Hanauerhof
Hilfe für Wirbel und Gelenke: Osteopathin Martina Steinmetz behandelt Pferde
Vor rund zwanzig Jahren hat die 53-jährige Martina Steinmetz ihre Approbation als Tierärztin an der Justus-Liebig-Universität in Gießen erhalten und danach in einer Gemeinschaftspraxis für Pferde und Kleintiere gearbeitet. Für die Osteopathie hat sie sich schon immer interessiert, sodass sie 2001 mit der Ausbildung der manuellen Therapie begonnen hat. Ende 2001 hat sich die Tierärztin selbstständig gemacht mit der Spezialisierung auf Akupunktur und manuelle Therapien.
Die neunjährige Araberstute Azeezah ist neugierig. Sie hat einen offenen Charakter. Richtige Probleme hat sie nicht. „Das Iliosakralgelenk, kurz auch ISG oder Kreuzbein-Darmbein-Gelenk genannt, stört sie ein wenig“, sagt die Tierärztin schmunzelnd. Bei einem unangenehmen Druck auf das Gelenk fängt die Stute an zu tänzeln.
Pferden bei der Ausbildung helfen
2003 lernte Steinmetz bei dem Urvater der Osteopathie, dem französischen Tierarzt Dominique Giniaux. Seitdem arbeitete sie gleichzeitig in der Akupunktur, in der Osteopathie und in der Chiropraktik an Pferden in Heidelberg. 2012 zog sie mit ihrem Mann Max Lieb und zwölf eigenen Pferden auf den Hanauerhof bei Dielkirchen. Mit ihrer mobilen Praxis ist sie nicht nur in der Region unterwegs, sondern auch darüber hinaus im Raum Heidelberg und Mannheim.
Die meisten ihrer Patienten sind Sportpferde mit orthopädischen Problemen wie Takt-Unreinheiten oder Rittigkeitsproblemen. „Viele Pferde kommen an einer Stelle in ihrer Ausbildung nicht weiter, können zum Beispiel nicht so gut links oder rechtsherum galoppieren oder bei der Piaffe den Takt halten“, so Steinmetz. „Diese Patienten sind mir am liebsten.“
Körper als Gesamtheit
Blockaden können auch von Sattelproblemen herrühren oder durch Unfälle entstehen. „Zum Beispiel, wenn sich der Vierbeiner überschlagen hat oder aus dem Hänger gefallen ist“, erklärt Steinmetz. Ebenso behandelt sie chronische Erkrankungen wie Asthma oder Verhaltensstörungen.
Die Osteopathie umfasst den Körper in seiner Gesamtheit. Die einzelnen Strukturen greifen ineinander wie bei einem Uhrwerk, und nur wenn alle Teile gut beweglich sind, funktioniert auch das Ganze. Ist die Bewegung nur an einer Stelle eingeschränkt, ist das Gleichgewicht gestört und Krankheiten können entstehen.
Langsame Annäherung
Für Steinmetz gehören Körper, Geist und Seele zusammen. Anhand des Pferdetyps könne man oft schon die körperlichen Schwächen erkennen. Wenn das Pferd zum Beispiel ängstlich ist und sich schnell zurückzieht, dann ziehen sich auch die Muskeln zusammen und verkürzen sich auf Dauer. Azeezah hat das rechte Vorderbein ein Stück nach hinten gestellt, was auf einen Rechtshänder hinweisen kann.
Von ihren Besitzern lässt Steinmetz die Vierbeiner im Schritt oder Trab vorführen, je nachdem, was sie für Probleme haben. Fragen nach der Haltung und der Vorgeschichte gehören auch zur Diagnosestellung. Dann nähert sich die Osteopathin langsam dem Pferd. „Ich überfalle die Pferde nicht, sondern frage erst einmal, was ich für sie tun kann“, erklärt sie. Erst dann legt sie Hand an.
Drei Arten der Osteopathie
Osteopathie ist eine rein manuelle Therapie. Mithilfe der Hände werden die verschiedenen Gewebeschichten durchgetastet und Bewegungsstörungen erfühlt. Durch die Auflösung dieser Störungen werden die Selbstheilungskräfte angeregt und der Körper wieder ins Gleichgewicht gebracht. Drei Arten der Osteopathie werden dabei unterschieden. Für jede Form gibt es eigene Behandlungstechniken, oft wendet man mehrere verschiedene Techniken kombiniert während einer Behandlung an.
Die kraniosakrale Osteopathie arbeitet mit dem Bewegungsrhythmus einer Flüssigkeit in einer Bindegewebshülle. Verspannte Wirbel können dies zum Beispiel blockieren. Ziel ist die Wiederherstellung der Beweglichkeit, indem der Wirbel in seine Ausgangsposition zurückgeschoben wird. „Der Flüssigkeit kann man auch einen Schubs geben, sodass sie wieder schneller fließen kann. Damit werden Verspannungen von innen aufgelöst“, erklärt Steinmetz.
Die parietale Osteopathie beschäftigt sich vorrangig mit Knochen, Gelenken, Muskeln und Faszien. Wenn der Hals zum Beispiel nicht gerade gehalten wird, kann sich ein Wirbel „verklemmt“ haben. Indem Steinmetz den Hals mit einer schnellen kurzen Bewegung in die entgegengesetzte Richtung eindreht, schiebt sich der Wirbel wieder in die richtige Richtung zurück. Wichtig bei den verschiedenen Techniken ist eine genaue Kenntnis der Anatomie der Pferde.
Bei der viszeralen Osteopathie wird der Fokus auf die inneren Organe wie Herz oder Lunge gerichtet. Dabei steht die Aufhängung im Körper und das versorgende Blutgefäßsystem im Vordergrund.
Nach der Behandlung hat Azeezah keine Schmerzen. „Nur beim Lösen starker Verspannungen kann es sein, dass die Vierbeiner bis zu fünf Tagen nach der Behandlung etwas merken“, so Steinmetz.