Donnersbergkreis Flammkuchenwurst und viele Rezepte

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Kirchheimbolanden. Es war eine Reise in die Welt der Gewürzherstellung – es war aber auch ein wunderbarer Einblick in ein Familienunternehmen, das beweist, dass Tradition und kreative Ideen keinesfalls im Gegensatz zueinander stehen müssen. 30 RHEINPFALZ-Leser haben am Dienstagnachmittag eine interessante Führung durch das Unternehmen KKS in Kirchheimbolanden erhalten – inklusive eines kulinarischen Abschlusses.

Ob er es wieder machen würde? Wolfgang Sauer muss nicht lange überlegen. „Ich habe diesen Schritt nie bereut!“ Die Rede ist vom Einstieg in die Karl Konrad GmbH & Co.KG in Kirchheimbolanden – kurz KKS. 1952 hatte Karl Konrad das Unternehmen in Kirchheimbolanden gegründet. Nach dessen Tod übernahm sein Sohn Karl Dieter Konrad 1971 die Geschäftsführung. Im Jahr 2000 hatte sich dieser zur Ruhe gesetzt. Und dessen Tochter Bettina Konrad-Sauer und deren Mann Wolfgang Sauer hatten das operative Geschäft übernommen. „Eigentlich bin ich Chemiker, war bis dato 23 Jahre lang bei der BASF“, erzählt Wolfgang Sauer. Mit 50 Jahren das Unternehmen damals zu verlassen – kein einfacher Weg. „Ich finde es aber schade, wenn Familienfirmen, die eine gesunde Basis haben, aufgeben. Diese Firmen werden meist an größere Firmen verkauft. Dann wäre die Produktion in Kirchheimbolanden wohl eingestellt worden und KKS gäbe es nicht mehr.“ Als Wolfgang Sauer das erzählt, erhält er von den aufmerksam zuhörenden RHEINPFALZ-Lesern zustimmendes Kopfnicken. Hätten Bettina Konrad-Sauer und Wolfgang Sauer den Betrieb nicht übernommen, vermutlich wäre dann auch nicht deren Tochter Katharina bei KKS eingestiegen. Worüber der Vater äußerst erfreut ist – das wird an diesem Nachmittag immer wieder deutlich. Deren kreative Ideen ergänzen sich wunderbar zu den vielen traditionellen Dingen im Unternehmen. Da sind zum Beispiel „Karl Konrad’s Kindeskinder“ – eine Gewürzmischungs-Linie direkt für Endkunden. „Opa Karl spielt da mit rein“, erzählt Katharina Sauer mit einem Lächeln von der neuen Idee. In 37 Supermärkten der Region sind diese mittlerweile erhältlich. „Wir wollen den Vertrieb noch ausweiten“, kündigt die Junior-Chefin an. 30 Mitarbeiter sind bei KKS beschäftigt – 15 davon in der Produktion, wie Wolfgang Sauer berichtet. Da sind wir auch schon beim Klassischen. Etwa die Maschinen. Viele haben schon einige Jahre auf dem Buckel. „Es muss nicht alles computergesteuert sein. So ist es auch einfacher, diese zu reparieren“, so der Geschäftsführer. Wobei die Teilnehmer der Tour zunächst einmal keine Maschinen, sondern ganz viele Fässer sehen – gefüllt mit Produkten wie gemahlenem Majoran, Ingwer oder süßem Paprika. Dort, im Gewürzlager, arbeitet ein Mitarbeiter gerade eine Rezeptur ab, wiegt, mischt. „Es ist eine Stelle, an der nichts falsch gemacht werden darf“, sagt Wolfgang Sauer. Und Monika Dörr, die Leiterin der Qualitätssicherung, berichtet, dass es bei KKS ein „relativ kleines Gewürzlager“ gibt. Der Grund: „Wir bekommen alle 14 Tage eine neue Lieferung, weil wir möglichst frische Gewürze verarbeiten wollen.“ Bei KKS werden zwar Gewürzmischungen hergestellt, aber nicht nur. Zum Programm von KKS gehören auch Wirkstoffpräparate und Würzungen für die Herstellung von Fleisch-, Schinken- oder Wurstwaren. Wichtig ist es dem Geschäftsführer, zusammen mit dem Kunden auch speziell abgestimmte Produkte zu entwickeln. Wie Katharina Sauer erzählt, gibt es in einigen Edeka-Märkten beispielsweise eine spezielle Flammkuchenwurst. „Dass bei uns auch ein kleiner Betrieb eine eigene Gewürzmischung bekommt, unterscheidet uns von großen Betrieben“, erläutert Monika Dörr. Das heißt aber auch, dass es in dem Unternehmen ziemlich viele Rezepte gibt: Zwischen 800 und 900 sind es, wie die Leiterin der Qualitätssicherung verrät. Kunden hat die Karl Konrad GmbH & Co.KG nicht nur in Deutschland. 50:50 beträgt laut Sauer das Verhältnis von Deutschland- und Exportgeschäft. Hauptexportland sei Frankreich. „Die Franzosen essen gerne und haben einen guten Geschmack – und sie sind sehr experimentierfreudig“, sagt der Geschäftsführer. Ein großes Thema im Unternehmen ist die Lebensmittelsicherheit. Zum zehnten Mal hat KKS bereits den Qualitäts- und Sicherheitsstandard IFS Food (International Featured Standards Food) erhalten. Unter anderem sehen die Teilnehmer der Tour auch, wie Produkte automatisch in Beutel gefüllt und diese dann verschweißt werden. Zu sehen und zu riechen gibt es ohnehin einiges – stets liebevoll von Monika Dörr und dem Produktionsleiter Luis Herrerias erläutert. Und zum Abschluss gibt es auch noch einiges zu probieren. Katharina Sauer und ihr Bruder Maxi haben nicht nur Brote mit verschiedenen Gewürzen vorbereitet, sondern auch noch Currywurst. Ein wahrhaft schmackhafter Abschluss eines höchst interessanten Nachmittages in der Welt der Gewürzherstellung. Auf den setzt Wolfgang Sauer sogar noch einen drauf: Jeder Teilnehmer bekommt eine besondere Gewürzdose geschenkt, auf der einige Sehenswürdigkeiten von Kirchheimbolanden zu sehen sind. Exemplare mit Seltenheitswert. Der Geschäftsführer hatte zudem kurzfristig aufgrund der großen Nachfrage die Teilnehmerzahl von 25 auf 30 erhöht – und erhält dafür zum Abschluss großen Applaus. Der gilt aber auch dem ganzen Team.

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