Donnersbergkreis
Göllheim: Tourismusförderung ganz oben für VG-Chef Steffen Antweiler
Herr Antweiler, was bleibt von 2019 im Gedächtnis haften?
Besonders prägend für die Verbandsgemeinde war natürlich die Kommunalwahl im Mai: In sechs von 13 Ortsgemeinden bekamen wir neue Bürgermeister und Bürgermeisterinnen, und im Zuge dieser Wahlen auch in den Räten einen Generationswechsel. Das alles ist ein schönes Zeichen dafür, dass sich die Menschen in der VG weiterhin engagieren. Betonen möchte ich, dass kein Ortschef abgewählt wurde, die Amtsinhaber traten alle nicht mehr an. Davon abgesehen haben wir 2019 viel auf den Weg gebracht, deshalb stehen wir jetzt auch gut da. Unsere Einrichtungen, vor allem die Schulen, sind gut ausgestattet. Besonders geprägt war das vergangene Jahr VG-weit vom Konzept Hochwasservorsorge. Wir hatten Bürgerbefragungen und Ortsbegehungen. Kürzlich haben wir die Ergebnisse auf einer ersten Bürgerversammlung präsentiert. Wer sich jetzt fragt, wo sich in der VG Göllheim die hochwassergefährdeten Gewässer befinden, der denkt allerdings zu kurz: Es geht nicht um Hochwasser aus Bächen, sondern um die Wassermassen aufgrund der Topographie. Und da haben wir schon einige neuralgische Stellen.
Zum Beispiel?
In Biedesheim musste beispielsweise ein vorgesehenes Baugebiet umgeplant werden. Es muss komplett an einer anderen Stelle entwickelt werden. Und auch Ottersheim und Einselthum mussten Planungsänderungen durchführen. Ein weiteres Thema war und ist die Tourismusentwicklung.
Wo stehen Sie da im Augenblick?
Touristischer Höhepunkt war die Vorstellung des neuen Reiseführers durch die VG, „44 Orte, die man gesehen haben muss“, zum Wanderauftakt am 1. April. Der Unterschied zu dem streng kulturhistorisch gehaltenen Vorgänger ist die Einbeziehung von Bürgern aus der VG. Ich finde, wir haben da gemeinsam mit der Autorin Britta Lehna ein geniales Konzept umgesetzt.
Worin bestand die Genialität?
Wir haben die Erkenntnisse aus dem kulturhistorischen Reiseführer kombiniert mit dem Projekt „Lieblingsorte“, bei dem bekannte Bürger der VG besondere Punkte empfohlen haben. Um den Tourismus in der VG noch besser voranzutreiben, würden wir gerne eine Vollzeitstelle in einem eigens dafür gedachten Gebäude schaffen. In diesem Gebäude könnte man außerdem auch noch einen Coworking-Space ansiedeln und Kursräume einrichten. Im Zusammenhang mit dem Tourismus muss ich übrigens auch die Radwegeplanung erwähnen, die muss jetzt unbedingt vorangetrieben werden. Dafür soll auch unser gutes Wirtschaftswegenetz dienen. Allerdings sind einige Verbindungen zwischen den Gemeinden in Teilabschnitten nur als Graswege vorhanden. Deswegen muss hier ein Ausbaukonzept her. In Zusammenarbeit mit dem Landesbetrieb Mobilität lassen wir derzeit eine Netzplanung erstellen.
Was haben Sie 2019 noch vorangebracht?
Vorangebracht haben wir 2019 auch die Pläne für die Ertüchtigung des Schul- und Vereinssportgeländes an der Zellertalschule in Harxheim. Übrigens haben wir auch einen Beitrag zur E-Mobilität geleistet und die Ladesäule am Parkplatz der VG-Verwaltung in Betrieb genommen.
Über die Ausbaupläne für das Sportgelände an der Zellertalschule haben wir ja bereits mehrfach in der RHEINPFALZ berichtet. Können Sie für unsere Leser noch einmal kurz zusammenfassen, was dort gemacht werden soll?
Die Leichtathletikanlage, an der seit 50 Jahren nichts mehr erneuert wurde, wird für 230.000 Euro saniert. Außerdem soll der Hartplatz des Kleinspielfeldes in einen Kunstrasenplatz verwandelt werden. Das wird rund 300.000 Euro kosten. Allerdings fehlt uns hierzu noch die Förderzusage des Landes.
Dann war da noch ein Verbindungsgang zwischen zwei Gebäudeteilen. Wie weit ist der?
Die Ausschreibung läuft noch. Ich gehe davon aus, dass wir in diesem Jahr bauen.
Sie hatten bereits im vergangenen Jahr die Zusammenlegung der Göllheimer Werke mit denen der VG Eisenberg eingeleitet.
Ja, das war das Ergebnis aus einer Machbarkeitsstudie, die wir vorher in Auftrag gegeben hatten. Es geht hier um interkommunale Zusammenarbeit. Es geht weniger um Kosteneinsparung als viel mehr um Effizienz und Versorgungssicherheit. Die beiden Verbandsgemeinden sind fast spiegelbildlich identisch: Gleiche Wasserfördermenge, rund 600.000 Kubikmeter Wasser pro Werk und Jahr, gleiche Anzahl von Wasseruhren, ähnliche Einwohnerzahl.
Wie wird das konkret umgesetzt?
