Donnersbergkreis RHEINPFALZ Plus Artikel Finkenbach-Gerbach: Weideabtrieb lockt Zuschauer aus weitem Umkreis an

Für die Mutterkühe galt es, den Heimweg in den Stall anzutreten.
Für die Mutterkühe galt es, den Heimweg in den Stall anzutreten. Foto: Loeffel

Der Weideabtrieb im nordpfälzischen Finkenbach-Gersweiler erfreut sich einer immer größer werdenden Beliebtheit. Das große Interesse am Abtrieb der Mutterkühe wird auch deutlich an der Herkunft der Zuschauer des Spektakels, die aus weitem Umkreis kommen.

Die Kühe des Bauern Willi Becker wurden von den saftigen Wiesen oberhalb der Ortschaft zurück durch den Ort in die Stallungen getrieben. „Seit dem Frühjahr waren die Mutterkühe mit ihren Kälbern draußen“, erzählt der erfahrene Landwirt. Die Kälber, die sich von Muttermilch und Wiesengräsern ernährten, hätten sich innerhalb kurzer Zeit prächtig entwickelt, so Becker. Mit ihrer Selbständigkeit wurden sie von der Mutterherde getrennt und sie nahmen ihren eigenen Werdegang. Nun galt es für die Mutterkühe, den Heimweg anzutreten.

Ein Vorausfahrzeug zeigte der Herde den richtigen Weg. Immer wieder klang es vom Fahrer „komm, komm“, und die rund 70 Mutterkühe folgten seinem Lockruf. In diesem Jahr waren die Rindviecher gemütlich unterwegs, sie genossen sichtlich den Weg durch ein Spalier von Menschen aus verschiedenen Bundesländern und aus Übersee. „Es ist ein Genuss, eine solch große Herde zu beobachten“, lobte ein Betrachter, der sich schützend auf die Einfriedungsmauer an der Straße gestellt hatte. Aus Orbis ist Hans Burkhardt angereist, um den Weideabtrieb zu erleben. Er sei öfters zu diesem Anlass schon in Finkenbach gewesen, verriet der 83-Jährige. „So was gibt es bei uns nicht“, fügt der frühere Viehhalter an und lobt die gute Struktur der Tiere. Der begeisterte frühere Landwirt war in Begleitung seiner Gattin Gerlinde und einem Ehepaar aus Mauchenheim. Die beiden Paare waren frühzeitig angereist und hatten das deftige pfälzische Mittagessen genossen.

„Der ist sehr typisch“

Die Tiere verstand ein weiterer Gast am Straßenrand, nicht aber die Sprache der Einheimischen. Denn er ist US-Amerikaner und auf dem Luftwaffenstützpunkt Ramstein stationiert. Begleitet wurde er von seiner ungarischen Gattin. „Im Internet haben wir von dieser Veranstaltung gelesen, das wollten wir unbedingt erleben“, verrät die Gattin mit Lachen in der Stimme. Zufälligerweise hat dies auch ein befreundetes Ehepaar erfahren, das in Kaiserslautern lebt. Gemeinsam sind sie in die Nordpfalz gekommen und waren mehr als nur begeistert. Viele Fotoaufnahmen werden in diesen Tagen nach Übersee übermittelt. Anschließend wollten sie sich im Ort noch etwas umsehen, denn „der ist sehr typisch“.

„Wir sind in der Pfalz zu Gast bei einem bayrischen Fest“, umschreibt Jürgen Maaß seinen Eindruck. Der 64-jährige Ingenieur aus Wiesloch bereist derzeit mit seiner Gattin Birgit mit einem Wohnmobil die Pfalz. Beim Studium interessanter Plätze und Veranstaltungen sind sie auf den Weideabtrieb gestoßen. Ihr Wohnmobil haben sie in einer Nachbargemeinde abgestellt und sind mit Fahrrädern nach Finkenbach geradelt. „Schöne Tiere“, lobte die 59-jährige Bankkauffrau.

Etliche Gäste in bayrischer Tracht

In der Scheune und dem Umfeld war schon einiges los, denn viele der Gäste saßen zunächst am Mittagstisch, ehe sie sich auf den Weg an die Strecke machten. Andere wiederum kamen erst jetzt um zu speisen. Unter den Gästen auch etliche, die in bayrischer Tracht gekleidet waren. Wer glaubte, dass die aus Bayern kommen, sah sich getäuscht. Denn es handelte sich um eine Freizeitgruppe aus Schweich an der Mosel. Aber Bayern waren auch vor Ort, allerdings waren sie als solche an ihrer Kleidung nicht zu erkennen. Die Gruppe macht derzeit Urlaub in Bad Kreuznach und will sich die Abläufe in einem früheren bayrischen „Territorium“ mal ansehen.

„Wir sind fast jedes Jahr dabei“, verriet ein Ehepaar aus Bisterschied. „Obwohl wir die 80 schon längst überschritten haben, ist es immer wieder ein tolles Erlebnis.“ Beide bewirtschafteten ein landwirtschaftliches Gehöft, und deshalb sei das Interesse an der Viehwirtschaft noch recht groß. Die Gattin hat aber noch ein anderes Hobby: den Besuch von Kunsthandwerkermärkten. So war sie am Vormittag zunächst in Rockenhausen und am Nachmittag mit ihrem Mann in Finkenbach. Während er sich mehr für die Tiere und die landwirtschaftlichen Geräte interessierte, hatte seine Frau andere Anlaufstellen.

Auf Bauernmarkt viel zu entdecken

Ein Obstvermarkter aus der Nordpfalz bot seine Früchte an, vom Apfel über die Quitte bis hin zur Birne sowie die daraus gewonnenen Säfte. Auf dem angegliederten Bauernmarkt gab es noch weitere Erzeugnisse aus der Region, etwa Dosenwurst in verschieden Sorten und Größen bis hin zu Marmeladen und Honig. Duftkerzen waren nicht zu übersehen, ebenso wenig die Zubereitung der Waffeln. Für den Winter wurden Stricksachen, Mützen und Gestecke angeboten.

Die Jugend hatte sehr schnell ihr eigenes Terrain entdeckt, nämlich die Strohburg. Dort konnten sie sich losgelöst von den Eltern austoben. Gleich daneben der tierische Nachwuchs. Artig standen die jungen Kälber an der Absperrung und ließen sich geduldig streicheln. In der Scheue sorgte ein Alleinunterhalter für Stimmung und wählte dabei zum Ereignis passende Stücke. So auch der Schlager von den siebentausend Rindern von Peter Hinnen.

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