Donnersbergkreis Geblieben sind Erinnerungen
«EISENBERG». Im September 2006 ist Caroline Reimann ausgezogen, um die Welt der Musicals zu erobern. Die Sausenheimerin ging ein Jahr nach Abschluss ihrer Ausbildung zur Industriekauffrau bei Oerlikon in Eisenberg an die Hamburg School of Entertainment, um Musiktheaterdarstellerin zu werden. Geblieben sind von ihrem großen Traum Fotos und schöne Erinnerungen. Die 32-Jährige arbeitet inzwischen wieder in ihrer Lehrfirma.
Schon mit fünf Jahren gehörte das Tanzen zu Reimanns Leben, als sie in das Kinderballett des Tanzstudios von Claudia Dauth eintrat. Die Darbietung von Musicalszenen mit der Dauth’schen Showtanzgruppe und der Besuch von zahlreichen Musiktheatervorstellungen führten zu dem Wunsch, das Hobby zum Beruf zu machen. Drei lange Jahre probte Reimann hart für die Aufnahmeprüfungen an den Musicalschulen, formte ihre Mezzosopran-Stimme bei Philippe Huguet in Kirchheim. Schließlich bewarb sie sich an zwölf renommierten Schulen in der ganzen Bundesrepublik. „Die Wohnungssuche in Hamburg war schwierig“, erinnert sich Reimann an die Monate nach der Zusage der School of Entertainment. Der Zustand der angebotenen Objekte entsprach nicht ihren Vorstellungen: „Meine Mutter und ich sind bei den Besichtigungen rückwärts wieder raus.“ Ende August bezog die damals 21-Jährige dann ein möbliertes Ein-Zimmer-Appartement im Schanzenviertel. Bald darauf begann der Unterricht. „Der erste Tag an der Musicalschule war total aufregend“, blickt die Sausenheimerin zurück. In ihrer Klasse waren noch 13 weitere junge Frauen und ein Mann. Vor Reimann lagen „drei schöne, aber anstrengende Jahre“, in denen sie oft an ihre Grenzen gehen musste. Die Jazztanzlehrerin habe ihre Schützlinge körperlich getriezt, der Gesangslehrer habe an der Psyche gekratzt, damit die Schüler bei Lied-Interpretationen Emotionen zeigen. Dennoch: „Ich hatte nie Zweifel, mich für das Richtige entschieden zu haben“, sagt die Sausenheimerin, die im Juli 2009 zu den neun erfolgreichen Absolventinnen gehörte. Während der Ausbildung und danach nahm Reimann an zig Castings teil – jedes Mal musste sie sich auf neue Rollen vorbereiten und durch die Bundesrepublik reisen. Absagen habe sie in dem Bewusstsein verdauen können, dass sie das Beste gegeben habe und mit sich selbst zufrieden sei. Als einzige aus ihrem Jahrgang wurde Reimann für das Kreuzfahrt-Ensemble auf der AIDA-vita genommen. „Eigentlich wollte ich nie aufs Schiff – auf engstem Raum mit anderen, weit weg von daheim und den Freunden“, erklärt sie. „Im Januar und Februar haben wir die jeweils zwölf Shows in Hamburg einstudiert, die dann von März bis September jeden Abend bei der Kreuzfahrt aufgeführt wurden – im Theater und noch einmal auf dem Pooldeck“, beschreibt Reimann den Ablauf. Darunter waren „Dangerous Love“ von Michael Jackson, das Fantasy-Musical „Reise zum Mittelpunkt der Erde“ und eine spanische Show mit Shakira-Songs. Tagsüber wurde meist noch geprobt. Es ging auf Karibik-Tour, an den Amazonas, nach Madeira und Rom. „Ich habe viel gesehen“, erzählt die 32-Jährige, die oft die Möglichkeit zum Landgang hatte. Untergebracht war sie mit einer Kollegin in einer Neun-Quadratmeter-Kajüte. „Mit den Zimmergenossinnen hatte ich stets Glück“, sagt Reimann, die den Rest des Jahres bei ihren Eltern wohnte. Im Herbst 2011 beschloss sie, dem Vagabundenleben ein Ende zu setzen: „Ich wollte an ein Theater auf dem Festland.“ Wieder jagte ein Casting das nächste, engagiert wurde sie nicht. Zwölf Monate hing Reimann in der Luft, bevor sie „eine der schwersten Entscheidungen“ ihres Lebens traf. Sie kehrte wieder in den Beruf zurück, den sie auf Wunsch der Eltern nach der Mittleren Reife an der Realschule Eisenberg erlernt hatte: zunächst als Krankheitsvertretung in der Lehrfirma, dann in der Sektkellerei am Turm in Speyer und seit Dezember 2013 unbefristet bei Oerlikon. „Ich bin im Einkauf tätig. Der Job macht Spaß, und ich bereue nichts“, versichert Reimann. Die sechs Jahre in der Musicalwelt haben sie in der persönlichen Entwicklung weit gebracht, allein durch den Umgang mit ständig neuen Menschen. „Ich bin selbstbewusster geworden, habe auf vieles jetzt eine andere Sichtweise“, so Reimann, die im Sommer 2016 endgültig mit dem Tanzen aufhörte. Verschleißerscheinungen haben zwei Knieoperationen nötig gemacht. „Aber ich unterhalte noch mit meinem Gesang, 2017 allein auf vier Hochzeiten. Gern würde ich auch in einer Band singen.“