Imsweiler RHEINPFALZ Plus Artikel Halloween: Was sich zwei Familien zum Gruselfest vorgenommen haben

Gruselige Einblick: Im Horror-Tunnel erwartet die Besucher noch einige Überraschungen.
Gruselige Einblick: Im Horror-Tunnel erwartet die Besucher noch einige Überraschungen.

Verstörende Schreie dringen durch die Nacht, offene Särge zieren den Wegesrand und dunkle Gestalten lauern an jeder Ecke: Zartbesaitete sollten an Halloween einen großen Bogen um Imsweiler machen. Denn dort haben sich gleich zwei Familien etwas für die schönste Horror-Nacht im Jahr einfallen lassen.

Wenn etwas zu kurz geratene Zombies, Hexen und Vampire von Haus zu Haus ziehen und zu ihrer Besänftigung von den Anwohnern manch eine süße Leckerei einfordern, ist es wieder soweit: Halloween ist da. Der Abend vor Allerheiligen, an dem laut heidnischem Brauchtum der Schleier zwischen den Welten der Lebenden und der Toten besonders durchlässig ist. Doch seitdem das größte Grusel-Spektakel im Donnersbergkreis, der Ausflug des Schreckens, im Jahr 2019 endgültig zum letzten Mal stattfand, klafft ein großes Loch im Terminkalender der großen und kleinen Horror-Fans. Eine Situation, die für Jaqueline Samad und ihren Lebensgefährten Sebastian Cnota als Halloween-Begeisterte unvorstellbar ist. Deswegen haben sich die beiden etwas einfallen lassen.

Noch sind die Aufbauarbeiten im Gang: Jaqueline Samad und Sebastian Cnota sind bereits voller Vorfreude, wenn ihr Garten und Hof
Noch sind die Aufbauarbeiten im Gang: Jaqueline Samad und Sebastian Cnota sind bereits voller Vorfreude, wenn ihr Garten und Hof fertig dekoriert sind.

Eine überdimensionale Spinne auf dem Gartenzaun vor dem Wohnhaus des Paares in der Alsenzstraße wirkt bereits bei helllichtem Tag bedrohlich. In der Dunkelheit nimmt der Grusel-Faktor nicht nur für Spinnen-Phobiker zu: Dann rückt eine rote Beleuchtung den monströsen Krabbler in Szene und löst damit Gänsehaut beim Betrachter aus. Ein direkt daneben angebrachter Banner mit der Aufschrift „Haunted House“ (zu Deutsch etwa „Spukhaus“) lässt erahnen, dass es auf dem rund 1300 Quadratmeter großen Grundstück der Familie in diesem Herbst auf keinen Fall ruhiger zu gehen wird.

Etwa 400 Besucher in diesem Jahr erwartet

Rund zehn Tage vor dem eigentlichen Termin hat das Paar bereits alle Hände voll zu tun, baut und dekoriert, bis das heimelige Fleckchen zu einer unheimlichen Kulisse wird. Dabei soll der Aufwand, den die beiden betreiben, aber nicht nur zum eigenen Spaß sein, macht die 42-Jährige deutlich: „Wir wollen einfach etwas für die Ortsgemeinde und vor allem für die Kinder hier tun.“ Schon lange habe sie den Eindruck, dass immer weniger und noch dazu kostenlose Veranstaltungen angeboten würden. „Wen wundert es auch? Es wird den Menschen durch extrem hohe Auflagen immer schwerer gemacht, ihre Ideen umzusetzen“, bedauert die Wahl-Imsweilererin. Aus diesem Grund hat sich das Paar bereits im vergangenen Jahr kurzfristig dazu entschieden, auf ihrem Privatgrundstück „ein kleines, aber feines Spukhaus“ herzurichten. Mit großem Erfolg: 200 Kinder und Eltern kamen über den Halloweenabend verteilt vorbei und wagten sich durch einen selbstgezimmerten Tunnel, in dem nicht nur manch grausige Szene zu beobachten war.

Acht auf sechs Meter misst der Schreckens-Tunnel, den Sebastian Cnota selbst gebaut hat. Welche Horror-Gestalten sich darin verb
Acht auf sechs Meter misst der Schreckens-Tunnel, den Sebastian Cnota selbst gebaut hat. Welche Horror-Gestalten sich darin verbergen, müssen Besucher in der Halloweennacht selbst herausfinden.

In diesem Jahr haben sich Samad und Cnota noch mehr einfallen lassen. Mit etwa 400 Besuchern rechnen sie über den Abend verteilt. „Das ganze Jahr über grase ich schon Ebay Kleinanzeigen, Flohmärkte und den Sperrmüll ab“, erzählt die 42-Jährige als leidenschaftlicher Halloween-Fan von ihren Ideen, für die die beiden bereits einen mittleren vierstelligen Betrag investiert haben. Sogar bis nach Mannheim zu einem Theater sei das Paar gefahren, um dort ausrangierte Särge abzuholen. „Die brauchen wir, weil wir in unserem Garten einen Friedhof mit offenen Särgen und Nebel inszenieren wollen“, verrät sie. Was die beiden hingegen nicht günstig ergattern können, wird kurzerhand von Cnota als gelernter Schreiner selbst gebaut wie etwa Baumstämme mit stimmungsvoll illuminierten Fratzen. Inspirationen dazu sammelt Samad, die als Fotografin arbeitet, aus Filmen oder dem Internet. „Da habe ich großes Glück“, sagt Samad stolz, „ich zeige ihm die Ideen und er setzt sie um“.

Jaqueline Samad mit Riesen-Spinne "Trudi", die schon am helllichtem Tag angsteinflößend wirkt.
Jaqueline Samad mit Riesen-Spinne »Trudi«, die schon am helllichtem Tag angsteinflößend wirkt.

