Einselthum
Historischer Rundwanderweg wird am Sonntag eingeweiht
Es ist schon ein bisschen anstrengend, wenn man beim Rundweg in Einselthum alle 18 Sehenswürdigkeiten in Augenschein nehmen möchte. Aber es lohnt sich am Ende. Die Idee für den Weg entstand vor zwei Jahren im Rahmen der Dorfmoderation. Wer mit offenen Augen durch das Dorf geht, dem fallen die Schilder an den Gebäuden, besonders im alten Ortskern, bereits auf.
Am besten beginnt man den Rundgang in der Hauptstraße unterhalb des Dorfplatzes in der Ortsmitte, wo vor vielen Jahren das alte Bauernanwesen von Georg und Luise Hartmetz stand. Dort befindet sich eine Infotafel, die einen Überblick über die einzelnen Stationen des Rundwegs gibt. Eine weitere Infotafel gibt es am Anwesen Stutzmann am oberen Ende der Bergstraße. Den Rundweg gibt es übrigens auch speziell für Kinder. Auf acht der Hinweistafeln gibt es per QR-Code Informationen, die für die Kleinen leicht verständlich sind.
Für Schilder und Flyer gabs Geld vom Land
Peter Dubicki war federführend bei den geschichtlichen Recherchen und hat mit Marion Baumrucker, Lore Bühler und Rudi Frölich den Text auf den Schildern verfasst. Zwei Jahre hat es gedauert, bis alles in trockenen Tüchern war. Laut Rühl-Pfeiffer kosteten Schilder und Flyer 5515 Euro, wobei es einen Landeszuschuss von 40 Prozent gab.
Links unterhalb des Dorfplatzes befindet sich ein ehemaliger Vierseithof, heute das Anwesen Bürcky, wo die Tour beginnt. Die Scheune vertritt repräsentativ den fast komplett aus dem 19. Jahrhundert stammenden Scheunenbestand der Gemeinde. Vor 50 Jahren lagerten hier noch Stroh und Heu. An der Stelle des Kuh- und Pferdestalls befindet sich jetzt eine Wohnung. Ein weiterer Vierseithof mit Brennerei gehörte früher der Familie Damm, heute Bühler, und zeigt ein stattliches, langgestrecktes Wohnhaus mit Sichtbogenfenstern. Vor rund 60 Jahren hatte das Anwesen noch einen Verwalter, der die Landarbeiter beaufsichtigte. Einer davon war Johann Römer. Er tränkte bei der Heimfahrt am damals noch Hartmetzschen Brunnen immer seine Rösser.
Die protestantische Kirche, ein schlichter Saalbau, stammt aus dem Jahr 1760 und kann ebenso besichtigt werden wie die beiden Brunnen in der Haupt- und der Bergstraße. Es handelt sich hier um rechteckige, gusseiserne Tröge mit Löwentatzen und der Aufschrift „Gemeinde Einselthum 1882“
„Haus der Vereine“ in saniertem Bauernhof
Von der Hauptstraße 27 aus sind bis in die 1960er Jahre noch Friedrich und Maria Schwarz mit ihren Kühen ins Feld gefahren. Im Jahr 2001 wurde das Anwesen saniert. Hier befindet sich jetzt das „Haus der Vereine“, wo auch der Gemeinderat tagt. Dahinter liegt der kürzlich angelegte Bürgergarten, das neue Schmuckstück der Gemeinde. Rechts davon passiert man das Kriegerdenkmal, das an die Waffentaten des deutschen Heeres 1870/71 erinnert.
Geht man dann die Bergstraße hoch, kommt man an einem sogenannten „Parallelhof“ vorbei, in dem heute das Weingut Bescher angesiedelt ist. Weiter geht es zum ehemaligen Anwesen Holdefer, heute Mönnich, ein stattliches Gebäude aus dem Jahre 1883, bevor man den Hakenhof von Gudrun Klag erreicht. Hier wohnte früher Anna Schäfer, eine freundliche alte Dame, von der die Dorfkinder immer ein „Saftestick“, also ein Marmeladebrot, oder ein Butterbrot mit Zucker bekamen.
