Kirchheimbolanden
Groß oder klein: Zwei konträre Namensvorschläge für neue Straße
Die Optionen könnten unterschiedlicher nicht sein und haben doch etwas gemeinsam: Sie sollen an Vergangenes erinnern und es vor dem Vergessen im öffentlichen Bewusstsein des Städtchens bewahren. Einmal geht es um etwas Kleines: ein nicht mehr existentes Wasserhäuschen, das aber durch seine einstige Funktion für den Ortsteil Haide von Bedeutung war. Im zweiten Fall geht es um etwas Großes – um eine für die Rechtsgeschichte der Bundesrepublik verdiente Persönlichkeit, die ihren Lebensmittelpunkt in der Kirchheimbolander Andreaestraße hatte: Theodor Ritterspach, von der ersten Stunde an und dann, mehrfach wiedergewählt, 24 Jahre Richter am Bundesverfassungsgericht.
SPD-Fraktion favorisiert „Haider Wasserhaus“
Welches Schild also wird die gerade hergestellte Straße im zweiten Abschnitt des Baugebiets „Im Schlüssel“ künftig tragen? Die SPD-Fraktion, wie alle anderen Fraktionen auch um Namensvorschläge gebeten, möchte sie „Am Wasserhaus“ oder „Haider Wasserhaus“ nennen. Zumal es, wie der neue Fraktionssprecher Fritz Leber sagt, rund um das Baugebiet auf der Haide bisher keine einzige nach Persönlichkeiten benannte Straße gibt – anders als etwa im nahen Wohngebiet Kupferberg, wo mit Konrad Adenauer, Theodor Heuss und Kurt Schumacher an die Geschichte der jungen Bundesrepublik erinnert wird, die auf seinem Gebiet auch Jurist Ritterspach mitgeschrieben hat.
Die Straße im ersten Abschnitt des Baugebiets war noch locker nach der Gemarkung benannt worden, „Im Schlüssel“. Für den zweiten Teil wäre die Übernahme des Flurnamens freilich heikel. Dieser lautet nämlich „Galgenberg“ – solch traurige, ja sogar furchteinflößende Adresse will man wohl kaum fürs schmucke neue Eigenheim haben. Dafür fiel zuerst dem Haider SPD-Stadtratsmitglied Wolfgang Hupp ein, dass in eben jenem zu bebauenden Areal in den 1960er Jahren das Wasserhäuschen stand. Fritz Leber gehört zu den wenigen, die es noch einigermaßen vor Augen haben: relativ klein, quadratisch und mit Spitzdach.
Muchow schlägt Theodor-Ritterspach-Straße vor
Demgegenüber nimmt sich der Vorschlag von Stadtbürgermeister Marc Muchow (CDU) natürlich gewaltig aus. Theodor Ritterspach, 1904 in Kirchheimbolanden geboren und hier 1999 im Alter von 95 Jahren verstorben, war ab 1951 Richter am Bundesverfassungsgericht in Karlsruhe, wirkte im ersten Senat im Bereich der Grundrechte und war an bahnbrechenden Urteilen beteiligt. Die Bundesrepublik verlieh dem prinzipienfesten Gesetzeshüter ihren höchsten Orden, das Große Verdienstkreuz mit Stern und Schulterband, die Universität Mainz dem promovierten Juristen ihre Ehrendoktorwürde.
Nach Karlsruhe pendelte er, seiner Heimatstadt blieb Ritterspach – einer seiner Vorfahren war hier 30 Jahre Bürgermeister –, verbunden, hielt etwa die Festrede zur 600. Wiederkehr der Stadtrechtsverleihung. Eine herausragende, noble, musische Persönlichkeit, aller Ehren wert – erst recht derjenigen eines Straßennamens. Das ist natürlich auch für Fraktionschef Leber keine Frage. Eher die, wo diese Ehrung erfolgen sollte. Er selbst sähe eine gute Möglichkeit, wenn die Stadt, wie beabsichtigt, das Wohngebiet Kupferberg noch einmal gen Westen erweitert.
Ein bisschen gespannt sein auf die Entscheidung dürften auch jene sein, die einen Bauplatz an der künftigen Straße begehren. Mehr aber noch, nach welchem Verfahren der Stadtrat diese wenigen Plätze zu vergeben gedenkt; denn auch darüber soll morgen Abend endlich Klarheit geschaffen werden. Laut Stadtbürgermeister ist das Interesse enorm: 180 Bewerber für etwas über 30 Bauplätze!
Info
Die Sitzung beginnt am Mittwoch, 12. Januar, um 19 Uhr in der Stadthalle. Weitere Themen sind unter anderem die Erstellung eines Verkehrskonzeptes für die Stadt und ein von der SPD-Fraktion beantragter Verzicht auf den umstrittenen Bau einer Treppe an der Schlossgartenmauer gegenüber der Orangerie. Für Besucher gilt die 3-G-Regel.