Donnersbergkreis
Gasknappheit: EWR bereits in Gesprächen mit Gewerbekunden aus dem Kreis
Sollten die russischen Gaslieferungen über die Nord-Stream-1-Leitung weiterhin auf dem niedrigen Niveau verharren oder sogar dauerhaft eingestellt werden, „ist ein ausreichender Speicherstand für die Wintermonate kaum mehr ohne zusätzliche Maßnahmen leistbar“, sagt Nagel. Da helfe es auch nicht, dass die Gasspeicher zum jetzigen Zeitpunkt „besser gefüllt sind als im Vorjahr“. Der Beitrag, den jeder Einzelne leisten kann: Energie sparen. Ende Juni hatte das Bundesministerium für Wirtschaft und Klimaschutz die zweite Stufe des Notfallplans Gas ausgerufen, die sogenannte Alarmstufe. In dieser „sichern marktbasierte Maßnahmen die Versorgung, beispielsweise die Umschaltung auf alternative Energieträger oder die Einsparung von Energie“, wie Nagel erläutert.
Erst in der dritten Eskalationsstufe, der Notfallstufe, könne die Bundesnetzagentur Abschaltungen anordnen. Nagel unterstreicht allerdings, dass Haushaltskunden ebenso wie grundlegende soziale Dienste, also beispielsweise Krankenhäuser, durch gesetzliche Bestimmungen besonders geschützt sind. Im Ernstfall seien es Industrie- und Gewerbekunden, die „aktiv ihren Gasbezug reduzieren oder im schlimmsten Fall von der Versorgung getrennt werden“ müssten. Dies würde jedoch „im Zusammenspiel mit den Kunden erfolgen“, sodass es keine unerwarteten Versorgungsunterbrechungen gebe. Für das Gasverteilnetz halte EWR Notfallpläne vor und stehe im Austausch mit den vorgelagerten Netzbetreibern. EWR, mit Sitz in Worms, ist neben Pfalzgas einer der Hauptversorger für Kunden im Donnersbergkreis, vor allem im Raum Kirchheimbolanden.
Kosten für Verbraucher steigen weiter
Aktuell ist die Versorgungssicherheit mit Gas laut Bundeswirtschaftsministerium zwar kritisch, aber gewährleistet. Nagel sagt: „Die ausfallenden Mengen können zwar noch am Markt beschafft werden, allerdings zu nochmals extrem gestiegenen Bezugspreisen, wie es sie in dieser Höhe noch nicht gegeben hat.“ Je länger die Beschaffungskosten so hoch bleiben, „desto mehr werden sie sich in den Tarifen niederschlagen und diese für den Kunden deutlich verteuern“. Die Kostenentwicklung werde „in den nächsten Monaten in vollem Umfang bei den Verbraucherinnen und Verbrauchern ankommen“, prognostiziert der EWR-Sprecher für die gesamte Branche in Deutschland. Vorstandssprecher Stephan Wilhelm betont: „Die extreme Preissituation wird uns allen, vom Versorger über die Kommunen bis zum Industrie- und Endkunden, noch viel abverlangen.“
Bereits seit dem Ausbruch des Ukrainekriegs habe der Wormser Energieversorger organisatorische Vorkehrungen für den Fall eines Lieferstopps oder Liefermengenreduzierungen getroffen, schildert Nagel. Unter anderem stehe EWR schon seit mehreren Wochen mit Industrie- und Gewerbekunden im Austausch, „um für den Ernstfall schnell und zielführend Abschaltungen vornehmen zu können“.
Info
Dass die Preise für Verbraucher steigen, hatte EWR-Sprecher Dominik Nagel schon im April berichtet – da waren die Zukunftsaussichten allerdings noch längst nicht so dramatisch gewesen.