slowakei. Und eigentlich wollte er jetzt am Samstag, 18. April, bis nach Rumänien radeln. Aber diese Pläne musste er kurzfristig ändern. „Ein Familienmitglied hat eine Operation, deswegen möchte ich am 17. Mai wieder in Börrstadt sein“, erzählt Windecker. Das seien nun leider keine 5000 Kilometer, sondern nur 2200 Kilometer. Von Börrstadt bis Kroatien, hin- und wieder zurück. Über die Schweiz und Italien und eben über die Alpen, die ja bekanntlich dazwischen liegen. Aber die Berge seien kein Problem für ihn. Er möchte über den Brennerpass fahren, und dann ist er schon in Italien. Seine Rückreise führt ihn von Kroatien nach Slowenien und über München, Ingolstadt und Heilbronn wieder in den Donnersbergkreis.

Spätestens am Samstagmorgen um 7.15 Uhr möchte er also losradeln, sein erstes Ziel ist Schaffhausen und dann immer weiter Richtung Süden. Wo er am Abend schläft, das weiß er übrigens am Morgen nie. „Ich lasse mich einfach treiben und schaue, wie der Tag läuft“, sagt er, obwohl er gleichzeitig ambitionierte Tagesziele verfolgt: Auf seinen bisherigen Radreisen fuhr er täglich zwischen 150 und 180 Kilometer. Windecker hat ein Zelt und seinen Schlafsack dabei, sein Gepäck wiegt zwischen 16 und 20 Kilogramm. Oft klingelt er bei Landwirten und fragt, ob er für eine Nacht auf einem Feld sein Zelt aufbauen kann. Meistens kann er dort auch duschen. Mit dieser Taktik ist er bisher immer gut gefahren, denn die Spontanität gehört für ihn zum Erlebnis dazu. Abends im Zelt kocht er sich etwas auf seinem Gaskocher. „Natürlich gönne ich mir auch mal ein Eis oder eine Pizza“, sagt er.

Die Heimat der Großeltern

Die Reise in die Slowakei vor einem Jahr war eine ganz besondere: Sie führte ihn in das Dorf, aus dem seine Großeltern stammen. Die Verbindung zu seiner Familie war für ihn eine extra Portion Motivation. Trotzdem war diese Fahrt eine Herausforderung: Magnus Windecker hatte nur begrenzt Urlaub und musste in 16 Tagen knapp 180 Kilometer pro Tag radeln, um sein Ziel zu erreichen. „Es war wirklich anstrengend, aber am Ende habe ich es geschafft und war stolz drauf“, erzählt er.

Mit dem Fahrrad ins slowakische Dorf: Magnus Windecker erreicht Vricko.
Mit dem Fahrrad ins slowakische Dorf: Magnus Windecker erreicht Vricko.

Für ihn ist das Radfahren nicht nur ein Hobby, sondern eine Leidenschaft, die ihn immer wieder antreibt, neue Ziele zu erreichen. Seit März 2021 nutzt er überwiegend ein Trekkingrad, mit dem er nicht nur die zwei großen Reisen nach Dänemark und in die Slowakei absolviert hat, sondern auch täglich zur Arbeit fährt. Zusätzlich besitzt er ein Rennrad für längere Ausfahrten am Wochenende, auf denen er zwischen 130 und 200 Kilometer zurücklegt.

Das älteste Rad ist aus dem Jahr 1924

Außerdem sammelt der 37-Jährige alte Fahrräder. In seiner Oldtimer-Fahrradsammlung befinden sich 16 Räder, das älteste stammt aus dem Jahr 1924, das jüngste von 1965. Namen hat er den Rädern bislang nicht gegeben, aber die Drahtesel sind ein zentraler Bestandteil seines Lebens. „Fahrradfahren bedeutet für mich Vergnügen, Freiheit, Urlaub – alles zusammen. Wenn ich auf meinen Fahrrädern sitze, fühle ich mich frei und habe ein Lächeln im Gesicht.“

Er sei körperlich fit und habe sich auch vor seinen Touren keinem ärztlichen Check-up unterzogen, er fahre so viel Fahrrad und fühle sich gesund – Angst vor einem medizinischen Notfall habe er nicht, erzählt er. Aber jeden Abend schreibt er eine Nachricht an seinen Bruder in Börrstadt: „Er bekommt immer am Abend eine Info von mir, dass alles geklappt hat, und oft schicke ich auch Videos mit“, berichtet Windecker. Was er bei dieser Tour diesmal neu machen möchte: Er postet seine Fotos und Videos auf seinem nun öffentlichen Instagram-Account. Wer ihm dort folgen möchte, der kann einfach sein Profil mit seinem Namen suchen und ihn so auf seiner Tour begleiten.

x