Eisenberg RHEINPFALZ Plus Artikel Freiwillige Erntehelfer helfen, dem Erdbeerland die Ernte zu retten

Die 19-Jährge Eva Gollnau aus Enkenbach-Alsenborn wollte nach dem Abi eigentlich nach Sardinien reisen. Jetzt packt sie im Erdbe
Die 19-Jährge Eva Gollnau aus Enkenbach-Alsenborn wollte nach dem Abi eigentlich nach Sardinien reisen. Jetzt packt sie im Erdbeerland in Eisenberg bei der Ernte mit an.

So war das nicht geplant: Eigentlich wollte Eva Gollnau aus Enkenbach-Alsenborn nach dem Abi jetzt in Sardinien sein. Wegen Corona wird das nix. Deshalb hat sie sich als Erntehelferin im Erdbeerland Funck in Eisenberg gemeldet. Dort packt sie mit an, was letztlich auch zu einer Entschärfung der Lage für den Betrieb führt, der derzeit mitten in seiner Haupterntezeit steckt.

Für die 19-Jährige ist es der erste Einsatz als Erntehelferin, sie hat auf den Aufruf reagiert und sich gemeldet, um bei der Ernte mit anzupacken. „Die ersten drei Tage waren anstrengend, aber dann wurde es besser“, berichtet Gollnau, die von einer Freundin auf das Hilfegesuch des Erdbeerlands aufmerksam gemacht wurde. „Ich habe eine Beschäftigung gesucht, zu Hause fällt einem ja die Decke auf den Kopf“, sagt sie. Mit dabei ist in Eisenberg auch die 27-jährige Leonie Henkel, die sonst eigentlich als Flugbegleiterin unterwegs ist, derzeit aber nur einmal im Monat einen Flug machen kann und in Kurzarbeit ist. „Bis 450 Euro kann ich hier dazuverdienen, das ist zumindest ein Ausgleich“, sagt sie. Maren Ebel ist aus Kerzenheim und hat sich zusammen mit Freundin Anna Risser als Erntehelferin gemeldet. „Sie hat die Information im Internet gefunden, dann haben wir uns gemeinsam hier gemeldet“, berichtet die 19-Jährige.

150 Osteuropäer sind gekommen

Die drei jungen Frauen sind wie etwa 40 andere Helfer nach dem Aufruf zum Erdbeerland gekommen, hatten vorher keine Ahnung, was auf sie zukommen würde und packen jetzt mit an. „Die ersten Helfer kamen nach Ostern zu uns, eine weitere Gruppe ist seit dieser Woche im Einsatz“, sagt Peter Funck, der sich aus der Geschäftsführung im Erdbeerland eigentlich schon zurückgezogen hat. „Meine Tochter Rebecca und Alexander Seiler leiten die Geschäfte, aber ohne Familie geht in diesen Zeiten gar nicht, wir müssen zusammenhalten, um den Betrieb am Laufen zu halten und über die Runden zu bringen“, betont Funck, der auch Eisenberger Stadtbürgermeister (FWG) ist.

Auf den Aufruf im Internet hätten sich über 300 Leute meldet, teilweise sogar aus weit entfernten Städten. „Ich weiß von einem aus Hamburg und jemand aus Idar-Oberstein, aber das macht ja keinen Sinn, die Leute aus solchen Entfernungen anreisen zulassen“, sagt Funck. Dass die Arbeit anstrengend ist, haben manche der Helfer sehr schnell bemerkt. „Das ist kein Zuckerschlecken, einer der Helfer hat schon nach einer halben Stunde das Handtuch geworfen“, berichtet Funck, der allerdings sehr froh ist, dass so viele Leute mit anpacken.

Nicht jeder geeignet für den Job

„Wir haben jedem gezeigt, wie die Erdbeeren gepflückt werden müssen, denn sie einfach abzureißen, bringt uns auch nichts. Die meisten Helfer hätten das schnell gelernt, eine geringe Zahl von Leuten habe man aber wegschicken müssen, da sie die Anweisungen nicht umgesetzt haben“, so Funck.

Entlohnt werden die Freiwilligen genau wie die professionellen Erntehelfer, die jedes Jahr überwiegend aus Rumänien zum Erdbeerland nach Eisenberg anreisen. Das heißt: Mindestlohn wird gezahlt, dazu gibt es je nach Leistung einen Bonus. „Wir können die neuen Leute derzeit nur in der Erdbeerernte beschäftigen, beim Spargel brauchen wir unsere erfahrenen Erntehelfer“, macht Funck außerdem deutlich. Deshalb ist er froh, dass von den sonst 250 Erntehelfern aus Osteuropa mittlerweile 150 dem Erdbeerland zur Verfügung stehen.

