Donnersbergkreis Gut gefüllte Wundertüte
DIELKIRCHEN. Eine Talente-Show ist wie eine Wundertüte. Man weiß vorher nicht, was drinsteckt. Im Fall der zweiten Talent-Lounge im Dielkirchener Bürgerhaus hat sich das am Dienstag in einem zweieinhalb-Stunden-Programm geklärt: Es war ein Abend voll Poesie und Witz, niveauvoll, oft tief anrührend, nie langweilig. Musik und Verse, solide handgemacht und ohne technische Verstärkung präsentiert.
Für Kenny Legendre und seine Partnerin Margarethe Schneider, die beiden Macher der „Majik Lounge“, brachte die Wundertüte zudem unerwartet viele Zuhörer ins Bürgerhaus und den besten Besuch seit Wiedereröffnung der Lounge in Dielkirchen. Damit habe er gerade so kurz nach Weihnachten nicht gerechnet, freute sich Legendre über an die 40 Besucher, die ein aufmerksames und dankbares Publikum waren. Dem stellten sich vier Talente, hier und da auch mal mit personeller Verstärkung – und ergänzt von Kenny Legendre selbst. Unter anderem präsentierte er einen nagelneuen Song, in dem er musikalisch Dampf abließ über die Trump-Wahl, um sich greifenden Populismus und die Angst als Machtmittel, der er sein „I ain’t gonna live my life in fear“ entgegensetzte. Das erste Wort aber hatte Linus Whitton aus Katzenbach, der den Abend mit der getragenen Ballade über „Lord Franklin“ und dessen im Eis tragisch gescheiterte Suche nach der Nordwestpassage eröffnete. Bekannt ist das Lied etwa von der Gruppe „Pentangle“, und Whitton lehnte seine Gitarrenbegleitung auch an Pentangle-Gitarrist John Renbourne an. Intensiv, fesselnd und stimmlich sehr authentisch, gab er dem Abend einen stillen, nachdenklichen Einstieg. Für sein zweites Stück überließ er den Gesang Sonja Osterwinter-Hlywa aus Breunigweiler. Ihrer angenehm klaren, samtigen Stimme schmiegte sich „Silver Dagger“ von Joan Baez ebenso stimmig und wirkungsvoll an wie die späteren Lieder, die sie solo zu dezentem, flüssigem Fingerpicking auf der Gitarre vortrug, Stücke etwa wie „Only a womans heart“ von Mary Black oder „Spanish lady“ von den Dubliners. Einen Kontrapunkt zu solchen poetischen Ausflügen in die Welt der Folk-Balladen setzte Pit Kaiser, den in seinem ersten Lied der Blues ereilte, weil er sich als gebürtiger Määnzer immer dem Verdacht ausgesetzt sieht, ein „Fasnachtsdepp“ zu sein. Der „Mänzer Handicap Blues“, den der Kirchheimbolander dazu bereits 1979 geschrieben hat, wie er erzählte, brachte mit dem Text rasch die Lacher auf seine Seite, kam aber ebenso als kantig gesungene, auf der Gitarre versiert gespielte Bluesnummer echt und packend über die Rampe. Dass ihm „der Bischoff von Winnweiler lieber ist als der Papst von Rom“, bekannte er anschließend in einem amüsanten Lied aus der Feder von Kibos Connemara-Wirt Hans Mohr, bevor er zum Reggae überging und darin seine „musikalische Menschwerdung“ besang. Viel Applaus gabs für den kauzigen Humor wie auch für eine klasse musikalische Performance. Für Poesie waren an diesem Abend nicht allein die Musiker zuständig. Mit Michael „Mik“ Amos kündigte Kenny Legendre auch einen Dichter an und gab ihm die Bühne frei. Der Rockenhausener, mit Weste, Rüschenhemd und „Batschkapp“ angetan, hatte sein Publikum wie ein versierter Poetry-Slammer rasch im Griff. Ernste, pointierte Verse über die Liebe, über den Alkohol, der die Nächte leer und die Tage zu Brei mache, über den Tod, der stets auf Armeslänge folge und „dann hilft, wenn kein Mensch mehr helfen kann“, wechselten sich ab mit aphoristisch zugespitztem Wortwitz, der immer wieder mit Schmunzeln und überraschtem Lachen belohnt wurde. Weise und tiefsinnig philosophierte er über scheue Wölfe unter wilden Rehen oder die Frage, ob den Blick in die Tiefe des Universums dort auf anderen Sternen jemand erwidern mag. Nach der Pause kam jeder nochmal dran mit zwei, drei Beiträgen. Besonders anrührend der gemeinsame Auftritt von Linus Whitton mit seiner kleinen Tochter Louisa. Als jüngstes Talent des Abends sang sie mutig und so zart wie bewegend das zauberhafte „Lucy“ von Martha Tilston. Alles andere als leicht zu singen, setzte das zwölfjährige Mädchen dem Song in den lichten Höhen echte Glanzlichter auf. Auch für „Too close“ von Alex Clare, dem sie mehr Nachdruck geben konnte, erhielt sie für den Auftritt mit ihrem Gitarre spielenden Papa großen Beifall. Kenny Legendre („ich will auch mal...“), der den Abend moderierte, griff auch im zweiten Teil zur Gitarre und brachte mit heiteren und temporeichen Stücken wie „Pink Sheep“ und „Heidi Hotmehl“ Stimmung in den Saal. Der Ausklang des Abends blieb dann Pit Kaiser und drei Bob-Dylan-Klassikern vorbehalten, „All along the watchtower“, „Make you feel my love“ und zum Abschluss mit Gänsehaut-Qualität: „Forever young“. Im Januar werde es zwar keine Talent Lounge geben, aber Legendre, der fürs Gastrecht seiner Majik Lounge im Bürgerhaus der Ortsgemeinde Dank sagte, kann dafür ein echtes Schmankerl ankündigen: Am 17. Januar werde Paddy Schmidt von „Paddy goes to Holyhead“ in die Majik Lounge kommen, ließ er das Publikum wissen. Am 7. Februar ist dann Papa Legba`s Blues Lounge dran, eine Gruppe, die auch schon in Rockenhausen aufgetreten ist.