Donnersbergkreis Gerbach: Matthias Uhl begeistert seit Jahren mit seiner Fasnachts-Figur
Nicht nur in Mainz, Köln oder Düsseldorf ist Fasnacht ein wichtiger Bestandteil der lokalen Kultur – auch die Gerbacher lieben die „fünfte Jahreszeit“ und geben sich jedes Jahr aufs Neue viel Mühe bei der Gestaltung ihres Fasnachtprogramms. Damit dies auch abwechslungsreich bleibt, ändert sich das Motto von Jahr zu Jahr, so dass sich Mitwirkende daran orientieren können. Doch trotz der wechselnden Themen bleibt ein Charakter der Gerbacher Prunksitzung treu. Als Teilnehmer des italienischen Dschungel-Camps, italienischer Bauernsohn oder bekennender „Valentinstag-Gegner“: Antonio (verkörpert von Matthias Uhl) hat zu jedem Motto eine lustige Story parat.
Kalkulierte Sprach-Komik
Seit 2003 steht Antonio (mit zwei bis drei Ausnahmen) nun auf der Bühne in Gerbach und unterhält das närrische Publikum mit seiner charmanten und witzigen Art. Sein etwas „zu kurz“ geratener Körper, das schüttere Haar und seine eher unauffällige Kleidung, die stets den verschiedenen Anlässen angepasst ist, lassen den fiktiven Charakter authentisch und sympathisch wirken. Doch stellt sich die Frage: Wer ist Antonio überhaupt und, von seinem Aussehen abgesehen, was macht ihn so besonders? Der Mittvierziger ist in seiner Kinder- und Jugendzeit in Italien aufgewachsen, lebt allerdings schon seit über 20 Jahren in der Pfalz. Die deutsche Sprache beherrscht Antonio nicht ganz akzentfrei – und das ist dann auch so etwas wie sein Markenzeichen. Denn Wortdrehungen und Grammatikfehler prägen seine Satzbildung, durch diese Komik gewinnt er zusätzlich die Sympathie des Publikums und sie verleiht seinem Vortrag extra Witz und Charme. Kraftausdrücke oder Beleidigungen gehören nicht zum Repertoire des gebürtigen Italieners. Und wenn es doch einmal schmutzig werden sollte, wird dies charmant umschrieben.
Ein weiteres sehr signifikantes Merkmal des Mittvierzigers ist dessen hektische Art. Stillsitzen kennt Antonio nicht! Immer ist er auf der Bühne in Bewegung und Action. Gestikuliert wird mit den Armen, schnellen Schrittes eilt er von A nach B, wippt nervös herum. Keine Frage: Das alles trägt ebenfalls zur Unterhaltung der närrischen Gäste bei und unterstreicht die Pointe des vorgetragenen Scherzes.
„Leidvoller“ Besuch beim Dottore
Als gelernter Bauarbeiter, der in seinem Leben schon zahlreiche Gelegenheitsjobs angenommen hat, verfügt Antonio über viel Lebenserfahrung und ein sich ständig erweiterndes Witzerepertoire. Eine seiner besten Büttenreden hielt er – auch nach eigenem Empfinden – 2012 zum Jubiläum „11 mal 11 Jahre“ des KPKV. „Weißt, schaff ich jo wieder uf den Bau seit einige Monat. Des hatt aber net so gut angefange. Nach ein Woche hab ich bissele Problem gehabet mit meine Stuhlegange, weißt Stuhle, Gange – Stuhlegange. Bin ich gegange zu den Dottore. Wie ich war bei der Arzte in der Hause, hat den Frau bei den Anmeldung aber gesaget, dass ich hier falsche bin, das is eine Dottore fur Frauenleiden. Hab ich gesaget, do bin ich jo richtige, was glaube Sie, wie ich unter mein Fraue leide“.
Als ein weiterer Höhepunkt von Antonio gilt seine „Anti-Valentinstags-Rede“ 2015: „Die Wolken weiß, der Himmel blau, rosa Ferkel hat die Sau. Am Himmel glitzern hell die Sterne, ich wollt, du wärst in gleicher Ferne. Ich grübel stundenlang und kann’s nicht fassen, warum willst du mich nicht verlassen? Alles würd ich dafür geben, wenn Du wolltest nicht mehr bei mir leben. So viel Versuche hab ich unternommen, jedes Mal bist du zurückgekommen. Hab in den Himmel Dich gehoben, doch welch ein Unglück, du bliebst nicht oben! Auch Gasballons, die führten nicht zum Ziel, du hobst nicht ab, du wogst zu viel. Ich merk, das alles hat kein Sinn, ich geb mich meinem Schicksal hin, bleib treu der mir angetrauten Frau, ich bin un bleib ne arme Sau!“ Da war er – der Frust, der bei einer langen Beziehung oder Ehe zu Tage tritt. Antonios Philosophie ist, sein närrisches Publikum in Gerbach zu unterhalten und zum Lachen zu bringen. Der Italiener aus der Pfalz möchte weder politisch, belehrend oder polarisierend in seinen Reden auftreten. Die Themen sind aus dem Leben gegriffen und dienen der Unterhaltung. Ebenso soll kein italienischer Stereotyp reproduziert werden, denn trotz seiner südländischen Herkunft fühlt sich Antonio in der pfälzischen Kultur zu Hause.
Diesmal Debüt mit Sohn Silas
Darsteller von Antonio ist der gebürtige Gerbacher Matthias Uhl, von Beruf Elektro-Ingenieur, der nicht nur als Büttenredner an der Fasnacht mitwirkt, sondern auch im Männergesangsverein und der Freiwilligen Feuerwehr Gerbach aktiv ist, außerdem als 1. Beigeordneter des Gemeinderates fungiert. Zu der Figur „Antonio“ kam er in den 90ern, als er mit Freunden eine Fasnachtssitzung im Fernsehen angeschaut hatte. „Dort gab es auch einen Italiener, den wir alle lustig fanden. Anschließend habe ich diesen dann nachgemacht, und die Freunde meinten, dass ich das unbedingt auch bei der Gerbacher Sitzung machen sollte“, so Matthias Uhl zum Entstehungsprozess von Antonio. Von da an war Antonio geboren, wobei es noch einige Jahre bis zum tatsächlichen Bühnenauftritt gedauert hat. Seine Reden für Antonio schreibt Uhl selbst und orientiert sich dabei immer am vorgegebenen Fasnachts-Motto. Inspiration für seine Scherze holt er sich aus dem Internet oder von Fernsehreden. Und auch dieses Jahr hatte Matthias Uhl zu dem Thema „Piraten und Seefahrer“ etwas Besonderes geplant. Die Sitzung am Samstagabend hielt aber auch ein Debüt bereit: Erstmals stand Antonio mit seinem 15-jährigen Sohn Silas auf der Narrenbühne.