Kirchheimbolanden
HNO-Praxis in Kibo geschlossen: Zukunft des Standorts ungewiss
Die HNO-Praxis von Dr. Peter-Johannes Kastner ist derzeit aus gesundheitlichen Gründen geschlossen. Patienten, die die Praxis telefonisch kontaktieren wollen, werden durch den automatischen Anrufbeantworter auf die HNO-Praxis nach Kaiserslautern verwiesen. Beide Praxen sind Teil eines größeren Medizinischen Versorgungszentrums (MVZ) – dem Meliva MVZ Westpfalz.
Wie lange die Praxis geschlossen bleibt, ist nicht bekannt. Laut RHEINPFALZ-Informationen möchte Kastner die Praxis ganz abgeben und in den Ruhestand gehen, daher suche er schon seit einiger Zeit nach einer Nachfolge. Bisher jedoch ohne Erfolg. Eine baldige Schließung der Praxis bestätigte die Pressestelle der Kassenärztlichen Vereinigung Rheinland-Pfalz (KV RLP) auf RHEINPFALZ-Anfrage nicht: „Der KV RLP liegen hierzu keine Informationen vor“, heißt es.
Zweite HNO-Praxis in Kibo? KV sagt „Nein“
Sollte die HNO-Praxis in Kibo langfristig geschlossen bleiben und sich keine Nachfolge finden, müssten sich Patienten womöglich nach Alternativen umsehen. Denn eine zweite HNO-Praxis, wie von einigen in den sozialen Netzwerken aufgrund der aktuellen Lage bereits gefordert, wird es nicht geben, wie eine Sprecherin der KV RLP betont: „Nach bedarfsplanerischen Maßstäben ist die ambulante Versorgung mit HNO-Ärztinnen und -Ärzten ausreichend gedeckt. Kirchheimbolanden gehört dem Planungsbereich Donnersbergkreis an, für den in der Hals-Nasen-Ohrenheilkunde (HNO) derzeit keine freien Arztsitze verfügbar sind.“
Die Anzahl freier Arztsitze pro Planungsbereich ergibt sich aus der auf Bundesebene vorgegebenen Bedarfsplanung. Diese ist laut der KV RLP ein Instrument, das die Verteilung von Ärztinnen und Ärzten sowie Psychotherapeutinnen und Psychotherapeuten in Deutschland regelt. An welchem Ort sich Ärztinnen und Ärzte einer Fachgruppe niederlassen dürfen, gebe bundesweit die sogenannte Bedarfsplanungs-Richtlinie vor.
Und diese, so die Sprecherin der KV RLP, verursache planerische Probleme – auch für Kirchheimbolanden: „Sich nicht frei für einen Praxisort entscheiden zu dürfen, schreckt viele ab. Auch wenn bei zugelassenen Ärztinnen und Ärzten keine Altersbegrenzung zur Berufsausübung mehr besteht, ist der Ärztemangel gerade in ländlichen Gebieten bereits angekommen. Es gibt zurzeit nicht genügend weitergebildete Ärztinnen und Ärzte, die diese Lücken schließen könnten.“ Nach Ansicht der KV RLP ist diese Bedarfsplanung in der heutigen Zeit des enormen Ärztemangels überholt, da sie nicht mehr ausreichend auf die aktuellen demografischen und gesellschaftlichen Entwicklungen reagiert.
„Ressource Ärztin und Arzt wird immer knapper“
Doch wie wird sich die HNO-Situation vor Ort nun in naher Zukunft entwickeln? „Dazu kann die KV RLP keine detaillierte Aussage treffen. Fakt ist aber: Die Ressource Ärztin und Arzt wird immer knapper“, macht die Sprecherin deutlich. Das gelte jedoch nicht für einzelne Städte oder Landkreise, sondern das gesamte Bundesland Rheinland-Pfalz. Die Gründe für den Ärztemangel seien vielfältig: Bedarfsplanung, zu hohe bürokratische Hürden, Fachkräftemangel, fehlende Medizinstudienplätze oder der Generationenwechsel spielten dabei eine Rolle.
Die Auswirkungen davon dürften Patientinnen und Patienten zu spüren bekommen: „Es ist davon auszugehen, dass aufgrund des zunehmenden Ärztemangels , Patientinnen und Patienten zukünftig längere Fahrtwege in Kauf nehmen müssen.“ Aktuell macht sich dies bereits im Zuge der geschlossenen HNO-Praxis bemerkbar – die nächste zum Meliva MVZ gehörende befindet sich in Kaiserslautern. In puncto Entfernung ist die HNO-Praxis in Alzey die nächste.
Über die Arzt- und Psychotherapeutensuche des Patientenservices mit der Rufnummer 116117 erhalten Patientinnen und Patienten einen Überblick über weitere Praxen in ihrer Nähe, auch gefiltert nach Fachrichtungen. Darüber hinaus unterstützt der Patientenservice unter der 116117 telefonisch bei der Suche nach festen Haus- und Kinderarztpraxen.