Donnersbergkreis
Gartenkolumne: Was die Blumen uns zu sagen haben
Dieser Tage dachte ich einmal mehr sehnsüchtig an die sommerliche Farbenpracht meines Gartens. Im lichtarmen Januar vermisst nicht nur das Auge schmerzlich etwas Buntes. Gleichzeitig habe ich gelesen, dass das Vergissmeinnicht zur Staude des Jahres 2025 gewählt wurde. Das hat mich direkt inspiriert, über die Namen und Bedeutungen von Pflanzen näher nachzudenken.
Schließlich bilden Eigenschaften und Symbolik, die wir Pflanzen zuschreiben, eine eigene Sprache – die sogenannte Blumensprache. Es heißt ja nicht umsonst: „Sag’s durch die Blume.“ In früheren Zeiten diente sie in der Literatur als Stilmittel, um die Vielfalt der Gefühle auszudrücken. Diese Blumensprache hat heutzutage – für meine Begriffe leider – etwa an Bedeutung verloren. Im Jahr 1819 hat die Französin Charlotte de Latour ein „ABC der Blumensprache“ veröffentlicht. Der wunderschön illustrierte Band entwickelte sich seinerzeit zum Verkaufsschlager. Tatsächlich kann man „La Langage des Fleurs“ bis heute im Antiquariat noch beziehen.
Welche Bedeutung den verschiedenen Blumen zugeschrieben wird
Beim Vergissmeinnicht springt die Bedeutung des Namens sofort ins Auge. Auch die rote Rose als Symbol für Leidenschaft und flammende Liebe ist uns in ihrer Symbolik vertraut. Gelbe Rosen „genießen“ da einen deutlich zweifelhafteren Ruf – stehen sie doch für Eifersucht und Neid. Ich finde dagegen, dass man diesen Schönheiten damit sicher Unrecht tut. Die weiße Lilie verbindet man landläufig eher mit dem Tod: Als „Trauerblume“ findet sie traditionell vielfach Verwendung als Grabschmuck. Daneben gilt die Lilie aber auch als Symbol für Unschuld und findet sich in Brautbouquets wieder.
Zu meinen persönlichen Favoritinnen zählt die schlicht wirkende Margerite. Ich darf mich glücklich schätzen: Auf meinem Grundstück wächst neben der klassischen Garten-Margerite auch die seltenere Pyrenäen-Margerite. Und wer kennt nicht das Abzähl-Orakel: „Er liebt mich, er liebt mich nicht“? Die Margerite steht für das Hinterfragen der Gefühle des Anderen. Der majestätischen Schwertlilie wiederum wird die Kreativität zugeordnet. Beim Blick auf das berühmte „Stillleben mit Schwertlilien“ von Vincent van Gogh kann man dieser Symbolik wohl nur zustimmen. Mich begeistern und inspirieren meine Lilien jedes Jahr aufs Neue. In ihren unterschiedlichen lilafarbenen Schattierungen sind sie einfach ein unwiderstehliches Foto-Objekt. Gerberas sucht man dagegen in Bullerbü vergeblich. Schade, stehen diese doch für eine besonders positive Eigenschaft: die Lebensfreude. „Durch dich wird alles schöner“, wollen sie uns sagen. Wenn das mal keine freudige Botschaft ist! Und vielleicht die Aufforderung, mal welche anzupflanzen?
Die Sprache des Gartens ist eine besonders schöne
Die Liste ließe sich beliebig fortführen – Narzissen, Sonnenblumen, Flieder, Tulpen, und, und, und. Jede Pflanze erfreut uns nicht nur mit ihrer individuellen Blütenpracht. Sie hat auch eine Botschaft und will uns sagen, was wir Hobbygärtner eigentlich schon lange wissen und verstehen: dass die Sprache des Gartens eben eine besonders schöne ist. Das hat sich glücklicherweise in den 200 Jahren seit Erscheinen von Charlotte de Latours Blumen-Bändchen nicht geändert.
Die Serie
Unsere Hobbygärtnerin Jeannette Anthes gibt alle 14 Tage in der Donnersberger Lokalausgabe der RHEINPFALZ Tipps rund ums Gärtnern. Sie lebt in Kirchheimbolanden und hat selbst einen traumhaft schönen Garten – eben wie in Bullerbü. Hier geht es zur vorherigen Folge der Serie „Tipps aus Bullerbü“: Selbst im Winter zeigt so manche Pflanze Blütenpracht