Rockenhausen RHEINPFALZ Plus Artikel Gnadenhof: Mehrere Ziegen und Rinder beschlagnahmt

Susanne Bischoff sieht sich als Tierschutz-Aktivistin in der Pflicht, ihren Tieren den größtmöglichen Freiraum zu bieten.
Susanne Bischoff sieht sich als Tierschutz-Aktivistin in der Pflicht, ihren Tieren den größtmöglichen Freiraum zu bieten.

Das Veterinäramt holt sieben Tiere von einem Gnadenhof und argumentiert mit Verstößen gegen das Tierschutzgesetz. Die Betreiberin des Hofs fürchtet um das Leben ihrer Tiere.

Es ist ein Streit, der schon so manches Kapitel hinter sich hat. Auf der einen Seite steht Susanne Bischoff mit ihrem Gnadenhof für Wiederkäuer bei Rockenhausen. Auf der Gegenseite die umliegenden Landwirte und einige Bürger, die um die Sicherheit entlang der Straße fürchten, die am Gnadenhof vorbeiführt. Der Grund: Die Hofbetreiberin zäunt ihre Schafe, Kühe und Ziegen nicht ein, lässt ihnen maximalen Bewegungsfreiraum. Die Tiere nutzen diesen, kreuzen die Straßen und halten sich auf den benachbarten Äckern auf. Dieser Streit führte schon zu mancher Anordnung durch das Ordnungsamt und mancher Kontrolle durch das Veterinäramt. Der letzte Besuch des Veterinäramtes lässt Susanne Bischoff nun aber schockiert zurück: Vergangene Woche wurden drei Ziegen und vier Rinder vom Gnadenhof abgeholt und vorübergehend bei einem Viehhändler untergebracht.

Ein gewohntes Bild für Autofahrer zwischen Rockenhausen und dem Diakoniewerk Zoar: Schafe, Ziegen oder Kühe nahe der Straße.
Ein gewohntes Bild für Autofahrer zwischen Rockenhausen und dem Diakoniewerk Zoar: Schafe, Ziegen oder Kühe nahe der Straße.

Auf RHEINPFALZ-Nachfrage erklärt das Veterinäramt: „Die Fortnahme erfolgte aufgrund der Nichterfüllung von Anordnungen und Verstößen gegen das Tierschutzgesetz. Das Veterinäramt ist durch Tierschutzhinweise auf den Sachverhalt aufmerksam geworden.“ Genauere Angaben werden nicht gemacht – mit Verweis auf das aktuell laufende Verwaltungsverfahren. Susanne Bischoff kann das Agieren der Behörde nicht nachvollziehen, sieht darin sogar einen Verstoß gegen geltendes Gesetz. „Das Veterinäramt darf so eigentlich nur vorgehen, wenn Gefahr für Leib und Leben der Tiere besteht. Und das ist ganz sicher nicht der Fall“, sagt sie. Es stimme zwar, dass sie angeordnete medizinische Eingriffe versäumt habe. Sie sei allerdings längst dabei gewesen, diese auf den Weg zu bringen. Bei einer Kuh habe beispielsweise ein Scheidenvorfall eine Operation notwendig gemacht. Die Ziegen hätten witterungsbedingt Probleme mit den Klauen gehabt. „Das ist aber im Winter nicht ungewöhnlich und ich schaue immer nach meinen Tieren und weiß, dass es ihnen bei mir gut geht“, betont Susanne Bischoff. Hinzu komme, dass manche Tiere bereits ein hohes Alter haben und an Arthrose leiden. „Das sehen viele Leute nicht gern, wenn Tiere krank sind oder lahmen“, so Bischoff. Wo, wenn nicht auf einem Gnadenhof, sollten diese Tiere aber noch einen schönen Lebensabend verbringen können? „Bei Arthrose ist viel Bewegung wichtig. Die bekommen die Tiere hier“, betont sie. Beim Viehhändler würde den Tieren unter anderem jener Freiraum fehlen und damit die Arthrose verschlimmern.

Es hagelt heftige Kritik am Gnadenhof

Anders sehen das die Kritiker des Gnadenhofs. In den Sozialen Medien, unter anderem auf den Profilen von Susanne Bischoff, finden sich etliche negative Kommentare, Hinweise auf vermeintliche Vernachlässigungen der Tiere, schlechtes Futter – und natürlich das altbekannte Thema mit den offenen Zäunen. Das Ordnungsamt der Verbandsgemeinde Nordpfälzer Land fordert Bischoff zwar immer wieder auf, die Zäune zu schließen. Es passiert allerdings nichts. Die Betreiberin, die in der Region bekannt ist, macht auch keinen Hehl daraus, dass sie auferlegtes Ordnungsgeld nicht bezahlt; sie lebt von Grundsicherung, hat kein Vermögen.

