Gerbach RHEINPFALZ Plus Artikel Hightech-Gewächshaus in der Nordpfalz: Wenn Windräder Tomaten wachsen lassen

Endlose Reihen von Kräutern, die sich wie grüne Teppiche ausrollen, finden sich in dem Hightech-Gewächshaus mitten in Gerbach.
Endlose Reihen von Kräutern, die sich wie grüne Teppiche ausrollen, finden sich in dem Hightech-Gewächshaus mitten in Gerbach.

Regionales Gemüse aus erneuerbarer Energie: In einem der modernsten Gewächshäuser Europas gedeihen Kräuter, Salate und sogar Tomaten im Winter. Wie das möglich ist.

Mitten im Donnersbergkreis, umgeben von Feldern und Windrädern, gibt es ein Projekt, das auf den ersten Blick nicht hierher zu passen scheint: In einem Hightech-Gewächshaus sollen künftig an 365 Tagen im Jahr Tomaten, Salate und Kräuter wachsen – auch im tiefsten Winter.

Rund eine Million Euro wurden über Crowdfunding in das Projekt investiert. Drei der Wärmepumpen, die das Gewächshaus beheizen, wurden teilweise durch Fördermittel finanziert. Jetzt steht das 3500 Quadratmeter große Gewächshaus – etwa halb so groß wie ein Fußballfeld – im Herzen von Gerbach und soll die Energie direkt vor Ort nutzen. Auch der CO2-Ausstoß durch Transporte soll gering bleiben, denn diese sollen mit Elektrofahrzeugen bewerkstelligt werden. Die Ziele: regionale Versorgung mit Lebensmitteln und Energie, ganzjährige Produktion lokaler Lebensmittel sowie eine geringere Abhängigkeit von Importen.

Die Wurzeln der Pflanzen liegen direkt im Wasser und werden gezielt mit den nötigen Nährstoffen versorgt.
Die Wurzeln der Pflanzen liegen direkt im Wasser und werden gezielt mit den nötigen Nährstoffen versorgt.
Gut für die Umwelt: Die Töpfe sind zu 100 Prozent kompostierbar.
Gut für die Umwelt: Die Töpfe sind zu 100 Prozent kompostierbar.
Fast wie ein Labor: Besucher dürfen an einer Führung durchs Gewächshaus teilnehmen.
Fast wie ein Labor: Besucher dürfen an einer Führung durchs Gewächshaus teilnehmen.
Rund 90 Personen kamen, um das neue Projekt des Kreises zu besichtigen.
Rund 90 Personen kamen, um das neue Projekt des Kreises zu besichtigen.
Betriebsleiter Konstantin von Rheinbaben zeigt, wie es aussieht, bevor die Setzlinge ins nährstoffreiche Wasser gesetzt werden.
Betriebsleiter Konstantin von Rheinbaben zeigt, wie es aussieht, bevor die Setzlinge ins nährstoffreiche Wasser gesetzt werden.
Landrat Rainer Guth (rechts) ehrt Unternehmer William Willenbacher (links) für sein Engagement.
Landrat Rainer Guth (rechts) ehrt Unternehmer William Willenbacher (links) für sein Engagement.
Seit 15 Jahren betreibt der Schneebergerhof Windkraft- und Photovoltaikanlagen.
Seit 15 Jahren betreibt der Schneebergerhof Windkraft- und Photovoltaikanlagen.
Im Gewächshaus werden verschiedene Produkte angebaut, darunter Cocktail-Tomaten, Paprika und Auberginen.
Im Gewächshaus werden verschiedene Produkte angebaut, darunter Cocktail-Tomaten, Paprika und Auberginen.
Unter LED-Licht können die Tomaten sogar nachts weiterwachsen.
Unter LED-Licht können die Tomaten sogar nachts weiterwachsen.
Im Inneren des Gewächshauses herrscht konstant eine Lufttemperatur von 18 Grad .
Im Inneren des Gewächshauses herrscht konstant eine Lufttemperatur von 18 Grad .
Zum Schutz der Pflanzen mussten die Besucher Schutzkleidung anziehen, bevor es in den Anbaubereich ging.
Zum Schutz der Pflanzen mussten die Besucher Schutzkleidung anziehen, bevor es in den Anbaubereich ging.

