Ruppertsecken
Haus Höhenruh schließt – Familienbetrieb mit Seltenheitswert
Es ist ein Ende, das für Dorit Hellinger-Thorausch und Thomas Hellinger irgendwie absehbar war. Die Vorzeichen sind für privat geführte, kleine Altenheime schließlich deutschlandweit längst alles andere als gut. Dennoch hätten sie das „Haus Höhenruh“ in Ruppertsecken gerne noch weiter geführt, weitere Hürden gemeistert – und 2025 auch das 50-jährige Bestehen gefeiert. Zuletzt wurden die Rückschläge aber zu viele, die Probleme zu groß. Zum 1. März schließt eines der ältesten Altenheime im Donnersbergkreis nun seine Pforten.
Im Gespräch merkt man dem Ehepaar Hellinger aber durchaus an, wie reif man sich diesen Entschluss überlegt hat – und wie positiv man trotz allem an die Sache herangehen will. „Natürlich ist das bitter und war für alle auch sehr emotional, als wir das Ende Dezember offiziell gemacht habt“, sagt Thomas Hellinger. Dennoch erlebe er seine Mitarbeitenden und auch die Bewohnerinnen und Bewohner aktuell sehr positiv im Umgang mit der Schließung. „Die Kollegen sind dazu übergegangen, eher über die schöne Zeit zu sprechen und darüber, dass man gerne den Kontakt halten würde“, freut sich Hellinger. Ihm und seiner Frau ist indes aktuell vor allem daran gelegen, dass ihre 21 Bewohner und ebenfalls mehr als 20 Mitarbeiter eine Perspektive haben. „Und ich bin überrascht, wie schnell sich da bereits Lösungen ergeben haben“, sagt er. Sieben Bewohnerinnen und Bewohner haben bereits eine neue Unterkunft sicher, beim Rest sei man in Gesprächen. Die Lösungen seien dabei durchaus unterschiedlich. „Für manche Angehörige, beispielsweise Kinder der Bewohner, die weiter weg wohnen, ist es sogar eine gute Gelegenheit, ihre Angehörigen näher zu sich zu holen. In Einzelfällen kehren Bewohner sogar zunächst in die Familien zurück“, erklärt Thomas Hellinger. In jedem Fall steht er auch ohnehin stets in Kontakt zu anderen Heimen und ist optimistisch, dass zeitnah Lösungen für alle Bewohner gefunden werden.
Auch bei Mitarbeitern herrscht Optimismus
Bleiben die Mitarbeiter – und auch da herrscht Optimismus. „Jeder, der weiter in der Branche bleiben möchte, findet im Gesundheitswesen aktuell auch einen Job. Egal, ob Pflegefachkräfte, Hilfskräfte oder Hauswirtschaftskräfte“, betont Dorit Hellinger-Thorausch. Die Perspektiven für die Kollegen seien also gut. Dennoch stehe natürlich ein Bruch an. „Wir haben als vergleichsweise kleines Altenheim eben auch sehr familiäres Klima. Das findet man so vielleicht nicht überall“, sagt Hellinger. Zumal der Weg für einige Mitarbeiter wohl in eine größere Einrichtung führen wird – was vor allem daran liegt, dass es kleine Seniorenheime immer seltener gibt. Und die Gründe, die schon einige Einrichtungen in die Knie gezwungen haben, sind es nun auch, die beim „Haus Höhenruh“ den Ausschlag gaben. „Zusammengefasst kann man schon die angespannte Personalsituation, fehlende Fachkräfte auf dem Arbeitsmarkt, immer mehr auch längere Krankheitsfälle und die eigene, persönliche Belastung als Hauptgründe nennen“, meint Thomas Hellinger.
Mehrkosten schwer zu stemmen
Für ihn und seine Frau wurde das im vergangenen Jahr besonders spürbar. Über 1000 Krankheitstage hatten sich 2023 auf die zwischen 23 und 25 Mitarbeitenden verteilt. „Und all das mussten wir kompensieren“, sagt Dorit Hellinger-Thorausch. Die Konsequenz der zahlreichen Ausfälle war unter anderem die Anstellung von Zeitarbeitern. „Und die bekommt man nicht refinanziert“, sagt Thomas Hellinger. Auf Dauer sind diese Mehrkosten also nur schwer zu stemmen. Aber in einer Einrichtungen, die rund um die Uhr besetzt sein muss, ist dieser Schritt eben alternativlos. Die höhere Belastung verteilte sich also auf immer weniger Schultern. „Und so wurden halt wieder welche krank, auch längerfristig. Ein Teufelskreis“, beschreibt Dorit Hellinger-Thorausch die Entwicklung der vergangenen Monate. Eine Last, die das Ehepaar vor allem auch selbst zu tragen hatte. „Vier freie Tage hatten wir in 2023“, sagt Thomas Hellinger. Ansonsten war das Paar, das auch selbst in Ruppertsecken wohnt, stets greifbar – und das in verschiedensten Bereichen. „Ich bin im Zweifelsfall auch der, der morgens den Winterdienst übernimmt oder in den Häusern die Glühbirnen wechselt“, lacht Hellinger. Die hohe Belastung zeigte auch bei ihm schon Spuren. Gesundheitliche Schwierigkeiten sind letztlich auch ein Grund dafür, nun einen neuen Weg zu gehen.
Seit fast fünf Jahrzehnten Familienbetrieb
Was nun am 29. Februar endet, ist auch ein Familienbetrieb, der fast fünf Jahrzehnte existiert. Angefangen damit, dass aus dem ehemaligen „Hotel Dom“ im Jahr 1975 ein Altenheim wurde. Thomas Hellingers Mutter und Stiefvater führten dieses, erweiterten es über die Jahre um weitere Gebäude. 1998 übernahm Hellinger dann die Leitung, auch die beiden Töchter des Paares arbeiteten in der Zwischenzeit schon fleißig mit. Es ist also auch ein Stück Familiengeschichte, was nun endet. „Ich überlege ernsthaft, dazu nochmal irgendwann eine Chronik zu erstellen“, sagt Hellinger. Zunächst stehen aber andere Aufgaben an. „Schließlich muss das alles noch abgewickelt werden und auch die zahlreichen Einrichtungsgegenstände, Büromöbel, Betten brauchen wir dann ja nicht mehr“, erklärt Dorit Hellinger-Thorausch. Ein Teil könne vielleicht verkauft werden, andere Sachen gespendet. Was aus den Gebäuden werde, sei noch offen. „Wir können aber sicher sagen, dass es keine weitere Gesundheitseinrichtung wird und auch keine Flüchtlingsunterkunft“, so Hellinger. Letzteres sei zuletzt wiederholt Thema gewesen und er mehrfach darauf angesprochen worden. Auch beruflich wollen Thomas Hellinger und seine Frau sich umsehen und noch einige Jahre als Arbeitnehmer ein völlig anderes Leben führen. Eines abseits all der schönen Erinnerungen und des Familienbetriebes – aber auch eines mit mehr Freiraum, Zeit für Urlaub und zur Erholung.