Donnersbergkreis
Großgrundbesitzer Pollichia: Der Artenschutz steht an oberster Stelle
„Unsere pfälzische Natur zu erforschen, war die Motivation der Gründer der Pollichia im 19. Jahrhundert. Heute ist das wissenschaftliche Verständnis der Zusammenhänge in der Natur die Voraussetzung, sie zu schützen. Deswegen ist Naturkunde ein zentrales Element der Pollichia-Aktivitäten.“ So heißt es in den Grundsätzen des Vereins, für dessen Ziele die Grundstücke eine zentrale Rolle spielen. „Wir wollen unser Wissen in die Biotop-Pflege einfließen lassen, um bedrohte Arten bestmöglich zu erhalten und zu fördern“, erläutert die Vorsitzende der Pollichia im Donnersbergkreis, Karin Schatz. „Die meisten Grundstücke besitzen und pflegen wir schon sehr, sehr lange. Wir haben sie gekauft, weil sie ganz unterschiedliche Lebensräume bieten: Teiche, Feuchtwiesen, Magerwiesen, Streuobstwiesen, Hecken und Wald.“ Dem Verein gehören Areale beispielsweise in Weitersweiler, Alsenz, Rockenhausen, Falkenstein und Bisterschied.
Hört sich nicht nur nach Arbeit an, sondern ist es auch. Zunächst einmal bedeutet das zu schauen, welche Pflanzen auf dem jeweiligen Grundstück wachsen, welche Tiere vorkommen und auch für welche weiteren Arten der Lebensraum geeignet wäre. Davon hängen die Pflegemaßnahmen ab, die durchgeführt werden. Schatz: „Bedrohte Arten zu schützen, ist die wichtigste Aufgabe. Denn wenn der Lebensraum für eine Art nicht mehr passt und die Art verschwindet, ist es wesentlich schwieriger, wieder die richtigen Bedingungen zu schaffen und zu warten, bis die Art erneut auftaucht. Und bedrohte Arten gibt es viele: Im Dezember 2025 erschien beispielsweise die aktuelle Rote Liste der Tagfalter – darin sind die Hälfte der Arten als gefährdet aufgeführt.“
Arbeiten sind aufwendig und sehr komplex
Wie sorgfältig beobachtet und analysiert werden muss und wie aufwendig die anfallenden Arbeiten sind, schildert Schatz an einigen Beispielen: „Komplex ist es bei den Insekten. Ein erwachsener Schmetterling braucht Nektar, manchmal sogar von ganz bestimmten Pflanzen. Bevor ein Schmetterling fliegen kann, entwickelt er sich – wie jeder weiß – aus Ei, Raupe und Puppe. Das Ei ist oft an Pflanzen angeheftet. Wird die Wiese gemäht oder die Hecke geschnitten, ist auch das Schmetterlingsei verloren. Deswegen führen wir eine sogenannte Mosaikmahd durch: Es wird nur ein Teil der Wiese gemäht, einzelne Bereiche lassen wir unberührt. Dadurch bleibt immer ein Teil der Schmetterlingseier erhalten. Gemäht wird nur ein- oder zweimal im Jahr, an manchen Stellen fällt die Mahd auch mal für ein Jahr aus. Gar nicht zu mähen, ist auch keine Option, dann würde die Fläche verbuschen. Müssen Gehölze geschnitten werden, lassen wir immer einige unbearbeitet, damit überwinternde Schmetterlingseier, die oft an den besonnten äußeren Ästen abgelegt werden, erhalten bleiben.“
Ist es bei den Bienen einfacher? Nicht wirklich, fährt Schatz fort: „Die über 500 Wildbienenarten sind oft auf bestimmte Pflanzen angewiesen. Die meisten legen allerdings ihre Eier in die Erde, es werden also freie Bodenflächen gebraucht, an denen die Biene den Brutgang graben kann. Jedes Ei bekommt einen Proviant aus Pollen der für diese Bienenart passenden Pflanze. Diese Futterportion muss reichen, bis die Biene im nächsten Jahr schlüpft. Einen Blühstreifen anzulegen, ist also nur dann sinnvoll, wenn viele unterschiedliche heimische Blühpflanzen enthalten sind. Den Blühstreifen im Herbst umzugraben und im Frühjahr neu einzusäen, ist kontraproduktiv, da damit sämtliche überwinternden Schmetterlinge und Bienen zerstört werden. Deswegen entwickeln wir eine Wiese lieber langsam über mehrere Jahre durch passende Mahd und Ausmagerung zu einer artenreicheren Wiese. Geschnittene Äste schichten wir zu einer Totholz-Hecke auf. Dort können Vögel nisten und Insektenlarven, die sich von Totholz ernähren, leben. Amphibien und kleine Säugetiere nutzen die Hecke als Versteck und Überwinterungsort. Totholz ist aber auch notwendig für viele Arten, an die man nicht gleich denkt: Moose, Flechten und Tausende von Pilzen.“
Kauf von weiteren Flächen ist nicht geplant
Regelmäßige Bestandsaufnahmen gehörten bei der Pflege der Grundstücke ebenfalls zu den notwendigen Maßnahmen, fährt sie fort: „Wie sich eine Fläche entwickelt, schauen wir uns immer wieder zwischendurch an, um bei Bedarf die Pflege anzupassen – und auch um uns darüber zu freuen, welche Arten häufiger geworden oder sogar neu hinzugekommen sind.“
Es sei nicht geplant, weitere Grundstücke dazuzukaufen. „Wir sind mit unseren Einsatzkapazitäten an der Grenze“, sagt Pollichia-Schriftführer Gerhard Eymann. Deswegen heiße der Verein jeden willkommen, der regelmäßig oder gelegentlich mit einer sinnvollen Arbeit die Mitglieder bei der Biotop-Pflege unterstützen möchte, betont die Vorsitzende. Sie weist auf verschiedene Vorträge und Veranstaltungen hin, die der Verein im Rahmen seiner Umweltbildung anbietet und die im Online-Kalender zu finden sind: donnersberg.pollichia.de.