Donnersbergkreis Große Stimmen in mystischer Atmosphäre
«Steinbach.» Zum dritten Advent flutete ein Chor ganz besonderer Art das Kirchenschiff mit dem imposanten Klang seiner Stimmen. Tief in sich gekehrt, lauschten über 100 Gäste im Finstern dem Gesang von „The Gregorian Voices“, acht Solisten in einem Männerchor. Bei der gregorianischen Interpretation moderner Popmusik stand am Ende das gesamte Publikum von den Bänken auf und klatschte spontan zur Musik.
Es wirkte teilweise ein wenig sonderbar, als die gregorianische Klangwelt auf den modernen Pop traf, aber in Zeiten, in denen man so gut wie alles schon mal gesehen bzw. gehört hat, war diese Sonderbarkeit eine äußerst willkommene Abwechslung. Zunächst fing aber alles ganz klassisch an. Demütig schritten die Sänger in ihren Mönchsgewändern durch die Eingangspforte der Kirche in Richtung des Altars. Die Kapuzen weit über die Gesichter gezogen. Kurz zuvor wurde noch schnell die Hauptbeleuchtung ausgeknipst. Leicht umhüllte ein rosafarbenes Licht den Bühnenbereich. Bis sich die Augen an die veränderten Lichtverhältnisse angepasst hatten, vergingen einige Minuten. Derweil herrschte in der abgedunkelten Kirche eine mystische Atmosphäre. Niemand traute sich zu räuspern, der eigene Atem wurde hörbar. Einige Gäste senkten die Köpfe oder verschlossen die Augen als ob sie beten würden. „The Gregorian Voices“ zogen schon zu Beginn das Publikum in ihren Bann. Das vokale Oktett aus Bulgarien unter der Leitung von Ivan Uzunov tourte erstmalig in 2011 durch Deutschland und konnte dabei schon viele Fans für sich gewinnen. Einer von ihnen ist der noch jugendliche Manuel Andor aus dem saarländischen Homburg, der extra an diesem Abend mit seiner Mutter anreiste, um dem Konzert beizuwohnen. Sie fanden die Vorstellung an diesem Abend „unheimlich super“. Mit den einstimmigen gregorianischen Kirchenliedern, Liedern der Renaissance und des Barock war dem Ensemble der perfekte Einstieg gelungen. „Ave maris stella“ und „Adoro te devote“ hörten sich großartig an und ließen das Herz eines jeden Klassikliebhabers höherschlagen. Die Dynamik zwischen leisen und lauten Abfolgen ging unter die Haut. Mit dem modernen Pop-Klassiker „Ameno“ von Era trumpfte der Chor dann so richtig auf. Das Publikum applaudierte kräftig. Bogomil, der erste Tenor, entfaltete derart voluminös seine Stimme, dass es für einen Moment richtig schrill wurde – und dennoch richtig gut. Elektronische Verstärker kamen nicht zum Einsatz. Je nach Lied dominierte mal der Bass oder der Sopran. Meistens fühlte es sich so an, als würde der Tenor die führende Rolle übernehmen. Sicherlich lag es auch daran, dass der Tenor seine Stimme entweder minutenlang auszuklingen schien oder abrupt und lauthals verstummte. Ein schauspielerisches Moment war stets mit dabei, das dem Publikum ein Schmunzeln und einmal sogar einen richtigen Lacher bescherte. Zur Weihnachtszeit gab es natürlich auch deutsche und amerikanische Weihnachtslieder zu hören. Ebenso wurde die musikalische Welt des Rock’n’Roll gestreift. Bei „Knockin` on Heaven`s Door“ wurde die Stimme rockig rau, dann wieder mild und sacht. Die Sänger teilten sich das Stück untereinander auf, und jeder hatte eine andere Tonlage. Die Dynamik war auch hier wieder einzigartig. Gemessen an der Lautstärke des Applauses hatten es die moderneren Lieder dem Publikum wohl am meisten angetan. Doch erst die Zugabe versetzte die Gäste in einen fast schon euphorischen Zustand. Beim letzten Song „Thank you for the Music“ gerieten alle aus dem Häuschen. Das Aufstehen, Mitsingen und Klatschen der Gäste versprühte den Charme eines Gospelkonzerts. Pfarrerin Rust-Bellenbaum zeigte sich von der positiven Resonanz begeistert. „Es war einfach richtig toll“, schwärmte Ingeborg Goede-Becker aus Winnweiler, und wie viele andere ließ sie sich ihre gekaufte CD signieren – von jedem einzelnen. Besser hätte das Konzert nicht ausklingen können.