Winnweiler
Foto-Ausstellung von Christian Bolzer zur Corona-Pandemie
Im „normalen“ Leben ist er Marktmeister der Verbandsgemeinde Winnweiler und hat als selbstständig-kreativer Kopf harte Monate hinter sich. „Von jetzt auf gleich stand das Telefon still und die Leute waren in Schockstarre“, berichtet Christian Bolzer, „plötzlich hatte ich nichts mehr zu tun.“ Doch zurücklehnen und abwarten war und ist nicht seine Sache. So kam ihm die Ausschreibung eines Stipendiums des Landes Rheinland-Pfalz unter dem Titel „Im Focus. Sechs Punkte für die Kultur“ gerade recht. „Ich habe mich mit meiner Idee beworben, Corona und die Auswirkungen in meiner Heimatgemeinde im Bild festzuhalten, und wurde angenommen.“
Erschreckend, wie normal und alltäglich die Bilder für den oberflächlichen Betrachter geworden sind, die der Fotograf auf Spurensuche mit seiner Kamera entdeckt hat. Ob er die parat stehenden Helfer an der Teststation oder die kontaktlose Ausgabe der Müllbeutel an der Gemeindeverwaltung dokumentiert, zunächst einmal vermitteln die Bilder nichts Außergewöhnliches. Erst in der Zusammenstellung und auch in Verbindung mit den knapp gehaltenen Untertiteln beziehungsweise Beschreibungen der Aufnahmen, wird dem Betrachter bewusst, dass diese Bilder eben nicht die Normalität, sondern die Ausnahmesituation zeigen, in der alle aktuell und während der vergangenen Monate leb(t)en.
Szene schärfen
„Eigentlich handelt es sich fast um so etwas wie Kriegsberichterstattung“, spitzt es Bolzer zu. „Mir ging es darum, ein geschichtliches Ereignis, historisches Geschehen mit meinen Mitteln festzuhalten.“ Teilweise kühl, objektiv, dokumentarisch wirken die Fotos, teilweise auch metaphorisch, wenn dunkle Wolken über der Brauerei Bischoff dräuen und man sich an den eingebrochenen Umsatz und die Vernichtungsaktion vieler Hektoliter Bier erinnert. Die Spuren der Pandemie in Form von Absperrband und Warnschild, die beim Blick auf die Igelborner Hütte oder das Klettergerüst auf dem Winnweilerer Spielplatz die Idylle stören, reißen den Betrachter aus der scheinbaren Alltäglichkeit der Szenerie heraus.
„Mir ging es darum, die Bildsprache digital zu unterstützen und die Aussage der Szene zu schärfen“, erläutert der Künstler, wie einzelne Bildelemente nachträglich ihren Weg in die Fotografien gefunden haben. „Letztlich habe ich hier das gemacht, was Fotografen früherer Jahrzehnte in der Dunkelkammer getan haben, wenn sie das Bildergebnis gezielt durch Entwicklungszeiten, Einsatz von Fremdlicht oder Ähnlichem beeinflusst haben.“
Wer keine Gelegenheit hat, die Ausstellung vor Ort zu besuchen, kann sich die Aufnahmen im diesjährigen Donnersberger Jahrbuch ansehen.