Donnersbergkreis „Geld wäre besser in konkreten Hilfen angelegt“

Wenn es nach Rudolf Jacob geht, wird er in seinem Leben noch einige Neujahrsansprachen halten: Er möchte in diesem Jahr erneut als Bürgermeister der Verbandsgemeinde Winnweiler kandidieren. Als Wahltermin wird er dem VG-Rat den 14. Juni vorschlagen. Neben der eigenen Personalie und Lokalpolitischem ging es beim VG-Neujahrsempfang im Bürgerhaus Lohnsfeld auch um zwei bundesweit diskutierte Themen: Asylbewerber und Ärztemangel auf dem Land.
„Das Land geht dieses Thema aus meiner Sicht völlig falsch an“, kritisierte Jacob den Umgang der Politiker mit dem Ärztemangel in Dörfern und kleinen Städten. Anstatt konkrete Hilfen zuzusagen, würden auf Landesebene Arbeitskreise gebildet, bei denen aber nichts Vernünftiges rauskomme. „Wenn ich nicht mehr weiter weiß, bilden wir ’nen Arbeitskreis“, sei das vorherrschende Motto. Dazu gab’s zustimmendes Gelächter und Applaus im gut besuchten Bürgerhaus. Weiter appellierte Jacob: „Das Geld, das die sogenannten Arbeitskreise kosten, wäre besser in konkreten Hilfen zur Niederlassung von Hausärzten im ländlichen Bereich angelegt.“ Er wolle dem Verbandsgemeinderat ein Konzept vorlegen, das direkte Maßnahmen für die VG Winnweiler vorsieht. In Planung sind außerdem weitere Investitionen im Bereich Bildung: Im vergangenen Jahr seien die Grundschulen in der Verbandsgemeinde „flächendeckend“ mit Smartboards ausgestattet worden. An der Grundschule Münchweiler wurde außerdem eine dritte Betreuungsgruppe und eine Ausgabeküche für das Mittagessen eingerichtet. Letzteres ebenso in der Kindertagesstätte Steinbach, wo außerdem die Ganztagsbetreuung startete. Stolz zeigte sich Jacob vor allem darüber, „dass in der VG Winnweiler jedes Kind in seinem Einzugsbereich den Kindergartenplatz, der ihm zusteht, auch bekommt“. Für das laufende Jahr kündigte der Rathaus-Chef die Sanierung der Kita Münchweiler „insbesondere unter energetischen Gesichtspunkten“ an. Im Kindergarten in Sippersfeld stehen Arbeiten am Außengelände an. Ebenso beim Waldkindergarten Münchweiler, wo eine Überdachung bei schlechtem Wetter schützen soll. Noch besser fließen könnten in der VG Winnweiler der Auto- und Datenverkehr: Während der Straßenausbau in Münchweiler, Imsbach und Höringen abgeschlossen sei, wird „Im Küchengarten“ (Winnweiler) derzeit noch gearbeitet. Rund 3,6 Millionen Euro haben Werke und Verwaltung laut Jacob in diesem Bereich investiert. Für 2015 sind „Investitionen in ähnlicher Höhe“ geplant. Auch beim Breitbandkonzept für die VG gibt es noch einiges zu tun. Die Verträge mit der Firma „Inexio“ seien aber inzwischen unterschrieben, so Jacob. „Ich hoffe, dass wir bald die ersten Gemeinden über diese Schiene ans Netz bekommen.“ Mit 160 Einsätzen der zwölf Feuerwehren blickte der VG-Chef auf ein ereignisreiches Jahr für Brandschutz und Rettungsdienst: „Ein Quantensprung“ sei dabei die Stationierung eines Notfall-Krankentransportwagens bei der Feuerwehr Winnweiler gewesen. Seit Anfang November läuft der halbjährige Probebetrieb mit dem neuen Fahrzeug. „Es ist schon ein wesentlicher Unterschied, ob ein Rettungswagen zwei bis fünf Minuten nach Eingang des Notrufes vor Ort ist oder ob dies 15 Minuten und länger dauert“, lobte Jacob die Neuerung. Er zeigte sich optimistisch, dass der Probebetrieb in einen Dauerzustand übergehen werde. „Entsprechende Gespräche haben schon stattgefunden“ – auch zum Neubau einer Rettungswache. Ebenfalls um Gebäudefragen geht es beim Thema Asylpolitik: Auch in der VG habe sich die Zahl der Flüchtlinge und Asylbewerber im vorigen Jahr mehr als verfünffacht. „Mehrere Eigentümer großer Gebäude haben uns diese als Gemeinschaftsunterkunft zur Miete angeboten.“ Doch er habe sich „gegen diesen vermeintlich einfach Weg“ entschieden. Statt die Flüchtlinge alle zusammen unterzubringen, sei es sinnvoller, die Menschen auf einzelne Wohnungen in der VG zu verteilen. Kommunale Finanzen: Für das Jahr 2014 konnte Rudolf Jacob Gewinne bei beiden Werken und einen Überschuss im Haushalt vermelden. In den kommenden Jahren sei auch mit ersten Gewinnen aus den Fotovoltaikprojekten zu rechnen. „Im Jahr 2015 werden wir als Verbandsgemeinde den Gürtel aber deutlich enger schnallen müssen“, sagte Jacob. Er rechnet mit rund 850.000 Euro weniger Einnahmen. Dennoch strebe er zumindest einen ausgeglichenen Finanzhaushalt an. Des Weiteren lobte Jacob die gute Zusammenarbeit mit den im Mai neu gewählten Ortsbürgermeistern und Ortsvorstehern sowie das Engagement der ehrenamtlichen Helfer bei den Kommunalwahlen. Für die Liegenschaft der US Army auf dem Heuberg konnte der Verbandsbürgermeister ankündigen, dass in diesem Jahr dort 260 neue zivile Stellen entstehen werden. Neben den Reden von VG-Bürgermeister Jacob und Ortsbürgermeister Bertram (Zur Sache) unterhielt beim Neujahrsempfang der Gesangverein Lohnsfeld. Mit Zeilen wie „Stimm’ ein mit uns und sing’ auch du“ zeigten die Frauen und Männer ihre Begeisterung für Chormusik. Es dirigierte Jens Illichmann. Die Garde des UKV Fidelia Lohnsfeld tanzte, Oliver Sauer und Julia Diller vom selben Verein spielten in ihrem Sketch Szenen aus „einem ganz normalen Pfälzer Eheleben“, wobei der „Krach mit de Fraa beim Friehschtick“ sich äußerst umfangreich und zeitintensiv an der Diskussion um einen vermeintlich geklauten Weck entzündete. Da Jacob in seiner Rede auch von „leicht steigenden Einwohnerzahlen“ berichtete, stehen die Chancen gut, dass der Saal auch beim kommenden Neujahrsempfang wieder gut gefüllt sein wird. Die Amtszeit von Rudolf Jacob als VG-Bürgermeister endet am 12. März 2016. Damit steht also fest – Wiederwahl hin oder her –, dass er auch im nächsten Jahr Gastgeber des Empfangs sein wird. (rxs)