Donnersbergkreis RHEINPFALZ Plus Artikel Gastronomie im Donnersbergkreis: Enttäuscht und wütend

Auch im „Akropolis“ in Kirchheimbolanden bleiben die Tische wieder leer. Und das, obwohl hier alle Hygieneregeln genauestens bea
Auch im »Akropolis« in Kirchheimbolanden bleiben die Tische wieder leer. Und das, obwohl hier alle Hygieneregeln genauestens beachtet wurden.

Wieder bleiben die Tische unbesetzt und die Betten leer – die Pandemie trifft Gastronomen und Hoteliers zum zweiten Mal mit Wucht. Doch die vom Bund angekündigten Ausgleichszahlungen könnten für viele ein Rettungsanker werden.

„Kaum Worte“ findet Yvonne Höh vom Restaurant „Orangerie“ in Kirchheimbolanden: „Wir sind enttäuscht und auch wütend. Unsere Anstrengungen in allen Bereichen, vor allem was die Hygiene betrifft, waren in den letzten Monaten außerordentlich. Und es ging auch wieder leicht aufwärts. Und jetzt das!“

Damit meint sie die erneut angeordnete Schließung aller Gastronomiebetriebe und aller Hotels für den Monat November. „Ich sehe unsere Beteiligung am Infektionsgeschehen nicht“, sagt auch Jürgen Winterer vom „Chefche“ in Weierhof. „Wir arbeiten regelkonform und sorgen durch das Anbringen von Luftaustauschgeräten, dass die Ansteckungsgefahr deutlich reduziert wird.“ Solche Geräte gibt es inzwischen in vielen Lokalen, im „Caruso“ in Kirchheimbolanden beispielsweise. Ein Gast-Ehepaar findet das gut und wichtig: „Wir fühlen uns dadurch sicherer und können unsere Pasta entspannt genießen.“

Es wird wieder außer Haus verkauft

In den angefragten Restaurants („Goldenes Ross“ in Göllheim, das China-Restaurant „Fortune“ in Kirchheimbolanden, die italienischen Restaurants „Garden“ in Winnweiler, „Caruso“ und „Piemont“ in Kirchheimbolanden, „Chefche“ in Weierhof, „Akropolis“ und „Orangerie“ in Kirchheimbolanden, „Bistrorant“ in Niederhausen) ist ausnahmslos Enttäuschung zu spüren. Alle bieten – wie in der ersten Schließungsphase – wieder Außer-Haus-Verkauf an. Die Hotels „Bastenhaus“, „Mühle am Schlossberg“ und „Schillerhain“ bleiben geschlossen. Es lohnt sich nicht, für zwei, drei eventuell eintrudelnde Tagungsgäste die gesamte Heizungsanlage zum Laufen zu bringen“, berichtet Anja Scharff von der Mühle. „Ich habe genug im Büro zu tun und denke über ein paar neue Ideen nach. Beispielsweise, wie man unsere wunderbaren Kräuter aus dem Schlossgarten pfiffig vermarkten könnte.“

Ausgleich „akzeptabel“

Hotelbesitzer Alexander Wurster vom Schillerhain, Kreisvorsitzender der Dehoga (Deutscher Hotel- und Gaststättenverband), ist sich mit dem rheinland-pfälzischen Dehoga-Präsidenten Gereon Haumann darin einig, dass die Schließung zwar unverhältnismäßig sei, aber die angekündigte Ausgleichsregelung akzeptabel ausfalle. „Wir sind alle Schaffer und würden uns viel lieber um unsere Gäste kümmern. Aber wenn – wie angekündigt – die Abschlagszahlungen bald kommen, ist das jedenfalls besser als das, was in der ersten Schließungsphase stattfand.“

Die Presse-Information der Dehoga, die die wichtigsten Aspekte der Novemberhilfe zusammenfasst, lautet folgendermaßen: „Die Zuschüsse pro Woche der Schließung betragen 75 Prozent des durchschnittlichen wöchentlichen Umsatzes im November 2019. Für junge Unternehmen gelten die Umsätze im Oktober 2020 oder der monatliche Durchschnittsumsatz seit Gründung als Maßstab. Für Restaurants wird die Umsatzerstattung auf 75 Prozent der Umsätze im Vergleichszeitraum 2019 mit vollem Mehrwertsteuersatz begrenzt. Damit werden Außer-Haus-Verkaufsumsätze mit reduziertem Mehrwertsteuersatz herausgerechnet. Im Gegenzug werden die Einnahmen aus dem Außer-Haus-Verkauf während der Schließungen von der Umsatzanrechnung ausgenommen. Für Hotels, die weiterhin Geschäftsreisende beherbergen dürfen, gilt, dass Umsätze von weniger als 25 Prozent auf die Umsatzerstattung nicht angerechnet werden.“

Anträge auf die unterstützenden Gelder können nur über Steuerberater oder Wirtschaftsprüfer gestellt werden. „Das ist gut so“, findet Wurster. „Damit wird die Gefahr des Betrugs deutlich reduziert.“

Planungssicherheit gewünscht

Das Regelwerk beruhigt vielleicht auch Restaurantbetreiber, die vor kurzem eröffnet haben. Dazu gehört unter anderem Sinan Memik, der erst seit Mitte Oktober in seinem „Bistrorant“ in Niederhausen Gäste bewirtet. Im Ort ist man ausgesprochen glücklich darüber, dass die Gemeindegaststätte in dieser angespannten Zeit verpachtet werden konnte und wieder gastronomisches Leben einzog.

Vor der Tür steht die Advents- und Weihnachtszeit, die normalerweise allen Restaurants gute Umsätze verspricht. Dehoga-Präsident Haumann wünscht sich Planungssicherheit und von der Politik bald Äußerungen zu den Perspektiven für die kommenden Wintermonate. Und das gilt sicherlich auch für alle potenziellen Gäste.

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