Und so bewegt sich dieser Streit seit langer Zeit in einer Grauzone. Sehr zum Ärger der Anlieger und mancher Autofahrer. Ärger, der sich erneut vor allem in den Sozialen Netzwerken entlädt. Bischoff versucht dort, Geld zu sammeln, um ihre Tiere zurückzubekommen. Wieviel Geld sie dafür braucht, weiß sie nach eigener Aussage nicht. Es werde jedoch täglich mehr. „Jeder Tag, den sie beim Viehhändler untergebracht sind, wird in Rechnung gestellt. Und meine Anfragen beim Veterinäramt und mein Wunsch, die Tiere nach Hause zu holen, bleiben unbeantwortet“, sagt sie. Bischoff fürchtet, dass den Ziegen und Kühen bald der Weg zum Schlachter droht. Das Veterinäramt bestätigt das der RHEINPFALZ nicht. „Die Tiere werden zunächst tierärztlich versorgt und behandelt. Eine Aussage, dass die Tiere geschlachtet oder getötet werden, wurde seitens des Veterinäramtes nicht getätigt“, heißt es auf Anfrage. Was mit ihnen passieren soll oder an welche Bedingungen eine Rückgabe der Tiere geknüpft ist, wird abermals mit Verweis auf das laufende Verfahren nicht beantwortet.

Doch ab wann darf das Veterinäramt eigentlich eingreifen? Im Donnersbergkreis werden jährlich etwa 100 Verdachtsfälle gemeldet. Dabei zeige sich eine steigende Tendenz, sagt die Kreisverwaltung des Donnersbergkreises. Jedem Hinweis wird in der Regel zeitnah nachgegangen. Dann folgen Kontrollen, in denen sich die Vorwürfe bestätigen oder nicht. Bevor Tiere entnommen werden, folgen in der Regel Gespräche mit den Haltern, in denen eine Verbesserung der Situation erreicht werden soll. Die Halter bekommen oft eine Frist, um eventuelle Mängel zu beheben, ehe eine Nachkontrolle erfolgt. Eine solche Frist hatte Susanne Bischoff bei den offenen Behandlungen der Tiere verpasst. In besonders gravierenden Fällen, wie zuletzt etwa im Fall von 14 völlig verwahrlosten Kaninchen in Speyer, darf das Veterinäramt auch sofort eingreifen und die Tiere mitnehmen. Ob Halter ihre Tiere zurückbekommen, hängt ebenfalls von der Schwere des Falles ab. Wenn kleinere Mängel behoben werden müssen, ist eine Rückgabe möglich. In Härtefällen kann das Veterinäramt allerdings auch ein Haltungsverbot aussprechen.

Es wäre nicht der erste Rechtsstreit

Susanne Bischoff will in dieser Sache nicht locker lassen und sich auch rechtliche Hilfe holen. Von der Gegenseite wird indes der Wunsch laut, dass bestenfalls auch alle anderen Tiere des Gnadenhofs abgeholt werden sollen. Ein Kompromiss ist da schon lange außer Sichtweite geraten. Susanne Bischoff sieht sich selbst als Aktivistin für Tierschutz, lebt das auf dem Gnadenhof in aller Konsequenz aus, um ihren Wiederkäuern ein Leben in Freiheit zu ermöglichen. Vorwürfe, die Tiere würden den Landwirten die Ernte wegfressen oder auf der Straße Unfälle verursachen, weist sie wiederholt ab. Im vergangenen Sommer beklagte ein Landwirt aus Schönborn einen Ernteausfall aufgrund der Tiere. Bischoff erklärte: „Das Getreide war wahrscheinlich einfach schlecht ausgesät. Meine Tiere hätten gar nicht so einen großen Schaden anrichten können.“

Zuvor fand sich Susanne Bischoff im vergangenen Jahr im Amtsgericht ein, wo ein Verkehrsunfall verhandelt wurde. Ein Fahrzeug war auf Höhe des Gnadenhofs mit einem Tier zusammengestoßen. Der Richter sah den Vorfall als erwiesen an, mehrere Zeugen bestätigten das auch. Auf die Frage des Richters, ob Tierschutz und Wandertrieb auch dann noch als solche gelten, wenn ein Tier von einem Fahrzeug erfasst werde, antwortete Bischoff damals: „Ich habe am Abend des Unfalls den Zustand aller Tiere überprüft und keine Verletzungen vorgefunden.“ Nun hat der ausdauernde Streit rund um den Gnadenhof mit dem Eingreifen des Veterinäramtes sein nächstes Kapitel erreicht. Auserzählt ist diese Geschichte allerdings noch nicht.

Die Tiere des Gnadenhofs leben bei offener Tür und bewegen sich entsprechend oft auf den umliegenden Äckern. Sehr zum Ärger der
Die Tiere des Gnadenhofs leben bei offener Tür und bewegen sich entsprechend oft auf den umliegenden Äckern. Sehr zum Ärger der Landwirte.
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