Es wird eine AöR, also eine Anstalt des öffentlichen Rechts, für den technischen Betrieb gegründet. Die wird zum 1. Januar 2021 als Dienstleister für die beiden Verbandsgemeindewerke in Betrieb gehen und ihren Sitz in Göllheim haben, und zwar im bereits bestehenden Gebäude der VG-Werke. Wir nehmen diese betriebliche Neuorganisation auch zum Anlass, unser Werksgebäude, das aus den 1980er Jahren stammt, zu sanieren. Neben einer energetischen Sanierung wollen wir auch ein neues Raumkonzept umsetzen.
Wie sieht da der Zeitrahmen aus?
Der erste Bauabschnitt kann noch dieses Jahr erfolgen. Dem Umzug der Eisenberger Mitarbeiter sollte dann zum 1. Januar 2021 nichts im Wege stehen. Eine weitere Baustelle haben wir im Feuerwehrhaus Zellertal. Das muss unbedingt renoviert werden: Boden, Wände, Decke, außerdem wird dort dringend ein Umkleideraum gebraucht – bisher mussten sich die Wehrleute in der Halle direkt neben den Fahrzeugen umziehen. Den Förderantrag haben wir bereits gestellt, und der Maßnahmenbeginn ist schon bewilligt. Die Kostenschätzung liegt bei knapp unter 100.000 Euro.
Wie geht es jetzt weiter?
Der Architekt bringt jetzt die Ausschreibung auf den Weg, dann wird das noch in diesem Jahr umgesetzt. Darüber hinaus muss uns die Feuerwehr aber auch weiterhin beschäftigen. Denn obwohl wir selbst noch keine echten Nachwuchssorgen haben, müssen wir trotzdem in die Zukunft denken und Imagewerbung machen. In dieser Sache hatten wir im September einen Runden Tisch und eine Arbeitsgruppe gegründet. Die hat den Auftrag, sich Gedanken über eine verbesserte Selbstdarstellung zu machen, unter anderem auch über verbesserte Öffentlichkeitsarbeit.
Was läuft denn im Moment so in den „Digitalen Dörfern“?
Da läuft vor allem das Projekt „Dorffunk“ sehr gut. Auf dieser Plattform findet inzwischen ein lebhafter Austausch statt. Außerdem haben wir einen Förderbescheid bekommen über die Personalkosten für jeweils eine halbe Stelle in den beiden Verbandsgemeinden Göllheim und Eisenberg für weitere zwei Jahre.
Wie bewerten Sie die finanzielle Situation in der VG Göllheim?
Der 2018er Abschluss weist einen Überschuss in Höhe von 790.000 Euro aus. Deswegen konnten wir rückwirkend die Umlage für 2019 um zwei Punkte senken, sie liegt aktuell bei 42 Punkten. Das bedeutet insgesamt rund 200.000 Euro mehr in den Kassen der Ortsgemeinden. Trotzdem ist deren finanzielle Situation nach wie vor prekär. Nur eine von 13 Gemeinden, und ausgerechnet die kleinste, nämlich Immesheim, hat den Haushaltsausgleich geschafft. Insgesamt fehlen in allen Gemeinden zusammen 1,5 Millionen Euro, um die laufenden Ausgaben zu decken. Auch unsere Dörfer können also in das Klagelied der fehlenden Finanzausstattung einstimmen.
Wie sieht es mit der Bevölkerungsentwicklung aus – haben Sie noch Raum für Zuzug?
Wir gehören zur prosperierenden Region vor den Toren der Ballungszentren Mainz-Frankfurt, Frankenthal-Ludwigshafen-Mannheim. Der Zuzug ist groß. Wir haben keinen einzigen freien Bauplatz mehr in der VG. Sogar im Baugebiet Süd X in Göllheim, wo die Erschließung noch nicht einmal begonnen hat, liegen schon Reservierungen für alle Plätze vor. Bereits vor einem Jahr wurde der letzte Bauplatz in Albisheim verkauft.
Was glauben Sie, woran das liegt? Vor ein paar Jahren haben Bürgermeister in einigen Gemeinden der VG, ich denke zum Beispiel an Ottersheim, noch geklagt, dass sie ihre Bauplätze nicht loswerden.
Ich denke, es kommen einige Faktoren zusammen: Negativzinsen, infrastrukturell günstige Lage mit den drei Autobahnen A63, A61 und A6 in der Nähe... Wir reagieren jedenfalls seitens der VG auf die Lage und sind dabei, den Flächennutzungsplan fortzuschreiben, um die Baulandentwicklung forcieren zu können. Außerdem wollen wir in einer interkommunalen Kooperation mit der Verbandsgemeinde Otterberg-Otterbach eine Studie gegen das Aussterben der Ortskerne auf den Weg bringen. Eine entsprechende LEADER-Förderung ist bereits in Aussicht gestellt. Im Moment gibt es zwar keine akuten Leerstände, aber die Gemeinden wollen auch künftig Leute mit Potenzial in den Ortskernen behalten und gewinnen. Gerade dem Boom des Bauens auf der grünen Wiese muss ein attraktives Angebot für die Nutzung und Sanierung der alten Bausubstanz in den Ortskernen entgegenstehen. Schließlich geben die Ortskerne unseren Dörfern ihr reizvolles Gesicht.
Zum Schluss ein kleines Gedankenexperiment: Wo sehen Sie die VG in fünf Jahren?
Frei nach dem Motto in unserem Logo „Leben zwischen Wald und Reben“: In einer im Donnersbergkreis touristisch markanten Region mit hohem Wohnwert. Bei uns lässt es sich gut leben!