Eines der ältesten Häuser der Pfalz
Ein paar Schritte weiter erreicht man das „Steinerne Haus“, das älteste Haus von Einselthum und eines der ältesten Wohnhäuser der Pfalz. Stil- und Konstruktionsmerkmale lassen eine Entstehungszeit im 13., spätestens Anfang des 14. Jahrhunderts, wahrscheinlich als befestigtes Haus oder Teil einer Burg erahnen. Ein unterirdischer Gang soll früher in Richtung der katholischen Kirche geführt haben. Ein kurzes Stück mit einem Schlupfloch ist heute noch zu sehen. Die katholische Kirche, die im Jahre 1178 in Verbindung mit Papst Alexander IV. erstmals urkundlich erwähnt wurde, ist dem Schutzpatron Martin gewidmet.
Ein sichtbarer Beweis für eine vorgeschichtliche Besiedelung der Gegend um Einselthum ist der zu Fuß gut 20 Minuten in nördlicher Richtung entfernte „Lange Stein“, ein Menhir. Es handelt sich um einen Kalkstein, gut zwei Meter hoch, 1,4 Meter lang und 55 Zentimeter breit. Er wurde wahrscheinlich vor rund 5000 Jahren errichtet.
Zurück im Dorf gelangt man in der Hauptstraße 28 zum bekanntesten Einselthumer Fachwerkhaus, heute Baumgärtner, um 1700 erbaut. Bis in die 1960er Jahre gab es dort noch einen Lebensmittelladen, wo man das sprichwörtliche Pfund „Zucker in de Tutt“, nämlich einer Dreieckstüte, bekam. Weiter führt der Weg dann zu einem Vierkanthof fränkischen Typs. Dieses Anwesen wurde 1867 von Jakob und Georg Emarth als landwirtschaftlicher Gemischtbetrieb gebaut. Heute beherbergt es das Wein- und Sektgut von Jörg Bayer, auch bekannt als „Martinspforte“. Ein weiterer Vierkanthof mit typischen spätklassizistischen Fenstern befindet sich gegenüber.
Rätsel um Anshilda (fast) gelöst
Zum Schluss kann man noch einen Blick in das Gebäude der heutigen Kindertagesstätte werfen. 1883 als Schulhaus mit Lehrerwohnung und Turnhalle erbaut, blieb die Schule mit zwei Klassen bis zum Bau der Grundschule Zellertal im Jahr 1965 in Betrieb. Zum Schluss geht es zur ehemaligen Appolsheimer Mühle mit ihrem Baukörper aus unverputzten Bruchsteinen mit hohem Satteldach und breitem Vordach. Der in die Scheune integrierte Stall ist als Gewölbestall über Säulen mit kelchförmig ausgebildeten Kapitellen gestaltet, ein besonderer Hingucker. Danach ist der Rundgang beendet, man hat gute Eindrücke gesammelt, ist aber ein wenig geschlaucht. Eine Weinschorle täte jetzt gut.
Übrigens: Wer genau Anshilda war, ist heute nicht mehr festzustellen. Zumindest soll sie adlig gewesen sein, und auf jeden Fall gilt sie der Gründungslegende nach als die Namensgeberin von Einselthum. Das soll nämlich in seiner ältesten Form „Anshilt-Heim“ geheißen haben und über die Aussprache im Dialekt, nämlich „Anseldem“, allmählich zu Einselthum geworden sein.
Info zur Einweihung
Sonntag, 19. Juni, Treffpunkt ist der Dorfplatz. Beginn ist 10.30 Uhr. Der Rundgang endet gegen 13 Uhr, danach gibt es einen Abschluss mit Umtrunk im neugestalteten Bürgergarten.