„Es sind einige Mütter, die sonst zu uns kommen, aber in diesem Jahr ihre Kinder nicht alleine lassen wollten, nicht angereist, dafür haben wir andere Mitstreiter gewinnen können.“ Als Beispiel nennt er eine Gruppe von Leuten, die sonst in der Gastronomie tätig sind, derzeit aber ihre Jobs dort verloren haben und deshalb froh sind, wenn sie bei der Ernte mit anpacken dürfen.

Der Spargel ist die große Herausforderung

Im Erdbeerland geht es derzeit aber nicht nur um die Frucht, die als Namensgeber dient, sondern vor allem um das sogenannte „Weiße Gold“. Aber das Spargelstechen ist Erfahrungssache. „Die Helfer stechen ja ins Erdreich, sie müssen genau wissen, wie sie ansetzen müssen, das lernt man nicht in einem Tag“, sagt Funck. Gerade in diesem Bereich sei er besonders froh, dass erfahrene Leute der Einladung des Erdbeerlands gefolgt sind. Nach Eisenberg gekommen sind auch 14 Leute, die sonst immer in einem Spargelbetrieb an der Mosel mit anpacken. „Wir haben erfahren, dass der Inhaber dort bedauerlicherweise verstorben ist, die Nachfahren die Landwirtschaft nicht weiterführen. Klar, waren wir froh, das Personal bekommen zu können“, sagt Funck.

Die 150 osteuropäischen Helfer setzen sich zu 50 Prozent aus Stammpersonal und 50 Prozent aus neuen Leuten, die zum ersten Mal in Eisenberg mitarbeiten, ergänzt Alexander Seiler die Ausführungen des Seniorchefs.

Zwei Wochen Quarantäne

Und wer in Eisenberg ankommt, der für den gilt erst einmal zwei Wochen Quarantäne einzuhalten. Das heißt nicht, dass die Leute nicht arbeiten dürfen. Aber die ersten beiden Wochen werden sie in festen Gruppen eingeteilt, sind immer mit den gleichen Helfern unterwegs, verlassen auch am Abend das Erdbeerland nicht, sind gemeinsam untergebracht. Für die Gruppen gibt es jeweils getrennte Sanitärräume, um sicher zu stellen, dass zu jeder Zeit reagiert werden könnte, falls das Virus bei einem der Mitarbeiter festgestellt würde. Die einzelnen Gruppen bekommen Frühstück, und die Mahlzeiten zum Feld geliefert, sind bei Einkäufen darauf angewiesen, dass sie vorbestellte Dinge in ihr Wohnquartier gebracht bekommen.

Seniorchef übernimmt Anlernen

Zum einem bringe das Sicherheit für die Erntehelfer selbst, aber auch für den Betrieb. Wenn eine Gruppe ausfallen würde, könnten wenigsten alle anderen weiterarbeiten. Für das Erdbeerland und dessen Verwaltung bringe das alles einen riesigen Mehraufwand mit sich, sagt Funck. „Das alles zu organisieren, das kostet eine enorme Kraft. Wir schaffen das nur, weil die Familie und das Team zusammenhalten.“

Die wirtschaftlichen Auswirkungen sind derweil noch überhaupt nicht zu überblicken. „Die Corona-Krise hat uns mitten in der Übergabephase erwischt. Meine Tochter und Alexander Seiler führen ja mittlerweile den Betrieb, aber in solchen Zeiten wurden meine Frau und ich natürlich reaktiviert“, sagt Funck, der davon ausgeht, dass das Erdbeerland mit der jetzt gewonnen Zahl von Mitarbeitern dieses schwierige Jahr überbrücken kann. „Es ist ja so, dass Kredite Betrieben wie dem unseren nicht helfen. Das wäre eine Belastung, die über viele Jahre nicht abzutragen wäre.“ Gerade in der Erntezeit stecke das meiste Kapital eines landwirtschaftlichen Betriebes in den Feldern, in der bevorstehenden Ernte, wenn diese dann nicht eingebracht werden können, wirke sich das fatal auf den Betrieb, dem so etwas passiert, erläuter Funck.

Wie hoch der Schaden sein wird, der jetzt dem Erdbeerland entsteht, sei noch völlig unklar. Sicher ist schon, dass ein Teil der Flächen beim Spargel nicht geerntet werden kann. Das hatte Funck schon zum Beginn der Spargelernte gegenüber der RHEINPFALZ gesagt. Bei den Erdbeeren hingegen lasse sich immer noch einiges auffangen. „Die Saison geht noch mindestens zwei Monate und wir werden so lange ernten, wie uns Mitarbeiter zur Verfügung stehen, um Verluste zu minimieren“, sagt Funck. Eines sei aber auch klar: Über den Verkaufspreis der Erdbeeren und auch des Spargels lassen sich eventuelle Verluste keinesfalls ausgleichen. „Der Handel gibt uns Landwirten keinen Cent mehr, wenn wir vor solchen Problemen stehen.“ Jetzt laufe, wenn auch mit Anstrengung, mal alles in geregelten Bahnen und er hoffe, dass dies bis zum Ende der Erntezeit so bleiben wird, sagt Funck.

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