Donnersbergkreis
Gastronomie im Lockdown: Es reicht gerade so
„Na, ja, geht so“, ist die Antwort von Marina Dalic, Inhaberin des Restaurants „Zur Mälzerei“ in Kirchheimbolanden auf die Frage nach den zurückliegenden Wochen. „Wir haben mittags und abends einen Abhol- und Lieferservice, der einigermaßen läuft. An Wochenenden besser als in der Woche. Manchmal spielt auch das Wetter eine Rolle. Wenn es kalt ist und es regnet, gehen die Leute nicht aus dem Haus, um sich etwas zu besorgen.“
„Einigermaßen genervt“
So ähnlich klingt es auch in den meisten anderen angefragten Restaurants: „Goldenes Ross“ in Göllheim, „Garden“ in Winnweiler, „Orangerie“, „Café am Bahnhof“, „Da Toni“ und „Caruso“ in Kirchheimbolanden. Quasi stellvertretend kann die Bemerkung von Ruth Brüggemann-Berg vom „Landhotel Berg“ in Dannenfels stehen: „Wir kommen mehr schlecht als recht über die Runden. Es reicht gerade, um die Kosten zu decken. Übrig bleibt eigentlich nichts.“ Das ist auch der Tenor bei Kai Cheung, der das China-Restaurant „Fortune“ in Kirchheimbolanden betreibt: „Es ist kein Vergleich zum Normalbetrieb. Wir sind inzwischen einigermaßen genervt.“
Ein wenig Optimismus
Jürgen Winterer hat die Zeit genutzt, um sein Lokal „Chefche“ in Weierhof zu renovieren, und hofft natürlich, dass sich die Investitionen bald auszahlen: „Ich bin guter Dinge, nach wie vor hoch motiviert und sehr dankbar dafür, dass mich viele Stammkunden stark unterstützen.“
Recht optimistisch gestimmt ist ebenfalls Sinan Memik, der im Oktober 2020 – also mutig mitten in Corona-Zeiten – sein Bistrorant in Niederhausen an der Appel eröffnet hat: „Mit dem Liefer- und Abholservice läuft es ganz ordentlich. Ich komme über die Runden.“ In einer Gegend mit geringer gastronomischer Dichte kann sich das Lokal trotz der widrigen Umstände halten.
Kreativität ist gefragt
Corona macht erfinderisch. Das gilt in diesem Fall für Patrick Stollhof, Inhaber vom Hotel-Restaurant Bastenhaus in Dannenfels. Er hat eine Manufaktur und dazu einen Online-Shop eingerichtet, in dem man in Gläsern „frische, hausgemachte Gerichte aus regionalen und hochwertigen Produkten“ bestellen und sich schicken lassen kann.
„Wir haben alles nach dem klassischen Verfahren eingekocht“, erläutert Stollhof. „Die Speisen sind wie Konserven sehr lange haltbar und lassen sich leicht erwärmen. Das läuft recht gut – auch über einige regionale Läden.“ Aber natürlich sei all das „kein Ersatz fürs Normalgeschäft“.
Stufenplan mit Vorlaufzeit
Zu diesem möchten alle so bald wie möglich wieder zurückkehren. Alexander Wurster, Kreisvorsitzender im Deutschen Hotel- und Gaststättenverband (Dehoga) und Chef des Kirchheimbolander Parkhotels Schillerhain, sagt immerhin: „Die Überbrückungshilfe, die zumindest größtenteils schon geflossen ist, hat sich als hilfreich erwiesen.“ Bei aller Hoffnung darauf, dass die Perspektiven für ihn und seine Kollegen so schnell wie möglich wieder besser werden, erinnert er aber auch daran, dass eine Wiedereröffnung „nicht hopplahopp passieren“ könne. „Wir brauchen mit unseren Lieferanten zusammen Vorlaufzeit“, macht Wurster klar, dass auch da einiges an Arbeit auf seinen Berufsstand wartet.
Dass es an der Zeit ist für die Gastronomie, das unterstreicht Wurster: Schließlich könne es bei deutlich gesunkener Inzidenz nicht sein, dass die Menschen sich an Wochenenden auf Freizeitflächen eng beieinander tummeln, und die Bereiche, „in denen ein Zusammensein unter Hygieneregeln möglich wäre“, geschlossen bleiben. „Das RKI hat zudem deutlich darauf hingewiesen, dass Hotels am Infektionsgeschehen so gut wie gar nicht beteiligt sind“, sagt Wurster. Sein Resümee nach einem Jahr Corona und Gegenmaßnahmen: „Wir sind immer die ersten, die schließen müssen, und die letzten, die aufmachen dürfen.“