„Halloween bedeutet Kindheitserinnerungen“

Um den Besuchern noch mehr Gruselspaß zu bereiten, hat Cnota deswegen den selbstgezimmerten Spuk-Tunnel überarbeitet. „Die Garagenwand haben wir integriert, dadurch haben wir jetzt einen etwa acht auf sechs Meter breiten Tunnel, in dem wir auch einige Live-Erschrecker haben werden“, erklärt Cnota. Obwohl das Spektakel „Halloween Cnota Art“ nicht für die große Massen ausgelegt ist, arbeitet das Paar gespannt auf den 31. Oktober hin.

Illuminiert und in Szene: Schaurig-schönes Flair im Garten von Jaqueline Samad und Sebastian Cnota.
Illuminiert und in Szene: Schaurig-schönes Flair im Garten von Jaqueline Samad und Sebastian Cnota.

„Für mich bedeutet Halloween einfach meine Kindheit“, erläutert Samad, die in Hohenecken aufgewachsen ist, „deswegen freue ich mich so sehr, dass die Kinder das jetzt auch bei uns erleben können.“ Sie habe das große Glück gehabt, mit vielen Amerikanern im Freundeskreis aufzuwachsen. „Die Mutter meiner besten Freundin hat uns an Halloween immer mit auf die Airbase genommen.“ Dort habe sie selbst auch die sogenannten Haunted Houses besucht. Vor allem in den USA sind Besuche in den Horror-Häusern beliebt, in denen Live-Erschrecker in schaurig-schöner Kulisse für angsteinflößende Momente sorgen. Samad versichert: „Wenn wir aber merken, dass Kinder eher ängstlich sind, nehmen wir uns zurück oder gehen freundlich auf sie zu, damit sie die Angst verlieren.“

Riesen-Spinne „Trudi“ bei Nacht.
Riesen-Spinne »Trudi« bei Nacht.

Zwei Familien, gleiche Leidenschaft

Mit ihrer Vorliebe für das heidnische Fest ist das Imsweilerer Pärchen nicht alleine, erzählt die 42-Jährige. „Die Idee zu unserem Haunted House kam mir erst nach einem Besuch bei unserem Nachbarn Kim im letzten Jahr. Er hat mich inspiriert.“ Denn Kim Metzroths Halloween-Deko ist nicht nur unter den Dorfbewohnern bekannt. Auch viele Pendler, die tagtäglich auf der B48 unterwegs sind, bestaunen seit gut fünf Jahren die ausgefallenen Ideen des 40-Jährigen, halten manchmal sogar an, um sich die aufgebauten Szenen an der Alsenzstraße 67 in Ruhe anzuschauen.

Sichtlich stolz auf seine Halloween-Deko: Kim Metzroth.
Sichtlich stolz auf seine Halloween-Deko: Kim Metzroth.

Alles habe mit einem großen, aufblasbaren Kürbis vor dem Haus angefangen, berichtet Metzroth. Nach und nach sei mehr Dekoelemente hinzugekommen. „Mittlerweile rufen mich sogar die Leute an und fragen, ob ich ein Teil noch für meine Deko gebrauchen kann. Oder ich mache vieles selbst oder nehme etwas vom Sperrmüll mit“, erzählt er. Dreieinhalb bis vier Wochen tüftelt er in seiner Freizeit am perfekten Horror-Haus, bei der auch jede Menge Kunstblut zum Einsatz kommt. Da brutzelt beispielsweise eine verrücktgewordene Hexe in einem Topf eine Mahlzeit mit menschlichen Bestandteilen oder ein Skelett klettert die Hauswand hoch. Und das ist noch nicht alles, versichert Metzroth. Im Garten, der von der Straße nicht einsehbar ist, gebe es an Halloween noch mehr solcher Szenarien zu entdecken und sogar zu erleben. Der 40-Jährige öffnet dann wieder seine Gartentür. „Meine Familie und ich sorgen dann schon für den einen oder anderen Schreckmoment.“

Pünktlich zu Halloween sind vor Metzroths Haus die verschiedensten Horror-Szenarien zu sehen.
Pünktlich zu Halloween sind vor Metzroths Haus die verschiedensten Horror-Szenarien zu sehen.

Es hagelt auch Kritik

Bei all der mehrheitlichen Euphorie um das Gruselfest gefalle aber nicht jedem Beobachter Metzroths Ideenreichtum. So habe eine Frau einmal im Auto gehalten, um sich die Grusel-Stationen einmal näher anzuschauen. „Als sie den Garten fertig besichtigt hatte, kam sie zurück und fragte mich, wie man nur so brutale Szenen darstellen könnte und warum ich den Kindern, jetzt wo der Ukraine-Krieg in vollem Gange sei, nur so etwas antun könnte“, rekapituliert Metzroth die damalige Situation. Von solchen Meinungen wollen er und auch Samad sich nicht beeinflussen lassen. „Uns geht es gerade um die Kinder. Sie haben großen Spaß an unseren Gruselhäusern, weil endlich mal wieder etwas Action im Dorf ist.“

Nichts und niemand ist sicher: Ein Skelett klettert die Hauswand empor.
Nichts und niemand ist sicher: Ein Skelett klettert die Hauswand empor.

Haunted House Cnota Art

Das Haunted House Cnota Art, Alsenzstraße 83, öffnet am 31. Oktober von 18 bis 21 Uhr. Kostenloser Eintritt, keine Voranmeldung. Wer möchte, kann die Betreiber mit einer kleinen Spende unterstützen, die im nächsten Jahr für die Anschaffung neuer Halloween-Deko verwendet wird. Das Haunted House Metzroth, Alsenzstraße 67, hat am 31. Oktober ebenfalls geöffnet.

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