Donnersbergkreis Höll investiert in Standort

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Erstes Aufatmen bei der Belegschaft der Karl Höll GmbH: Der Kirchheimbolander Standort des Tubenherstellers, der im vergangenen Jahr Antrag auf Eröffnung des Plan-Insolvenzverfahrens stellte, bleibt nicht nur erhalten, er wird sogar erweitert.


Überraschend positive Neuigkeiten konnte Geschäftsführer Oliver Höll im Gespräch mit der RHEINPFALZ verkünden: Der hiesige Produktionsstandort des in fünfter Generation geführten Familienunternehmens wird im Zuge des eingeleiteten „Plan-Insolvenzverfahrens“ (wir berichteten) nicht geschwächt, sondern sogar gestärkt. „Wir werden die gesamte Aluminiumtuben-Produktion künftig hier in Kirchheimbolanden konzentrieren. Wir bauen auf den Standort und die Mitarbeiter hier“, so Höll. Die Firma werde in den nächsten Wochen und Monaten sogar investieren, um weitere Maschinen in Kirchheimbolanden in Betrieb zu nehmen. Rund 20 Arbeitsplätze sollen hier außerdem entstehen. Schmerzlich sind dagegen die Einschnitte im bisherigen Hauptwerk der Firma in Langenfeld bei Leverkusen. Dort werden zahlreiche Mitarbeiter ihre Jobs verlieren – bedingt durch den Umzug der Aluminiumproduktion nach Kirchheimbolanden und die Konzentration der sogenannten Laminat-Tuben, wie sie beispielsweise bei Zahnpasta zum Einsatz kommen, in dem rheinländischen Werk. Nach Ende der Umstrukturierungen werden von den bisher in beiden Werken rund 350 Arbeitsplätzen etwa 190 übrig bleiben. 145 könnten es davon in Kirchheimbolanden sein. Im Herbst vergangenen Jahres hatte die Geschäftsleitung mitgeteilt, dass es zu Liquiditätsproblemen gekommen sei. Geringere Umsätze auf der einen Seite, steigende Kosten auf der anderen Seite hätten dazu geführt. „Vor allem die hohen Energiekosten haben uns hart getroffen“, so Höll. Das Erneuerbare-Energien-Gesetz koste das Unternehmen allein an Umlage rund 900.000 Euro jährlich. Kurzarbeit und erste betriebsbedingte Kündigungen konnten nicht verhindern, dass der Tubenhersteller – immerhin nach eigenen Angaben einer der weltweiten Marktführer im Bereich Tuben-Herstellung – den Weg ins „Plan-Insolvenzverfahren“ gehen musste. Im Gegensatz zum gängigen Insolvenzverfahren, bei dem ein externer Insolvenzverwalter die Forderungen der Gläubiger, beispielsweiser der Lieferanten, und die Zahlungsmöglichkeiten des Schuldners gegeneinander abwägt, bleibt beim Plan-Insolvenzverfahren die Geschäftsführung selbst Herr der Lage. „Wir haben der Gläubigergemeinschaft ein umfangreiches Sanierungskonzept vorgelegt“, erklärt Höll im RHEINPFALZ-Gespräch. „Wir, aber auch die Gläubiger, sind überzeugt, dass wir mit dem eingeschlagenen Weg die Firma zukunftstauglich machen können.“ Konkret bedeutet das, dass man sich auf die Fertigung von Tuben für den pharmazeutischen Bereich und für hochwertige Kosmetik konzentrieren will. „Wir produzieren nun mal in einem Hochlohnland. Aber wir produzieren hochwertige Produkte für anspruchsvolle Anwendungen. Das können wir, und damit werden wir weiter erfolgreich sein“, ist sich Höll sicher. Der Niedrigpreiswettbewerb in Osteuropa habe in der Vergangenheit dem Unternehmen zu schaffen gemacht. „Wir überlassen in Zukunft die einfachen, billigen Produkte, wie etwa Tuben für Klebstoffe oder Haarfärbemittel, anderen und konzentrieren uns auf das Spezielle“, sagt Höll. Vor allem in der Pharmaindustrie seien die Anforderungen an Qualität und Fertigung, die Notwendigkeit von Zertifizierungen und Chargen-Kontrollen enorm. „Bei Tuben für Cremes, die beispielsweise auf offenen Wunden zum Einsatz kommen, ist eine perfekte Qualität natürlich unumgänglich.“ Gerade in diesem Bereich hat das Unternehmen in Kirchheimbolanden in den vergangenen Jahren investiert – allein 2008 rund fünf Millionen Euro in eine 47 Meter lange vollautomatische Fertigungslinie, auf der das Unternehmen medizinische Tuben produziert. Das Plan-Insolvenzverfahren öffnet dem Unternehmen nun nach eigenen Angaben die Möglichkeit, sich zu restrukturieren. Dennoch sei dies kein einfacher Schritt, wie Oliver Höll im RHEINPFALZ-Gespräch offen zugibt: „Wenn Sie ein solches Familienunternehmen in fünfter Generation führen, tut das richtig weh. Ich kenne die Mitarbeiter ja persönlich. Wir haben viele Möglichkeiten abgewogen, und dieser Weg ist der, von dem wir uns versprechen, dass es das Unternehmen auch in Zukunft wettbewerbsfähig macht.“ Auch wenn die Mitarbeiter in Kirchheimbolanden nun aufatmen können, sind sie in den nächsten Wochen dennoch gefordert: „Um den Umzug zu stemmen, müssen alle an einem Strang ziehen. Aber ich weiß, dass die Mitarbeiter hier flexibel sind und den Weg mitgehen“, sagt Geschäftsführer Höll. Das bestätigt auch Werkleiter Michael Jansen: „Die Erleichterung in der Belegschaft hier in Kirchheimbolanden ist groß. Wir wissen, dass viel Arbeit auf uns zukommt, aber wir sind motiviert.“ Bis Mai soll das Plan-Insolvenzverfahren abgeschlossen sein, bis Ende des Jahres sollen die Geschäfte wieder ganz geregelt laufen. „Wir sind froh, dass alle Lieferanten und auch unsere Kunden zu uns halten. Die Produktion läuft vollumfänglich weiter. Wir produzieren pünktlich und in bekannter Qualität“, so Höll. Er sei optimistisch, dass das Werk in Kirchheimbolanden schon in Kürze nahezu voll ausgelastet sei: „Die Umsatzzahlen werden sich zwar insgesamt reduzieren, aber dafür nachhaltig sein.“ (fky)

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