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Moderne Technik am Hof

Zur Eröffnung des Vorzeigeprojektes am Samstag kamen rund 90 Besucher, darunter Noch-Klimaschutzministerin des Landes Rheinland-Pfalz, Katrin Eder (Grüne), der Landrat des Donnersbergkreises, Rainer Guth, und der Bürgermeister der Verbandsgemeinde Nordpfälzer Land, Michael Cullmann (SPD). Landrat Guth dankte Initiator Matthias Willenbacher für sein Engagement und überreichte ihm eine Kiste Dubbegläser, was im Publikum für Lacher sorgte. Auf dem Programm standen Führungen durch das Gewächshaus, ein Spaziergang über den Hof sowie die Unterzeichnung eines Vertrags von Scientists for Future Mainz.

Aufgeteilt in Gruppen von rund 20 Personen konnten Besucher bei den Führungen einen Blick hinter die Kulissen des modernen Gewächshauses werfen. Zum Schutz der Pflanzen mussten alle Schutzkleidung anziehen, bevor es in den Anbaubereich ging. Im Inneren wirkt vieles eher wie ein Labor als wie klassische Landwirtschaft: Salate, die im Wasser wachsen, künstliches Licht, konstant 18 Grad und Rechner, die die perfekte Balance für den Nährstoff messen können. Je nach Pflanze dauere es etwa sechs bis acht Wochen bis zur Ernte.

Produkte aus 100 Prozent eigener Energie

Seit November 2025 werde getestet, welche Produkte besonders gefragt sind. „Unser grüner und roter Basilikum läuft sehr gut, ebenso Petersilie, Salbei und Koriander“, erklärt Betriebsleiter Konstantin von Rheinbaben. Besonders sei, dass der Betrieb vollständig recycelbare Töpfe verwendet. „Auch die Geschichte hinter dem Projekt lässt sich gut erzählen, und der Handel zeigt großes Interesse an unserem Konzept“, sagt er.

Diese Geschichte beginnt am Schneebergerhof bei Gerbach, dem elterlichen Bauernhof von Unternehmer Matthias Willenbacher, einem Ort mit einer besonderen energiepolitischen Vergangenheit: 1996 wurde dort das erste Windrad des Ortes gebaut. In den vergangenen Jahren entwickelte sich der Hof zu einem Standort, an dem erneuerbare Energien und Landwirtschaft miteinander verbunden wurden.

Mit dem Gewächshaus wird dieser Weg nun weitergeführt: Es handele sich um das erste Hightech-Gewächshaus in Deutschland, das direkt an einen Wind- und Solarpark angeschlossen ist und vollständig mit erneuerbarer Energie betrieben wird. Der Wasserverbrauch wird durch hydroponische Systeme und effektive Wasserrückgewinnung um bis zu 90 Prozent reduziert. Für den Kreis bedeute es eine neue Art der Lebensmittelproduktion, zusätzliche Arbeitsplätze und Aufträge für lokale Unternehmen, wie es auf der Homepage heißt.

Im Supermarkt und als Gemüsekiste

Die Kräuter, Salate und „Winter-Tomaten“ aus dem Gewächshaus sind inzwischen in den Regalen regionaler Supermärkte wie Edeka Strese in Rockenhausen und Meisenheim sowie im E-Center Strese in Bad Sobernheim zu finden, weitere Märkte sollen folgen. Laut Pressesprecherin Kristina Schmitz werden die Produkte in etwa zwei Wochen unter dem Namen „Schneebergerhof-Salate“ deutlich erkennbar in den Märkten erhältlich sein. Die Produktion soll in den kommenden Jahren weiter ausgebaut werden. Derzeit besteht die Möglichkeit, ein Abonnement für eine Gemüsekiste abzuschließen, wahlweise mit Lieferung nach Hause oder zur Abholung.

Info

Wer das Gewächshaus besuchen möchte, kann sich für eine Führung am Sonntag, 12. April, um 11 Uhr auf der Homepage des Schneebergerhofs anmelden.

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