Rockenhausen RHEINPFALZ Plus Artikel Firma Adient will Corona-Schnelltests einführen

Auch wenn sie kein zu 100 Prozent zuverlässiges Ergebnis liefern: die Firma Adient will für das Werk in Rockenhausen als zusätzl
Auch wenn sie kein zu 100 Prozent zuverlässiges Ergebnis liefern: die Firma Adient will für das Werk in Rockenhausen als zusätzliche Sicherheit Corona-Schnelltests einführen. Dafür braucht es aber medizinisches Personal.

Die Stellung des Nordpfälzer Werkes innerhalb des Adient-Konzerns ist eine besondere. Kein Wunder, dass die Corona-Schutzmaßnahmen hier noch strenger sind als in vielen anderen Firmen. Wer das Gelände betreten will, muss deshalb Abstriche in Kauf nehmen – wohl bald in doppeltem Sinn.

Natürlich seien beim Autozulieferer schon in der ersten Phase der Pandemie die Hygieneregeln „stringent gehandhabt worden“, betont Werkleiter Guido Herkenrath im Gespräch mit der RHEINPFALZ. Seit gut einem Jahr führt er in Nachfolge des langjährigen Leiters Martin Queck das Rockenhausener Werk. Der 48-Jährige räumt ein, „dass es zu Beginn trotz der vielen Informationen ein wenig gedauert hat, bis man die Gefahr der Pandemie in ihrem ganzen Ausmaß erkannt hat. Heute haben wir ein anderes Verständnis und Wissen über das Virus, da geht es uns nicht anders wie den meisten Menschen“.

Relativ schnell sei dann aber im Frühjahr ein ausgeklügeltes Konzept für den Gebäude-Komplex im Gewerbegebiet Kreuzwiese entwickelt worden, berichtet Herkenrath. „Möglichst viele Mitarbeiter sind ins Homeoffice gewechselt, Risikopatienten sind teilweise zu 100 Prozent in Kurzarbeit gegangen.“ Diese hatte der Sitzhersteller im März angemeldet, Ende Oktober ist sie – vorerst jedenfalls – ausgelaufen.

Bislang nur ein Corona-Fall

Fieber-Screening beim Betreten des Werkgeländes, Tragen von Schutzmasken überall in der Produktion, auch beim Sitzen am Arbeitsplatz und trotz aller Unannehmlichkeiten etwa bei der Tätigkeit an den extrem warmen Härteöfen – mit vielen einzelnen Schritten sei es gelungen, dass es bei Adient in Rockenhausen zwar immer mal wieder Quarantäne-Fälle, aber bis dato nur einen positiv auf das Coronavirus getesteten Mitarbeiter gegeben hat. „Toi, toi, toi“, sagt Herkenrath, ergänzt aber: „Da ist natürlich auch ein wenig Glück dabei, so ehrlich muss man sein.“

Um den Faktor Glück bei der Eindämmung der längst wieder Fahrt aufgenommenen Ausbreitung von Covid-19 zu minimieren, hat man in Sachen Schutzmaßnahmen jetzt nochmal eine Schippe draufgelegt. Mit gutem Grund: Innerhalb des Konzerns ist Rockenhausen europaweit das einzige Werk, das den in Fachkreisen schon legendär zu nennenden Sitzlehneneinsteller Taumel herstellt. Der standardisierte Recliner, der in alle gängigen Fahrzeugtypen passt, ist das Prunkstück der früheren Firma Keiper und der hauptsächliche Grund, weshalb sich der US-Riese Johnson Controls – Mutter der späteren Ausgliederung Adient – vor zehn Jahren den Autozulieferer geangelt hat. „Wenn wir hier Engpässe haben, dann kann sich das in ganz Europa auswirken“, sagt Herkenrath.

Dies hat etwa zur Folge, dass Fremdfirmen derzeit nur sehr eingeschränkt Zugang zum Betriebsgelände haben – und wenn, müssen die Gäste FFP2-Masken tragen. Ferner gelten für die Kantine strenge Hygienevorschriften. Und nicht zuletzt „sind wir gerade dabei, Corona-Schnelltests bei uns einzuführen“, so der Werkleiter. Bereits nach 15 bis 30 Minuten liegt ein Ergebnis vor. Man sei sich bewusst, dass dieses „nicht zu 100 Prozent zuverlässig ist. Aber es bietet uns eine zusätzliche Sicherheit, je nachdem, wo ein Externer herkommt“.

Herkenrath hofft, dass die Tests schon in spätestens zwei Wochen zur Verfügung stehen. Dies sei keine Geldfrage („Dem Unternehmen ist natürlich viel daran gelegen, dass nichts passiert“), auch das Besorgen mit Unterstützung der Rockenhausener Schloßapotheke sei unproblematisch. Die benötigten separaten Räume stünden in der gegenüber des Werks gelegenen und von Adient angemieteten früheren Halle der nach Sembach umgezogenen Firma Rema zur Verfügung. Der Knackpunkt sei vielmehr ein anderer: „Der Abstrich selbst muss durch medizinisches Personal erfolgen. Wir müssen also jemanden finden, der für diese Aufgabe in einem täglichen Zeitrahmen zur Verfügung steht – entweder über einen Dienstleister oder indem wir selbst jemanden einstellen.“ An der Lösung dieser Frage arbeite man mit Hochdruck.

Persönlicher Kontakt fehlt

Die Corona-Einschränkungen kommen Herkenrath auch in einer weiteren Hinsicht ungelegen: Bei seinem Dienstantritt vor gut einem Jahr habe er im Werk eine „doch noch relativ hierarchisch geprägte Kultur“ vorgefunden, was für ein früheres Familienunternehmen durchaus typisch sei. Gerade mit Blick auf den derzeit laufenden Abbau von rund 270 der zuvor 1200 Stellen („Dass dies zu 100 Prozent sozialverträglich und ohne Streiks gelungen ist, sagt viel über das gute Miteinander hier“) habe er von Anfang an mit offenen Karten gespielt. „Ich habe sehr viele Gespräche – beispielsweise in der Kantine – geführt, gute, aber auch schlechte Neuigkeiten umgehend an die Beschäftigten weitergegeben. Diese frühzeitig abzuholen bei dem, was uns bevorsteht, war nach meinem Empfinden der richtige Weg, um gegenseitig Vertrauen zu schaffen.“

Mit Beginn der Pandemie sei dieser persönliche Kontakt naturgemäß schwieriger geworden. Über Sommer konnten größere Zusammenkünfte noch im weitläufigen und daher Corona-gerechten Versand stattfinden. „Jetzt, wo es kälter wird, geht auch das nicht mehr.“ Zu seinem Leidwesen „müssen wir somit wieder auf Hilfsmittel wie Newsletter zurückgreifen. Aber das ist nun mal nicht das Gleiche“. Schon alleine deshalb hofft Herkenrath, dass die Pandemie so schnell wie möglich in den Griff zu kriegen ist. Die geplanten Schnelltests sollen dabei ein weiteres Mosaiksteinchen sein.

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